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THE WALKMEN - Nicht immer ständig unter Strom

Laut, nuanciert, aufrührerisch und bittersüß sind nur vier der Adjektive, mit denen The Walkmen bereits beschrieben worden sind. Dabei schafft es die aus Washington, DC, stammende und inzwischen in New York City heimisch gewordene Band nicht nur irgendwie, all diesen Beschreibungen gerecht zu werden, sondern auf wundersame Weise sogar gleichzeitig! Der neueste Beweis dafür ist ihr ausgezeichnetes drittes Album „A Hundred Miles Off“, das mit einiger Verspätung nun endlich auch in Europa erscheint.

Gleich das erste Stück „Louisiana“ ließ die US-Kritiker bereits ob der brillanten Symbiose aus Velvet-Underground'scher Monotonie und nasalem Gesang à la Bob Dylan jubilieren, und auch der Rest des so NYC-typischen Albums sollte jeden Fan des rauen Retro-Charmes von The Strokes begeistern können. Dass The Walkmen bisher den Hype, der die New-Yorker Kunst- und Musikszene seit Jahren umweht, nicht so recht für sich nutzen konnten, liegt womöglich auch daran, dass das Quintett am liebsten alles alleine macht (und seit Jahren auch ein eigenes Tonstudio namens Marcata unterhält).

„Die wenigen Male, die wir mit Menschen von außerhalb der Band zusammengearbeitet haben, lief es überhaupt nicht gut. Ich denke, wir sind einfach eine Band, die es genießt, das Sagen zu haben und ihr eigenes Ding durchziehen zu können“, bestätigt Sänger Hamilton Leithauser, der wie Peter Bauer zuvor bei The Recoys spielte und bei den Walkmen mit drei ehemaligen Musikern der Garagen-Rock-Legende Jonathan Fire*Eater - Paul Maroon, Walter Martin und Matt Barrick - kollaboriert.

„Wir hatten bei den Aufnahmen das Gefühl, dass wir uns nun an unseren früheren Platten orientieren konnten, anstatt einfach ins Blaue hinein zu arbeiten“, erinnert sich Leithauser. „Wir wussten, dass wir einen Pfad weiterverfolgen konnten, anstatt uns einen neuen suchen zu müssen.“

Geholfen hat dabei sicherlich, dass die ersten beiden Alben, „Everyone Who Pretended To Like Me Is Gone“ von 2002 und „Bows And Arrows“ aus dem Jahre 2004, nicht nur glänzende Kritiken erhalten haben, sondern zumindest in den USA auch viele Käufer gefunden haben, so dass die Band sicher sein konnte, auf ein Publikum zu treffen, das zuhört, auch wenn die musikalische Ausrichtung ein wenig verändert ist.

„Der größte Unterschied ist sicherlich, dass wir früher reguläre Jobs hatten und nur nachts aufnehmen konnten. Inzwischen können wir aber zum Glück von der Band leben“, erklärt Leithauser. Fast könnte man sagen, dass sich die Tatsache, dass die Band nicht mehr nur bei Dunkelheit aufnehmen kann, auch soundtechnisch auf „A Hundred Miles Off“ bemerkbar macht. Galten The Walkmen bisher als äußerst düstere Band, ist die Atmosphäre auf dem neuen Werk deutlich weniger aufgeladen.

„Wir sind die Aufnahmen mit dem Ziel angegangen, eine Platte zu machen, bei der die Stimmung weniger gespannt ist“, sagt Leithauser und fügt abschließend lachend hinzu: „Mit der Zeit geht es dir nämlich ganz schön auf den Keks, immer unter Strom zu stehen!“

Aktuelles Album: A Hundred Miles Off (Talitres/Rough Trade)
Weitere Infos: www.marcata.net/walkmen/
© 01. Dezember 2006  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld
Dezember 2006

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