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AMANDA PALMER - Der jonglierte Tag

Amanda Palmer ist natürlich niemand anderes als die (vielleicht maßgebliche) Hälfte der Dresden Dolls, die unter der bezeichnenderweise unbeantworteten Frage „Who Killed Amanda Palmer“ ihr Solo-Debüt vorliegt – während Kollege Brian Viglione mit der Band ´The World/Inferno Friendship Society´ durch die Lande tourt. Zum Glück bedeutet das weder, dass Amanda noch die Dresden Dolls tot sind noch dass etwa gar Brian Amanda umgebracht hätte.

„Brian und ich brauchten eine Pause, das war der eigentliche Hintergrund, warum ich diese Scheibe gemacht habe“, gesteht Amanda denn auch beruhigend, „das und der Umstand, das ich eine Reihe von Songs hatte, die nicht so recht zu den Dresden Dolls passen wollten. Als Dresden Dolls haben Brian und ich uns langsam wahnsinnig gemacht. Immerhin sind wir jetzt seit 8 Jahren zusammen unterwegs. Das haben sogar die Leute um uns herum mitbekommen. Man hat uns den Ratschlag gegeben, es etwas ruhiger anzugehen und jeder für sich mal eine Weile sein eigenes Ding zu machen.“

Nun ist Amanda auf dem neuen Album aber doch nicht ganz alleine – obwohl das zunächst so angedacht gewesen war. Mit an Bord ist Kollege und Fan Ben Folds, der nicht nur selbst Drums spielte und sein eigenes Studio in Nashville zur Verfügung stellte, sondern das Album auch in wesentlichen Teilen arrangierte und produzierte. So kommt es, dass die Tracks jenen der Dresden Dolls gar nicht so unähnlich sind – wenngleich man auch Folds Anteil deutlich heraus hören kann. Wie kam das Projekt denn zustande?

„Ben hat sich an mich gewandt“, erzählt Amanda, „er sagte einfach, dass er ein Fan der Dresden Dolls sei und er hat mir sein Studio für meine Solo-Scheibe angeboten – zunächst nur den Raum. Als ich ihm erzählte, dass ich keinen großartigen Plan habe, hat er sich einverstanden erklärt, die Scheibe auch zu produzieren.“

Doch dabei blieb es nicht: Die phantasievollen Arrangements - mit Streichern, Keyboards aller Art und eben seinen eigenen, songdienlichen Drum-Parts – stammen auch von Ben.

„Es war insofern interessant für mich, als das ich zum ersten Mal mit einem Produzenten arbeitete, dem ich mich vollständig anvertraute und quasi meine Kontrolle abgegeben habe“, erinnert sich Amanda, „Ben hat sich nach den Aufnahmen für meine Vocals bedankt und gesagt, dass ich in fünf Tagen wiederkommen könne und dann sei alles fertig. Das war ein wenig furchteinflößend, hat aber gut funktioniert. Er hat den Stücken erst ihr Gesicht gegeben. Das Ergebnis haben wir dann noch zusammen diskutiert und gemeinsam fertiggestellt.“

Dennoch ist dieses Ergebnis zweifelsohne ein echtes Amanda Palmer-Produkt. Nicht nur des energischen Vortrages, ihrer kräftigen Gesangsstimme und des rapiden Klavierspiels wegen, sondern auch, weil die Songs selbst eben auch typisch Amanda sind. So gibt es hier keine simplen Stories, sondern vielschichtige Stimmungsbilder, die zum Teil vier oder fünf Themen gleichzeitig ansprechen und die von einer Unzahl fiktiver und tatsächlicher Charaktere bevölkert sind.

„So etwas mag ich“, meint sie, 'meine Songs sind fast wie ein komprimierter Tag. Man macht an einem Tag ja schließlich nicht nur eine Sache, sondern dies und das. Man jongliert verschiedene Dinge und so ist das auch in meinen Songs.“

Auf der anstehenden Tour hat sich Amanda noch eine ganz spezielle Präsentation des neuen Materials ausgedacht, die an dieser Stelle aber ausdrücklich nicht verraten werden soll. Danach gibt es erst mal eine kleine Auszeit in Form eines lange verdienten Urlaubes und dann steht auch schon wieder ein neues Dresden Dolls-Album an. Mit Amanda Palmer wird es wirklich niemals langweilig.

Aktuelles Album: Who Killed Amanda Palmer (Roadrunner)
© 01. Oktober 2008  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Foto: Joshi Radin
Oktober 2008

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