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SOPHIA - Mantra der Traurigkeit

Nachdem Robin Proper-Sheppard mit ´There Are No Goodbyes´ im Jahre 2009 das letzte Sophia-Album präsentierte – und damit nach eigener Aussage seinen emotionalen Nullpunkt erreichte - wurde es erst ein Mal still um den Mann, der dereinst von den USA nach England ausgewandert war, um dort sein musikalisches wie privates Glück zu suchen. Wie man weiß kam es anders: Kurz nach der Ankunft verstarb sein bester Freund, Jimmy Fernandez, der mit ihm die Band The God Machine gegründet hatte und alle Beziehungen, die Robin dann anstrebte, gingen in die Brüche – wovon er dann auf den folgenden Alben unter dem Projektnamen Sophia kündete.

Es kam aber noch ärger: Er wurde aus Europa ausgewiesen und musste sich – ausgerechnet in seiner ungeliebten Kalifornischen Heimat – sammeln und neu orientieren. Nun endlich trägt das mit dem Album ´As We Make Our Way´ (Unknown Harbours) Früchte. Zwar ist dieses Album nun dezidiert kein Trennungs-Album, aber es thematisiert dennoch wieder effektiv Robin's emotionales Hadern. Was hat zum Beispiel der Untertitel ´Unknown Harbours´ zu bedeuten?. Ist es nicht so, dass ein Hafen gemeinhin ein Ort ist, an dem man sich geborgen fühlt und zu Hause ist? Wie kann aber ein ´unbekannter Hafen´ so etwas symbolisieren?

„Das ist doch genau der Punkt“, meint Robin, „es gibt keine Sicherheit und Geborgenheit in unbekannten Häfen. Man muss diese erst erkunden.“

Obwohl das neue Album also kein Trennungsalbum ist, singt Robin hier oft zu jemandem – und zwar nicht unbedingt zum Hörer. Wen hatte er denn da im Sinn?

„Nun ja: Ich könnte dir im Falle der ersten Sophia-Alben immer das Mädchen nennen, um das es geht – und die betreffende Beziehung mit ihr“, zögert Robin, „nach 'There Are No Goodbyes' habe ich mir geschworen, dass ich keine Beziehung mehr haben wollte, wie die, um die es auf dieser Scheibe ging und dann lieber für den Rest meines Lebens Single sein wollte. Nun ist es aber so, dass ich dennoch wieder andere Beziehungen danach hatte und auch einige wundervolle Leute getroffen habe. Aber nach den gemachten Erfahrungen habe ich auch irgendwie eine Distanz gewahrt. Nimm zum Beispiel den neuen Song 'The Drifter' – ich habe tatsächlich ein Mädchen getroffen, die mich gefragt hat, wo ich mich ihr ganzes Leben lang versteckt habe und ich habe auch tatsächlich geantwortet 'dort, wo sich die Monster verstecken', denn ich fühlte mich wie ein Monster. Es ist für mich verdammt schwierig zu sagen, zu wem ich hier eigentlich singe. Ich würde fast sagen, dass ich auf eine gewisse Art zu mir selbst singe.“

Redet sich Robin dabei zuweilen auch selber etwas ein – wie zum Beispiel in dem Song ´You Say It's Alright´?

„Nun die Zeile symbolisiert für mich einen Aspekt meiner Beziehungen, über den ich bis dahin nicht nachgedacht hatte“, räumt Robin ein, „ich hatte in meinen Beziehungen die Angewohnheit, ständig zu fragen, ob alles in Ordnung sei und habe dann oft zu hören bekommen: Ja, alles ist gut – was natürlich nicht der Fall war. Eines der Mädchen, die im Chor auf diesem Song mitgesungen hat, hat mich darauf angesprochen und aus ihrer Sicht bestätigt, dass sie auch schon in Situationen gewesen ist, in denen sie dann ihrem Gegenüber hat sagen müssen, dass alles OK sei – obwohl es nicht so war. Sie hat das Ganze dann 'Mantra der Traurigkeit' genannt.“

Die Traurigkeit ist also für Robin immer noch sehr wichtig, oder?

„Nein, sie ist nicht wichtig“, widerspricht er zögernd, „aber sie ist ein riesiger Teil meines Lebens.“

Sagen wir es mal so: Sophia-Fans dürften eh nichts anderes erwartet haben und bekommen das auch auf diesem neuen Sophia Album wieder musikalisch bestätigt.

Aktuelles Album: As We Make Qur Way (Unknown Harbours) (Flowershop Recordings / Motor)
© 01. Mai 2016  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Foto: Philip Lethen
Mai 2016

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