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THE LOST PATROL BAND - „Wir können einfach nicht langsamer spielen“

Mit der Hardcore-Legende Refused wurde Dennis Lyxzén schon früh unsterblich, als ideologischer wie visueller Mittelpunkt seiner 60s-Rock-beseelten Politband The (International) Noise Conspiracy eilt der smarte Schwede nach wie vor von Erfolg zu Erfolg. Die Band, in der er den meisten Spaß hat, ist aber ohne Frage The Lost Patrol Band. Einst als Soloprojekt gestartet, um mit dem wunderschönen Kammerpop von „Songs About Running Away“ seine Ex-Freundin dazu zu bewegen, zu ihm zurückzukehren, baute Lyxzén das Projekt erst zu einer Powerpop-Band um, bevor er sich nun mit dem neuen Werk „Automatic“ wieder verstärkt seinen Punkrock-Wurzeln zuwendet.

„Als ich die letzte Platte angegangen bin, hatte ich mir in den Kopf gesetzt, eine Power-Pop-Platte zu machen, wie sie im Buche steht“, erinnert er sich bei unserem Treffen in Münster. „Ich habe mich der Sache richtiggehend engstirnig genähert. Weil wir in der Band aber alle im Herzen Punk-Kids sind, klangen die Stücke, als wir anfingen, sie live zu spielen, sehr schnell ziemlich punkig. Als ich dann die Songs für die neue Platte schrieb, war von Anfang an klar, dass wir auf die Orgel verzichten würden, die Stücke alle ein bisschen schneller und vor allem ein bisschen mehr Punkrock sein sollten. Man kann sagen, dass das so intendiert war, man kann aber auch sagen, dass wir einfach nicht langsamer spielen können!“

Dabei ist Punkrock zwar die größte Liebe des Mannes aus Umea, aber nicht seine erste.

“Den Wunsch, Musiker zu werden, hatte ich schon sehr früh“, erzählt er. „Die erste Band, die ich gehört habe, waren die Beatles,da war ich ungefähr neun. Zu der Zeit habe ich dann angefangen, mir aus Lego Gitarren zu bauen, weil ich nach einem Weg suchte, mich auszudrücken. Man könnte vielleicht auch sagen, ich wollte angeben! Später habe ich dann angefangen, Heavy Metal mit meinen Freunden zu machen, und ich stand total auf Bands wie Anthrax oder Metallica. Das Problem war nur: Die Songs waren so kompliziert, ich konnte sie nicht richtig spielen! Dann entdeckte ich Punkrock. Mein Onkel gab mir ein Ramones- und zwei Jam-Alben. Irgendwann kaufte mir dann ‚Give Me Convenience Or Give Me Death’ von den Dead Kennedys und die zweite D.R.I.-Platte „Dealing With It“. Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich nach Hause kam und ‚Police Truck’ von den Dead Kennedys auflegte. Das war einer der Momente im Leben, wo dir plötzlich klar wird: Jetzt gibt’s kein Zurück mehr!“

Dass er auf seinem Weg hier und da auch einmal einen Pfad eingeschlagen hat, der sich letztendlich als Sackgasse entpuppte, stört den vom Erfolg verwöhnten Schweden dabei überhaupt nicht.

„Ich finde, es gehört zu einem kreativen Künstler dazu, dass er manchmal ins Schwarze trifft und manchmal danebenliegt“, sagt er.

„Ich habe definitiv Platten gemacht, bei denen ich mich, wenn ich sie heute höre, frage: ‚Was hast du dir dabei bloß gedacht?’ Aber ich bin davon überzeugt, dass das einfach dazugehört, wenn du versuchst, etwas auszuprobieren, das für dich neu ist. Deshalb kann ich wirklich nicht sagen, dass es für mich große Niederlagen gegeben hat – zumindest nicht, soweit es die Musik betrifft. Was Beziehungen angeht, habe ich ohne Zweifel große Niederlagen einstecken müssen!“

Man könnte ja sogar fast sagen, dass das der Grund war, warum es Lost Patrol überhaupt gibt, oder?

„Genau!“, entgegnet Lyxzén und fügt lachend hinzu: „Dass ich diese Band überhaupt gründen musste, ist vermutlich die größte Niederlage meines Lebens!“



Aktuelles Album: Automatic (Burning Heart)
Weitere Infos: myspace.com/lostpatrolband
© 01. Dezember 2006  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: C. Elin Berge
Dezember 2006

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