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VETO - Die ´Kubrick-Kur´

In Zürich soll ein aggressiver Däne mit den Worten „Haa do wot i Hobrow?“ einmal einen Weggenossen mit der Faust niedergestreckt haben, als die Frage nach der schönsten Stadt Europas diskutiert wurde. Aus jenem Hobro(w) kommt nun eine Musik, deren Klang ebenfalls wie ein Schlag direkt ins Gesicht wirkt. Und es hilft garantiert nicht, (ein) Veto einzulegen...

Hobro liegt eingebettet am längsten dänischen Fjord, dem Mariager Fjord, und ist besonders für Fyrkat, eine Art Wikinger-Burg, bekannt. Troels Abrahamsen ist hier geboren und aufgewachsen. Der 25jährige Musiker (Gesang, Synthesizer) schaffte es in 2006 mit seinen Kollegen Jens Skov Thomsen (Bass), David Krogh Andersen (Gitarre), Mads Hasager (Drums) und Mark Lee (Synthesizer), sich an die Spitze der heimatlichen Charts zu katapultieren. „There´s A Beat In All Machines“, der erste Longplayer, den das Quintett als Veto produzierte, erhielt folglich eine Goldauszeichnung. Nun legt die Band (auch in Deutschland) mit „Crushing Digits“ nach. Das Album stieg zur VÖ in Dänemark „nur“ auf No. 2 in die Charts ein. WZ-Gesprächspartner Abrahamsen:

„Es hat zu diesem Zeitpunkt seit der Veröffentlichung mehr Einheiten verkauft, als das Debut. Die No.1 haben wir nur deshalb nicht geschafft, weil Madonna ihr neues Album in derselben Woche veröffentlichte. Offensichtlich konnte (nur) sie uns schlagen.“

„Crushing Digits“ erschien auf dem bandeigenem Label, wird jedoch von einem Major vertrieben.

„Dadurch haben wir die Vorteile ´beider Welten´. Unser Label sichert uns unsere künstlerische Freiheit, der große Vertriebspartner besorgt den Rest, Promotion usw.“

Die neuen Sounds orientieren sich stark an der Electronica.

„Klar, die elektronische Musik hat uns beeinflusst. Aber eigentlich kommen wir aus der Rock-Ecke. Es ist wie ein großer Deal, alles kommt in einen großen Topf.“

Veto klingt dadurch wie der Soundtrack zu einem Stanley Kubrick-Film.

„An welchen Film denkst du? Clockwork Orange? Ich mag diesen Film sehr. Vielleicht sollten wir den Film nachträglich mit unserer Musik unterlegen. Wir würden gern Musik für Kinofilme machen, versuchen immer, Soundscapes zu produzieren. Die Melodie ist nicht wichtig, es kommt auf das Feeling der Musik an.“

Veto-Songs müssen nicht am Lagerfeuer nachzuspielen sein. Darauf legen die Musiker keinen Wert.

„Meistens starten wir unsere Kompositionen mit Rhythmus und Schlagzeug. Der Beat ist ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Musik. Unser Beat ist originell, eben, weil er mit den Drums beginnt. Wir komponieren keine Musik an Gitarren oder Synthesizern, sondern haben den Beat im Kopf!“

Die Inspirationen kommen von diversen Club-Sounds, Soulwax, Prodigy. Trotz des jugendlichen Alters der Veto-Mitglieder dürfte „Pornography“ von The Cure latent ein weiterer Baustein zum Gelingen des aktuellen Albums gewesen sein. Abrahamsen´s Stimme ähnelt zudem jener vom Cure-Kopf Robert Smith dermaßen, dass man unweigerlich an „Industrial-Pornography on acid“ denken muss. An anderer Stelle fragt man sich, ob Can und NIN vermengt wurden.

„Ich bin zwar erst 25, aber ich kann doch die alten Scheiben immer noch bekommen. Ja, ich habe oft The Cure gehört!“

Obwohl ein Song geringfügig an Scooter erinnert, hat Veto mit dem zweiten Album ein schönes, hypnotisches, irgendwie gar tanzbares Werk hinbekommen. Hinter den epischen Elektronik-Sounds sind dezent gar noch Wave-Gitarren wahrnehmbar.

„Unsere Inspirationsquellen ändern sich stetig. Als unsere erste CD aufgenommen wurde, kannten wir uns bereits eine Weile. Aber wir lernten uns durch das Album besser kennen, vertraten zudem seinerzeit einen anderen Standpunkt als jetzt. Mittlerweile haben wir gemeinsam andere Bands angehört. ´Crushing Digits´ hat uns noch intensiver vereint.“

Und ist dennoch lediglich eine Bestandsaufnahme der aktuellen Gefühlswelt der fünf Musiker. Auch wenn der Veto-Sound ob seiner Beschaffenheit manchmal schmerzt, so lässt er doch gerade dadurch Konsumenten das jeweilige Leben nur noch intensiver fühlen. Das passt wie die Faust aufs Auge! Apropos: Bist Du jemals in Hobro gewesen?

Aktuelles Album: Crushing digits (SonyBMG)
Weitere Infos: www.vetonet.dk
© 01. Oktober 2008  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
Oktober 2008

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