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BILL CALLAHAN - Des Songwriters seltsamer Kosmos

Weil sich für außergewöhnliche Musik schwer die passenden Worte finden lassen, nutzt Bill Callahan einfach Bilder. Die Landschaften, Gesichter, Tiere und Töne seines neuen Albums „Sometimes I Wish We Were An Eagle“ sind die Farbgebung eines Gemäldes, über das der Schöpfer höchst mysteriös spricht. So, als hätte Sören Kierkegaard den holländischen Maler Vincent Van Gogh auf eine Tasse Tee geladen.
Wer zuletzt aufmerksam die Karriere dieses Songwriters verfolgte, stellte fest, dass Bill Callahan einen Schritt in die Öffentlichkeit wagte: Zuerst fielen bei seiner ehemaligen Band (Smog) die Klammern weg und kurze Zeit später der ganze Name – um für die eigentliche Person Platz zu machen. Mit „Woke On A Whaleheart“ veröffentlichte er vor zwei Jahren sein ersten Soloalbum.

Damals tat der hochschüchterne Musiker die Veränderungen als eine Laune ab und sah überhaupt keinen Grund für irgendwelche Erklärungen. Alles befinde sich in einem Fluss und niemand könne davon ausgehen, dass dieser nichts Neues mit sich bringt. Was wir freilich nicht ahnten – dieser Fluss war keine Metapher, sondern ein Gefühl im Körper des Bill Callahan.

„Wenn ich meine Augen schließe, kann ich ihn sehen und weiß, dass er nie wieder weggeht“, philosophiert der Songwriter, „es macht ja auch Sinn, gerade weil der Mensch zu 90 Prozent aus Wasser besteht. Was wir indes sehen, sind die übrigen Dinge wie Haut und Knochen. Deswegen ist die äußere Erscheinung nur die Hülle für den inneren Kern, den ich als Fluss bezeichne.“

Ganz so mystisch geht es auf seinem neuen Album „Sometimes I Wish We Were An Eagle“ nicht zu – auch wenn der Albumtitel es vermuten ließe. Was sich dahinter verbirgt, lässt Callahan unkommentiert. Die Musik sei wichtiger:

„Diesmal hatte ich alle Texte fertig, bevor die einzelnen Songs ausgearbeitet wurden. Ich erkannte einfach, dass es mir leichter fällt ein Lied zu schreiben, wenn die passenden Lyrics schon da sind.“

„Im Anschluss fiel mir auf, welche konkreten Erwartungen mit diesem Album einhergingen: Ich wollte, dass die Platte im Gegensatz zum Vorgänger ‚Woke On A Whaleheart’ keine Jukebox ist, sondern sich aufs Wesentliche konzentriert. Daher dauerten die Arrangements länger und wirken nun ausgefeilter.“

Was hingegen im Ungewissen schlummert, ist die Inspiration hinter all dessen:

„Es ist nicht beschreibbar für mich - die Einflüsse auf mein Songwriting kommen aus einer anderen Welt und nehmen nach einer gewissen Zeit bestimmte Farben und Formen an, die ich erkennen kann. Trotzdem ist es der Instinkt, der mich am meisten antreibt. So wie Vögel, die es Richtung Süden zieht.“

Es ist schwer, hinter diesem Dickicht von Aussagen eine klare Struktur zu erkennen. Musikalisch befindet sich Callahan jedoch klar im Zenit seines Schaffens: „Sometimes I Wish We Were An Eagle“ ist das tröstlichste Album seiner gesamten Karriere und kann die Zuversicht des sensiblen Songwriters nicht verbergen. Er scheint mit sich selbst im Reinen.

„Wenn mir jemand vor fünfzehn Jahren gesagt hätte, dass ich heute noch Platten veröffentliche, wäre ich ernsthaft verwundert gewesen. Ich plante keine Karriere als Musiker, es war einfach der Lauf der Dinge“, resümiert er.

„Letztens sah ich ‚Wheel Of Time’ von Werner Herzog und was mich neben seinen Filmen am meisten begeistert, ist die Art, wie er redet. Herzogs Stimme hat etwas unheimlich Beruhigendes und wenn er über seine Arbeit als Regisseur spricht, wünschte ich, dass mir dies über meine Musik auch so leicht fallen würde.“

Viele Gedanken aber verschwendet Bill Callahan über solche Dinge nicht: Er arbeite bereits an einem neuen Album und hätte die Hälfte schon im Kasten.

„Songs zu schreiben hält mich jung. Dies ist bei vielen Musikern so und deswegen werden einige von ihnen sehr alt.“

Hoffen wir das Beste, denn so homogen wie auf „Sometimes I Wish We Were An Eagle“ korrespondierten die musikalischen Qualitäten des Bill Callahan selten. Image hin oder her.

Aktuelles Album: Sometimes I Wish We Were An Eagle (Drag City / RTD) VÖ: 30.03.


© 01. April 2009  WESTZEIT ||| Text: Marcus Willfroth ||| Foto: Tully Grader
April 2009

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