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GÖTZ WIDMANN - Still weed, man!

Nachdem Kleinti Simon im vorletzten Jahr einem Herzinfarkt erlag wurde es verständlicherweise etwas still um den verbleibenden Teil des alternativen Liedermacherduos Joint Venture. Nach einigen Gigs und mit der Veröffentlichung seines Solo-Debuts sowie einer „Best of Kleinti“-Scheibe meldet sich Götz Widmann zurück im Satirezirkus. Westzeit traf den gelassen wirkenden 36-jährigen in Köln.

Der Grund für das Weitermachen nach Kleintis Tod ist recht schnell erzählt. „Ganz konkret war ich irgendwann pleite. Ich gönnte mir nach Martins Tod eine Auszeit von einem halben Jahr. Als ich von meinen letzten 5000 Mark Urlaub in Australien gemacht hatte, kamen Freunde auf mich zu und holten mich wieder auf die Bühne. Ich spielte dann im Vorprogramm von Brings und The Busters, was nicht unbedingt immer einfach war, aber danach wusste ich, dass ich wieder auf die Bühne musste! Ich habe gemerkt, dass es auch alleine geht. Daraufhin habe ich alte Kontakte wieder aufleben lassen, eine kleine Tour gebucht und das Publikum dankte es mir, dass es irgendwie weitergeht nach der ganzen Tragödie.“ Somit sind direkte Unterschiede nicht unbedingt auszumachen. „Die Reaktionen auf mein Solo-Auftreten sind durchweg gut. Die neuen Songs kommen gut an und die Platte wirkt aufgrund einiger Experimente wie der teilweisen Präsentation mit einer kompletten Band auch.“ Eine erneute Duogründung steht jedoch wohl ausser Frage. „Das kann ich mir nicht vorstellen. Ein neuer Partner ist für mich undenkbar. Martin ist einfach nicht zu ersetzen. Die Art von Verständnis, die wir schon von vorneherein hatten und dann auch noch über 7 Jahre kultiviert haben, könnte ich mit niemandem ausser ihm aufbauen.“ Und der Kult von Joint Venture lebt weiter. „Dieses Wort mag ich nicht. Es klingt meist albern. Ist sicher Definitionssache.“ Jedoch kann man den gemeinen ersten Kontakt mit dieser Band doch als kultig bezeichnen: Lagerfeuer, alkoholische Stimuli,... „So haben uns die meisten Leute kennegelernt. Wir waren ja nie sonderlich in den Medien präsent. Es lief nie etwas im Radio, da wir ja in eigentlich jedem Song mindestens eine Textzeile haben, die das einfach verbietet. Die einzige Chance hatten wir dann durch Flüsterpropaganda und Konzerte. Das war andererseits auch ein Vorteil. Da wir ja eh keine Chance hatten, in die Medien zu kommen, mussten wir uns auch nie anpassen und konnten machen, was wir wollten. Dadurch bekamen wir zwar nur einen begrenzten Bekanntheitsgrad, aber die Leute haben bei ihren Freunden missioniert und sind immer wieder gekommen. Es wuchs langsam, aber es wuchs stetig.“
Im Gegensatz zu alten Joint Venture - Scheiben wirkt das Solo-Album nicht so direkt angreifend. „Das ist vielleicht bei dieser Platte so. Für mich ist es eine besondere Scheibe. Ich hatte einerseits die Verantwortung, dieser tragischen Situation gerecht zu werden, andererseits wollte ich, weil es mir im Blut liegt, wieder Sachen zum Lachen schreiben. Es ist dadurch ein wenig nachdenklicher ausgefallen. Die ganz harten Dinger hab ich mir für die nächste CD aufgehoben.“ Ist das nun eher Vergangenheitsbewältigung oder der neue Götz Widmann? „So anders als Joint Venture empfinde ich die neuen Sachen gar nicht. Viele Texte sind vor Martins Tod entstanden und sind somit keine Reaktion auf die Situation. Für mich war es eher der Versuch, eine möglichst normale Platte abzuliefern nach allem, was passiert ist.“ Die Songauswahl zu Kleintis Tribute-Scheibe gestaltete sich relativ einfach. „Es waren einige dabei, wo sofort klar war, dass sie drauf mussten. Dann haben wir mit „Trink, Bruder trink“ den einzigen bis dato unveröffentlichten Track und einige andere Versionen alter Kracher genommen. Die Songs auf diesem Album zeigen Martin am besten, so wie er war. Es ist sein Werk, das, was hoffentlich noch ganz lange von ihm übrig bleibt.“ Und dieser Wunsch wird mit der stetigen Präsenz des Liedguts dieser beiden aussergewöhnlichen Songwriter hoffentlich in Erfüllung gehen.

Aktuelle Alben: Götz Widmann (Ahuga!/EFA) + Kleinti (Capriola/EFA)
Weitere Infos: www.goetzwidmann.de
© 01. Februar 2002  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen / Steffen Stürznickel
Februar 2002

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