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ELYSIAN FIELDS - In God We Trust

Elysian Fields sind eine der ganz wenigen Bands, die tatsächlich aus New York kommen. Mit ihrer wahrlich einzigartigen Musik – eine düster ausgeleuchtete Melange zwischen Jazz-Noir und Alternative-Rock – sitzen sie marketingtechisch zwar zwischen allen Stühlen, haben jedoch mit Jennifer Charles eine Frontfrau, die ihresgleichen sucht. Mit lasziver Eleganz und erotischer Inbrunst leidet sich Jennifer durch morbide Geschichten in denen "die Liebe den Tod überwindet", wie Partner Oren Bloedow das in der Ansage zu einem Stück nicht untreffend umschreibt. Nach einem völlig deplazierten Major Deal – dem u.a. ein komplettes, von Steve Albini produziertes Album zum Opfer fiel - legen EF jetzt auf Robin Proper-Shepards (Sophia) Flowershop-Label den Nachfolger "Queen Of The Meadow" vor.

Jennifer und Oren sind total unterschiedliche Menschen, was sich z.B. durch die Art äußert, wie sie Fragen beantworten. Auf die Frage etwa, was man denn im Studio mit der Stimme gemacht habe, damit diese so – sagen wir mal – intim klingt, wie sie das auf der CD tut, sagt Jennifer: "Nicht viel", während Oren dann anschließend einen viertelstündigen Vortrag über Filter, Komprimierungstechniken, Mikrophonplatzierung, Harmonisieren, Equalisieren und anderen technischen Mumpitz hält. Das nur zum Äußerlichen. Im Folgenden stellt sich dann heraus, daß Oren der musikalische Direktor ist, während Jennifer sowas wie das spirituelle Zentrum der Sache ist. Die Antwort auf die Frage, was denn die treibende Kraft hinter ihrer Musik sei, lautet nämlich – aufgemerkt und festgehalten: "Das Sehnen nach dem Göttlichen." Natürlich kann man das nicht einfach so stehen lassen. Immerhin könnte das ja ein komplexer Witz sein. Doch nein, Jennifer meint das todernst: "Das Reich der Musik ist das perfekte Mittel, um Gott und der Wahrheit näher zu kommen." Das reizt zu einer ganz profanen Betrachtungsweise: Ist das denn dann überhaupt als "Arbeit" zu bezeichnen? "Es ist schon Arbeit" – Blick – ", aber Arbeit, die in den Sternen geschrieben steht." Hat man das Ganze dann überhaupt noch unter Kontrolle? "Nein, das kannst Du nicht kontrollieren", meint Jennifer fast empört, "wenn Du versuchst etwas zu kontrollieren, dann zerstört es Dich." Ist das denn zum Beispiel der Grund, warum Jennifer meist mit geschlossenen Augen singt? "Absolut. Es ist eine Art Trance. Die einzige Möglichkeit, Freiheit in Deiner Arbeit zu finden, ist, die Kräfte Dich leiten zu lassen. Es ist allerdings ein gefährlicher Ort, in dem viel Unbekanntes lauert."
Wie sieht es denn in diesem Zusammenhang mit Drogen aus? "Oh, ich habe mit Drogen experimentiert, das ist kein Geheimnis", lächelt Jennifer, "ich habe aber festgestellt, daß ich sie nicht brauche. Ich kann ohne Hilfe zu diesen Orten gehen." Oren hingegen sieht die Sache etwas weniger ätherisch. Die Standard-Frage, was er denn mal musikalisch erreichen möchte, beantwortet er nämlich nicht, wie so oft, mit "mit einem Orchester arbeiten." "Das interessiert mich nicht. Ich meine: Ich würde schon mit einem Orchester arbeiten, aber mir dafür kein Bein ausreißen. Was ich möchte – und dafür brauchst Du kein Orchester – ist eine Methode zu finden einen unglaublichen Moment zu kreieren, einen Moment, der unglaublich bewegend ist, der eine Ausweitung in der Zeit widerspiegelt. Das kann ich in mir selbst, in meinem musikalischen Universum tun."
Hinter Elysian Fields steckt also mehr, als die bloße Musik so hergibt. Man muß sich schon ein wenig mit den Inhalten und Formalismen auseinandersetzen, die das Gespann Jennifer Charles und Oren Bloedow in der Summe ausmachen. Neben der Musik von Elysian Fields gibt es noch Hobby-Projekte: Die neue Dan The Automator (Gorrillaz) CD "Nathaniel Merriwether Presents... LOVAGE: Music To Make Love To Your Old Lady By” – wie Jennifer sagt, eine Mischung zwischen Serge Gainsbourg und Barry White und ein Projekt namens "La Mar Enfortuna", in dem Jennifer und Oren mit allerlei "Weltmusikern" mündlich überlieferte spanische Songs (aus Zeiten der arabischen Besetzung) aus ihrem – so Jennifer - "madrigalen Kontext" herauslösen und auf ihre eigene Art und Weise verarbeiten. Jennifer und Oren singen dabei arabisch und in diversen exotischen Dialekten. Es gibt also viel zu tun: Hören wir´s uns an.
Weitere Infos: www.elysianmusic.com/
© 01. Februar 2002  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Februar 2002

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