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THE NOTWIST - Allein in bester Gesellschaft

Den Sonderstatus stets vor Augen, ließen sich The Notwist wieder sechs Jahre Zeit für ihr neues Album ´Close To The Glass´ und sehen in der langen Pause keinerlei Problem: „Wenn wir mit der letzten Platte etwas lernten, dann war das definitiv, dass einige Leute mit einer sehr konkreten Erwartungshaltung an unsere Veröffentlichungen herantreten“, erklärt Soundtüftler Martin Gretschmann und empfindet die Druckkulisse längst nicht mehr als störend. Vielmehr sei die eigene Erwartungshaltung die größte Herausforderung und wo die Verantwortung dem Publikum gegenüber stehe, müsse man zuallererst selbst mit dem Ergebnis zufrieden sein. Zeit diene dafür als unerlässliche Notwendigkeit und wenn wir The Notwist eines glauben dürften, dann: „Wir sitzen nicht länger als nötig an unseren Songs, egal welches Bild die Pause vermittelt.“

Die Frage sei gestattet, erlaubt man sich ein etwas schwereres Thema gleich zu Beginn des Gesprächs: Ist es für die Mitglieder von The Notwist inzwischen leichter mit ihren Nebenprojekten Alben zu veröffentlichen als mit der Hauptband – gerade weil die zu einer Art eigenem Genre über die Jahre heranwuchs?

Martin Gretschmann, besser bekannt als Console, wuschelt sich durch die wilde Mähne, richtet die Brille auf und stockt für einen Moment: „Nun, dass habe ich für mich nie miteinander verglichen und kenne auch keine derartigen Meinungen von den anderen. Könnte sein, würde das aber was ändern?“

Richtet er die Frage zurück und man gibt sich geschlagen, denn aus der Ruhe bringt diesem Musiker heute nichts. Was 2008 noch anders war, betont Gretschmann und weißt auf das letzte Release seiner Band ´The Devil, You + Me´ hin – dass damals keineswegs einen leichten Stand bei der Presse hatte:

„Ich kann mich noch gut an die ersten fünf, sechs Interviews erinnern: Man spürte bei den Journalisten förmlich, dass dies der Nachfolger zu ‚Neon Golden‘ ist und als wir miteinander sprachen, meinte jeder, dass die Sache schwer und kompliziert wird. Im Grunde hatte die Platte bei manchen gar keine Chance.“

Weil jeder das nächste bahnbrechende Meisterwerk erwartet habe und sich nicht damit zufrieden gab, dass The Notwist ihren Sound als eine Art Trademark für sich entdeckten und darauf aufbauend weiterentwickeln wollten – den Bayern wurde vielmehr die Wiederholung wider Willen vorgeworfen und „The Devil, You + Me“ versackte nahezu ungehört.

Gretschmann sieht immer noch ein sehr gutes Album darin und nicht umsonst war die lange Pause eine der kreativsten der Band, denn wirklich weg waren sie in all den Jahren nie.

„Manchmal kamen Leute auf mich zu und fragten, ob es uns überhaupt noch gibt oder wir inzwischen getrennt seien?“

Lacht der Gefragte seine leicht dezent schlechte Laune zum Gesprächsthema weg und wirklich: Er und seine Kollegen tourten sich salopp gesagt den Arsch ab und waren stets auf großer Rundreise unterwegs. Was den Kreativprozess im Hause The Notwist positiv beeinflusste:

„Man kommt halt nicht raus und wenn du so willst, ist dieses sich immer-wieder-Treffen etwas Neues für uns gewesen“, erklärt Gretschmann und betont, dass sich demgegenüber auch gewisse Konstanten finden lassen – wie zum Beispiel die Tatsache, dass The Notwist ´Close To The Glass´ einmal mehr in ihrer Homebase Weilheim aufgenommen haben.

Dem oft zitierten und berühmten ´Sound of Weilheim´ hält er jedoch für einen Mythos:

„Im Grunde ist es einfach ein Vorteil für uns, dort an Alben zu arbeiten. Nichts lenkt einen ab. Gut, es gibt Cafés in der Stadt, aber da sitzen wir in aller Regel nicht, sondern konzentrieren uns auf die Aufnahmen und versuchen sie zu einem Ende zu bringen.“

Das Ergebnis ist nun das geworden, was wir von The Notwist erwartet haben: Es sprengt den Rahmen keineswegs, sondern setzt fort, was mit ´Neon Golden´ vor über zehn Jahren seinen Anfang nahm. Die Geschichte einer Band, die wie jede andere auch das Recht auf einen eigenen Sound hat und diesen gerne in die unterschiedlichsten Richtungen vorantreibt.

Bleibt für ´Close To The Glass´ nur zu hoffen, dass die Erwartungen nicht wieder dafür sorgen, dass ein jeder voreingenommen an die Songs herantritt und Martin Gretschmanns Gelassenheit im Interview Lügen straft.

„Es allen recht zu machen, kann sowieso niemand“, stellt er abschließend fest und ist dann doch neugierig, wie man es selbst findet: Großartig natürlich, sonst wären wir nicht hier.

Aktuelles Album: Close To The Glass (City Slang / Universal)
© 01. März 2014  WESTZEIT ||| Text: Marcus Willfroth ||| Foto: Jörg Koopmann
März 2014

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