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THE FEELING - Die Erweckung eines vergessenen Genres

Das Londoner Eastend, einst klassisches proletarisches Viertel, das über die Jahrhunderte verschiedene Einwanderergruppen wie es heute Kreative jeglicher Coleur anzieht. Darunter Dan Gillespie Sells, seines Zeichens Sänger und Frontmann von The Feeling. Er ist dort dem Charme eines alten Pub erlegen, kaufte ihn kurzerhand und verwandelte ihn sowohl in seine Wohnung, als auch in ein Aufnahmestudio. „Dort saß ich am Klavier, ohne Ziel und Plan und klimperte einmal die Tasten rauf und dann wieder runter“, erinnert er sich, „und dann gab es da den Lauf, der mich nicht wieder losließ. Er wurde zur Basis des neuen Stückes ‚You’ll See’.“

Gefühle in Cinemascope

Was der Sänger damals nicht wusste, das Lied sollte den Anstoß für das aktuelle, vierte Album von The Feeling, „Boy Cried Wolf“ werden. Elf Preziosen sind darauf versammelt, die allesamt dokumentieren, dass The Feeling ihre grandiosen Fähigkeiten eine romantische, fein gedrechselte Popmusik zu kreieren wieder entdeckt haben. Da werden Gefühle im Großformat, in Cinemascope nicht nur ausgedrückt, sie werden zelebriert. Doch immer wird vor zu viel Pomp, Pathos oder gar Kitsch abgebremst.

„Es ist gar nicht so einfach immer weiter zu machen, wenn du als Künstler einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichst“, gesteht Dan Gillespie Sells, „manchmal verliert man dabei seine Stimme, seine Fähigkeiten und kommt kreativ nicht mehr da raus, wo man rauskommen will. Das war vor der letzten Platte ‚Together We Were Made’ von 2011 so. Alles war, wie verschüttet. Erst die perlenden Pianoläufe, die später in ‚You’ll See’ zu hören sein sollten, schaufelten den Weg wieder frei.“

Der weg Führt hin zu einem Album, das nach einer Band klingt, die wieder unbändigen Spaß daran hat, Musik zu machen.



Immer kurz vorm Tod

Doch wie eng Spaß und Leiden zusammenhängen zeigt ein Blick auf den Grund für Dan Gillespie Sells’ einsames Sitzen an seinem Klavier. Ein gebrochenes Herz. Sein gebrochenes Herz.

„Kurz und bündig gesagt, meine Beziehung ging nach fünf Jahren vor die Hunde“ sagt er fast emotionslos, „und das konnte nicht nur in einem Lied aufgearbeitet werden, dazu brauchte es mehr. Alle davon sind auf der Platte. Liebeskummer ist wohl eine universelle Sprache zu sein, die gerade in Musik gegossen jeder auf der Welt verstehen kann.“

Mit ´Boy Cried Wolf´ haben The Feeling erneut die Tür zu einem Genre aufgestoßen, das längst vergessen schien, das des epischen, groß angelegten Rockliedes mit bittersüßer Note, leidenden Schmachtfetzen, die immer kurz vorm Tod angesiedelt sind. Immer und in letzter Minute wird der Sänger aus den flehenden Uahus heraus gezogen und gerettet. Und das Publikum schluchzt - erst vor Trauer und dann vor Freude.

Aber schön ist es immer wieder, weil der Suchtfaktor so groß ist. Weil der alte Zauber aus Anfangszeiten wieder da ist. Die Band um Sänger Dan Gillespie Sells heißt nicht umsonst The Feeling, das Gefühl!

Aktuelles Album: Boy Cried Wolf (BMG Rights / Rough Trade)
© 01. März 2014  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
März 2014

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