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YUCCA - Fränkisches Kopfkino

Sie texten auf Englisch, weil sie das schon immer gemacht haben. So lapidar die Begründung der Nürnberger Band Yucca ist, entgegen dem weitläufigen Trend, ihre Texte auf Englisch zu schreiben, so überzeugend und aufregend ist auch die neue Platte „A Different Time In A Different Place“. Und deren Entstehung war weiß Gott, kein Selbstläufer, sondern harte Arbeit, die von segensreichen Zufällen und anderen Katastrophen begleitet wurde.

Ein höflicher junger Mann ist Christian Mertel. Noch bevor ich die erste Frage stellen konnte wies er mich an, ihm Bescheid zu sagen, falls er zu sehr fränkeln sollte. Das Gespräch konnte dann aber ohne Dolmetscher über die Bühne gebracht werden. Dass der Yucca Gitarrist und Sänger mitsamt seiner Bandkollegen (Bass/ Daniel Hönig, Schlagzeug/ Jens Würdenmann, Keyboard/ Peter Graf und Gesang bzw. Gitarre/ Matthias Scharrer) anscheinend alle eine gute Kinderstube genossen haben, verhalf ihnen - neben ihrer spielerischen Klasse - dann auch zu ihrem musikalischen Durchbruch.

"Im März 2008 sollten wir bei einem Benefizkonzert auftreten. Das Problem war aber, dass unser Schlagzeuger, der Jens, krank geworden ist. Da wir aber nicht absagen wollten, haben wir uns dann entschieden, den Auftritt trotz Krankheit doch zu spielen. So ein Benefizkonzert sagt man ja nur ungern ab."

Das die Entscheidung das Konzert durchzuziehen, sich kurze Zeit später als die wohl wichtigste in ihrer siebenjährigen Bandhistorie herausstellen sollte, hätte da wohl noch keiner gedacht, denn die Telefonnummer, die nach dem Auftritt am Merchandise-Stand hinterlassen wurde, gehörte nicht einem pubertierendem Groupie, sondern Produzenten Oliver Zülch (Die Ärzte, Slut, The Notwist).

"Ja, wie der Zufall so wollte war der Oliver Zülch da, und dem hat der Auftritt so gut gefallen, dass er seine Nummer am Merchandise -Stand hinterließ, weil er Interesse hätte, uns aufzunehmen. Da haben wir uns dann natürlich gefragt, wer denn dieser Oliver Zülch sei. Bei unseren Recherchen haben wir dann so einiges gefunden, und waren von seiner Arbeit direkt sehr angetan."

Kurze Zeit später traf man sich dann bei Kaffee und Kuchen und machte Nägel mit Köpfen.

“Er würde gern diese Energie, die er bei unserem Konzert gespürt hat, auf Platte bekommen. Es hat ihn gereizt das alles live einzuspielen. Diese Idee, mit dem live einspielen, hat uns auch direkt überzeugt, und wir merkten sofort das wir auf einer Wellenlänge liegen, weil er wusste wo wir mit der Platte hin wollen. Da hat einfach sofort die Chemie gestimmt.“

Doch genau dann, wenn die Welt in strahlendes hellblau getaucht zu sein scheint, und alles so perfekt wirkt, verfinsterte sich der Himmel mit dicken Regenwolken, welche die Bandmitglieder fast wortwörtlich im Regen stehen ließ - oder besser gesagt deren gesamtes Equipment und alle ihre Instrumente.

"Drei Wochen vor den Aufnahmen ist der Worst Case eingetreten und der Proberaum hat bis zur Decke unter Wasser gestanden, Da standen wir ohne Instrumente da und mussten uns überlegen, was wir machen. Es ist so frustrierend, da hat man sich das alles erarbeitet und da kommt so etwas dazwischen. Wir haben dann das Geld auf Pump von der Bank bekommen, haben das Notwendigste zusammengekauft, und sind nach Weilheim gefahren.“

Ausgestattet mit den neuen Instrumenten sollte dort dann das schwierige Unterfangen bewerkstelligt werden, die Songs größtenteils live einzuspielen.

“Wir haben beim Aufnehmen mit 13 analogen Synthesizern gearbeitet und einfach viel rumgetüftelt. Die Basics, also Schlagzeug, Bass und Gitarren sind komplett live eingespielt, der Gesang und die Synthesizer sind im Proberaum in Nürnberg dazugekommen.“

Zusätzlich zum Album „A Different Time In A Different Place“ bescherten die Proberaumaufenthalte in Weilheim und Nürnberg Yucca dann sogar ein neues, wenn auch inoffizielles, Bandmitglied.

„Die Zusammenarbeit mit dem Oliver war für uns eine ganz neue Erfahrung. Er war wie ein sechstes Bandmitglied. Man kann ihn da nicht genug loben. Die Zusammenarbeit war einfach unglaublich gut“

Never change a winning team. Unter diesem Motto stehen auch die Planungen für 2009. Neben einer deutschlandweiten Herbsttour, soll auch an neuen Songs für das nächste Album gearbeiten werden, das nach Wunsch des Nürnberger Quintetts erneut mit Oliver Zülch aufgenommen werden soll. Es bleibt den Jungs zu wünschen, dass die Aufnahmen zum nächsten Album trockener verlaufen als zu diesem. Bei dem geleisteten Aufwand hätten sie es verdient.

Aktuelles Album: A Different Time In A Different Place (Warehouse/ Soulfood)
© 01. April 2009  WESTZEIT ||| Text: Sören Hanßen
April 2009

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