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SEETHER - Musik ist keine demokratische Angelegenheit

Der Weg ist ein langer, den Seether bisher zurückgelegt haben. Schon rein geografisch. Als sich die Band unter dem Namen Saron Gas 1999 gründet, geschieht dies noch im südafrikanischen Pretoria. Als die Truppe in die USA umsiedelt, kommen nicht alle Bandmitglieder mit und aus Saron Gas wird Seether. Auch in den Staaten dreht sich das Personalkarussell weiter. Momentan arbeiten Seether als Trio, bestehend aus Sänger und Gitarrist Shaun Morgan, Bassist Dale Stewart und Schlagzeuger John Humphrey. Seether sind tourneetechnisch so auf Trab, wie kaum eine andere Formation. Und zwar so ausgiebig, dass man sich fragte, wann die wohl ihre Platten aufnehmen? Nur Europa und Asien wurde dabei etwa stiefmütterlich behandelt. Das aber soll sich jetzt und mit ihrem sechsten Studio-Album ändern.

Der Musenkuss macht Lieder richtig gut

Es wird schon eifrig an neuen Stücken gearbeitet, gleich nach der Tour zum 2011er-Album ´Holding Onto Strings Better Left To Fray´, da will die alte Plattenfirma unbedingt ein „Best off“-Album.

„Widerwillig stimmten wir zu, uns damit zu beschäftigten“; erzählt Shaun Morgan, „ansonsten hätten wir gar keinen Einfluss darauf gehabt. Also habe ich den Schreibprozess unterbrochen; denn ich hatte schon eine Reihe Stücke für ein weiteres Album fertig. Dazu gehört auch das jetzt auf der Platte ‚Isolate And Medicate’ befindliche ‚Words As Weapons’.“

Gleich als „Seether: 2002-2013“ eingetütet ist, geht es wieder ans Schreiben. Das kann Shaun Morgan fast aus dem Stand.

„Ich schreibe eigentlich immer. Tagaus, tagein“, bekennt der Sänger, „wenn dann noch der Musenkuss dazukommt, dann werden die Lieder richtig gut.“

Und was richtig gut heißt, das haben Seether nunmehr über zwölf Jahre lang unter Beweis gestellt: unzählige Singles konnten in den vordersten Positionen der Hitparaden platziert werden und mehrere Millionen Tonträger wurden verkauft. Und auch preiswürdig sind Seether immer wieder. Shaun Morgan schreibt gern allein und bereitet die Demos vor.

„Naja, schließlich wohnen wir ja auch über die USA verstreut, Nashville, Los Angeles sind die Wohnorte der beiden anderen, während ich in Oklahoma City lebe“, erklärt Shaun Morgan die Problematik gemeinsamen Arbeitens. Aber das ist nur die halbe Wahrheit.

„Okay, ich gebe es zu, ich bin schon ein kleiner diktatorischer Kreativ-Napoleon“, führt er weiter aus, „ich will meine Vorstellungen schon durchsetzen. Und hat nicht jedes Schiff einen Steuermann nötig, der grundlegende Entscheidungen trifft? Ich denke auch nicht, dass Musik eine demokratische Angelegenheit sein kann.“

Damit diese Musik ins rechte Seether-Licht gerückt wird, hat sich die Truppe für die enge Zusammenarbeit mit Pearl Jam- und Bruce Springsteen-Produzent Brendan O'Brien versichert.

„Dabei agierte er temporär wie ein Mitglied der Band und nicht wie angeheuerter Dienstleister“, erläutert Shaun Morgan, „er hat uns ermutigt, Seether zu bleiben und nicht irgendetwas ins Blaue hinein sein zu wollen. Und diese Rückbesinnung auf unsere Fähigkeiten, das ist der Schlüssel zum aktuellen Album.“



Die Stücke bitte nicht zu Tode denken

Shaun Morgan ist auch ein recht schneller Schreiber.

„Dass muss auch so sein“, stellt er klar, „ein gutes Stück strotzt nur so ergreifenden und leidenschaftlichen Noten. Das geht aber nur durch das Zulassen der unmittelbaren Eingebung. Die muss tragen. Wenn du nach drei, vier Tagen immer noch unzufrieden mit dem aktuellen Stück bist, schmeiß es weg, du wirst es sonst nur zu Tode denken und ihm jedwedes Leben austreiben.“

Die große Ausnahme diesbezüglich ist das Stück ´My Disaster´.

„Da habe ich ein Riff eingearbeitet, das bei mir seit mehr als sieben Jahren rumliegt und nie für eines unserer Lieder passend erschien“, nimmt Shaun Morgan den Gesprächsfaden wieder auf, „jetzt passte es, so als wäre es speziell für ‚My Disaster’ geschrieben worden.“

Doch um abseits von den Ablenkungen des Alltags so schnell und präzise arbeiten zu können, hat sich Shaun Morgan einen Rückzugsort geschaffen.

„Ich habe dort selbst Hand angelegt, den Teppich ausgewählt und ausgelegt, die Wände bemalt und den Raum dekoriert - die Atmosphäre sollte mich kreativ beflügeln“, gibt er zu Protokoll, „und genau das hat sie getan.“

Auch ist es dieser Isolation zu verdanken, dass Shaun Morgan die Texte zu den Liedern thematisch eingegrenzt hat.

„Es geht um Beziehungen, und zwar in allen Aspekten“, sagt der Sänger, „ich widme mich den sprichwörtlichen guten Zeiten genau so, wie den schlechten.“

Was das Gute an den Texten ist, ist die Tatsache, dass Shaun Morgan nie Angst hat, dabei seinen eigenen Dämonen in die Augen schauen. Auch wenn es dabei ein wenig um Selbsttherapie gehen mag, so werden die Geschichten nicht vollends auserwählt. So kann sich letztlich jeder seinen eigenen Reim drauf machen kann. Das bindet Publikum und diese Herangehensweise hat sicher auch die große Anhängerschar von Seether generiert. Das mit der großen Anhängerschar bezieht sich weitgehend auf die USA.

„Das muss sich ändern und das wird sich ändern“, daran lässt Shaun Morgan keinerlei Zweifel, „den Anfang haben wir jüngst mit Rock am Ring, Rock im Park und dem Hellfest gemacht. Eine Headlinertour im Herbst wird folgen. Doch nicht nur Europa werden wir erobern, wir haben beispielsweise auch noch nie in Asien gespielt.“

Nun, um das alles anzustoßen, haben Seether mit ´Isolate And Medicate´ ein Musikbrett im Gepäck, auf dem sich munter durch die Kontinente surfen lässt

Aktuelles Album: Isolate And Medicate (Spinefarm / Universal Music)
© 02. Juli 2014  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer ||| Foto: Marina Chavez
Juli 2014

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