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FAHNENFLUCHT - Jetzt erst recht

Fünf lange Jahre hat die Fertigstellung des neuen Fahnenflucht-Albums in Anspruch genommen. Jahre, in denen viel passiert ist und in denen sich auch die Band merklich weiterentwickelt hat, ohne ihre etablierten Pfade zu verlassen. Auffallend ist dabei vor allem, dass das Album vor allem thematisch aktuell wie nie ist. Frontmann Thomas stand Rede und Antwort zu „Angst und Empathie“ und betont gleich zu Beginn des Interviews, das trotz der langen Arbeit am Album die Gegenwart einen leider schneller einholt, als man manchmal denken mag.

„Die Aktualität der Stücke spricht nicht für die Welt da draußen. Der einzige Song, der komplett neu im Studio entstand, ist „Grenzen“ – sowohl musikalisch als auch textlich. Die meisten anderen Stücke waren schon vom Grundgerüst her vorhanden, wurden dann aber in Absprache mit Matthias Lohmöller/DocMaKlang überarbeitet und insgesamt neu in Szene gesetzt. Vor der eigentlichen Aufnahme haben wir uns im Studio diesmal mehr Zeit genommen, und das war sehr wichtig. Wir haben mit Matze einen kompetenten Partner an unserer Seite, der uns kennt und unsere Stärken und Schwächen einzuschätzen weiß. Wir verlassen uns dann auch gerne auf seine Kompetenz, uns als Band adäquat darzustellen.“

Er unterstützte die Band auch dabei, musikalisch mehr Feinheiten herauszuarbeiten.

„Bei der Produktion von „Angst und Empathie“ haben wir uns erstmals eine ganze Woche Zeit genommen, um ein vernünftiges, aufgeräumtes Grundgerüst zu schaffen, die sogenannten „Pilotspuren“. Dieser Prozess war sehr wichtig, um uns bewusst zu machen, bei welchen Stücken was geändert werden muss. Wenn man nur für sich im Proberaum spielt und aufnimmt, wird man mit der Zeit etwas betriebsblind und voreilig zufrieden. Im Studio wurde dann noch Einiges überarbeitet bzw. ganz neu arrangiert.“

Kommen wir zum Thema – und zum Albumtitel „Angst und Empathie“: Sind das die zwei Gegensätze, die unsere Gesellschaft derzeit ausmachen? Oder geht es Fahnenflucht eher um die, die Angst haben, Empathie zu zeigen?

„Grundsätzlich sind das Gegensätze, ja. Die gesellschaftliche Debatte wird stark von diesen beiden Begriffen geprägt. Wobei die Ängste betont werden und an die Fähigkeit zur Empathie fast schon verzweifelt erinnert werden muss. Die Entscheidungsprozesse werden jedoch eher durch ein hausgemachtes Klima der Angst bestimmt. "Man müsse die Ängste der Bürger ernst nehmen,...", ist z. B. ein sehr beliebtes Argumentationsmuster der Entscheidungsträger, wenn es darum geht Gesetzesverschärfungen auf den Weg zu bringen. Wir suhlen uns in Sorgen vor der Zukunft und schauen nicht mehr genug über den eigenen Tellerrand. Für uns ist die Musik ein Ventil: Druck ablassen, Wut und Verzweiflung aber auch Träumen und Hoffnung einen Raum geben. Und es gibt leider immer ausreichend Stoff für neue Stücke.“

Im ersten Video zum Album („Grenzen“) werden einige Fragen aufgeworfen – welche Antworten würde sich die Band darauf wünschen?

„Von "Grenzen" ausgehend, gilt es natürlich, sie bestenfalls zu überwinden. Wie schwer das aber in der Praxis ist, kann jeder zuerst an sich selbst erfahren. Um bei der Interpretation des Liedes zu bleiben: Wenn der "Wutbürger" sein Maul aufreisst, sollte der "Gutbürger" lauter schreien können und wollen. Ein vereinfachtes Bild, und nicht die Realität. Wir hätten gerne mehr Antworten.“

Ein hehres Ziel und hoffentlich eine Message, die auch ankommt. Überhaupt scheint sich die deutschsprachige Szene merklich weiter zu entwickeln.

„Geht ab, auf jeden Fall, der deutschsprachige Gitarrenmusiksektor übertrifft derzeit alle Erwartungen. Wurde aber auch Zeit. Der deutschsprachige Gitarrensektor wurde viel zu lange von der anglo-amerikanischen Szene klein gehalten. Aber jetzt erst Recht...“

Weil's grade aktuell ist: Böhmermann. Ist es wichtig, die Grenzen weiter auszuloten? Immerhin scheint ein flacher Witz unter der Gürtellinie hier ja herbes politisches Konfliktpotential hervorzurufen...

„Definitiv, siehe Antwort zur vorherigen Frage.“

Und was machen die Mitglieder von Fahnenflucht, wenn sie nicht über die hiesigen Konflikte nachdenken?

„Jeder das Seine um morgen für sich und Andere was zu essen zu haben.“



Aktuelles Album:

Angst und Empathie (Aggressive Punk Produktionen/Edel)

VÖ: 13.5.
© 09. Mai 2016  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Mai 2016

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