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ELENI MANDELL - Widerliches Glücksgefühl

Das achte Album von Eleni Mandell aus Los Angeles scheint jenes zu sein, auf dem sie endgültig ihren Platz in der Musiklandschaft gefunden hat. Denn nachdem die Dame bis zu ihrem Album ´Artificial Fire´ alles daran setzte, ihre Musik möglichst komplex und eigenständig aufzubohren und zu verbiegen, begab sie sich spätestens 2012 mit ´I Can See The Future´, das unter dem Eindruck der Geburt ihrer Zwillinge entstand in ein ruhigeres Fahrwasser.

Das neue Album, „Let’s Fly A Kite“ kommt nun mit einer solch heiteren Gelassenheit daher, dass man fast schon von einer „neuen“ Eleni Mandell sprechen könnte.

„Nachdem meine Kinder geboren wurden, realisierte ich, dass ich im Prinzip ständig glücklich war“, stellt sie – fast erstaunt – fest, „und zwar nicht auf eine störende, sondern auf eine sehr gesunde Art. Kinder zu haben – zumal zwei – die man dann alleine aufzieht, ist natürlich nicht leicht. Aber es erfüllt mich dergestalt mit Dankbarkeit und Liebe, dass es fast schon widerlich ist. Dieses überwältigende Glücksgefühl ist aber auch großartig. Natürlich sind sie jetzt in einem schwierigeren Alter, so dass meine nächste Scheibe wohl wieder anders sein wird.“

Einen großen Anteil daran, dass das – sich nach wie vor an klassischen Strukturen orientierende Werk – so relaxed, souverän und ungezwungen daher kommt, liegt mit Sicherheit daran, dass Eleni das Album zusammen mit den Musikern der Nick Lowe Band einspielte und erarbeitete. Eleni freundete sich mit dem Tourmanager Lowes, Neil Bockbank an, den sie kennenlernte, als sie auf einer US-Tour Lowe supportete. Er war sofort bereit, mit Eleni zusammenzuarbeiten als sie ihn fragte und gab das gar als seine Idee aus.

„Er lud mich nach meiner letzten Europa-Tour ein nach London zu kommen und mal auszuprobieren, wie das mit seinem Team funktionieren würde. Ich mochte die Jungs, die im Grunde genommen ein herber Haufen Seeleute sind, sofort. Sie haben jede Menge Charakter und unglaubliche musikalische Fähigkeiten.“

Was war denn der wichtigste Aspekt bei dieser Produktion?

„Für mich war das, Neil Brockbank und Robert Trehern (dem Co-Produzenten und Drummer der Band) zu vertrauen“, erklärt Eleni, „wenn Du Leuten vertrauen kannst, die Dir helfen, Deine Musik zum Leben zu erwecken, dann kannst Du eine Menge Spaß haben und die Songs ihr Eigenleben führen lassen. Im Studio Spaß zu haben ist mir eh wichtig. Neil und Bob haben sehr verschiedene Fähigkeiten mit an den Tisch gebracht. Beide haben ein unglaubliches Wissen über und Lieber zur Musik. Ich habe viel von ihnen gelernt.“

Eleni Mandell scheint mit sich und ihrer Umwelt zur Zeit absolut im Reinen zu sein, was sich in diesem Fall unmittelbar auf ihre Musik niederschlägt. Gibt es denn aber irgend etwas, was Eleni Mandell im Rückblick besser nicht gemacht hätte?

„Ha!“ meint sie, „ich hätte besser ein paar bestimmte Leute vermeiden sollen – aber ansonsten bin ich recht stolz auf meine Karriere. Ich denke, ich habe einen guten Job gemacht und vor allen Dingen immer das Beste gegeben, was ich konnte. Ich hätte natürlich gerne einen größeren Erfolg und eine finanzielle Sicherheit gehabt, aber ich bin dankbar dafür, dass ich das, was ich wollte auch machen konnte und niemals künstlerische Kompromisse eingehen musste. Es gibt nur wenige unschöne oder dramatische Momente, die ich nicht noch einmal durchleben wollte, ansonsten kann ich einfach nur dankbar sein.“

Und wir sollten dankbar sein, dass uns Eleni in Zeiten in denen Desolation und Ernüchterung allgegenwärtig sind, ein Album bescherte, das sich den sonnigen Seiten des Daseins zuwendet.

Aktuelles Album: Let´s fly a Kite (Make My Day Records)
© 01. März 2014  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Foto: Laura Heffington
März 2014

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