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SIGUR ROS - Was ist, das ist

Sigur Ros sind keine Band wie jede andere. Das mag vor allem daran liegen, daß das Quartett aus Island kommt (und auch dort bleiben möchte) und somit ziemlich weit weg von den üblichen Mühlen und Mechanismen des Pop Biz entfernt ist. So ist es dann auch zu erklären, daß die neue CD "()" ohne wirklichen Titel, ohne Texte und ohne aussagekräftiges Artwork auskommt.

Kjartan (Kjarri) Sveinsson – der Herr über die Tasten bei Sigur Ros – erklärt das so: "Da gibt es nichts hinter den Songs als den Song. Die Sachen haben keine über den Song hinausgehende Bedeutung. Was ist, das ist. Es gab nicht mehr zu sagen auf dieser Scheibe." Was denn wohl auch dazu führte, daß Jón "Jonsi" Pór Birgisson – der charismatische Sänger der Band – keine richtigen Texte schrieb. Er singt in "Hopelandish" – einer lautmalerischen Phantasiesprache. "Wir dachten halt, daß es schön ist, wenn der Hörer die Lieder für sich ´beendet´", erklärt Drummer Orri Páll Dyrason, "es ist ja nicht so, daß wir dem Hörer sagen wollen, was er zu denken hat." Haben die Phantasie-Texte denn wenigstens irgend eine Art von Bedeutung? "Ja also ich fühle schon etwas dabei. Aber die Wörter – oder sagen wir ´Un-Wörter´ haben keine Bedeutung." Sigur Ros sing keine Band, die ihr Tun mit einem großen philosophischen Unterbau versehen. "Wir kommen halt zusammen und beginnen zu spielen", erläutert Kjarri den Prozeß, "und dann passiert etwas und es entsteht etwas. Wir denken nicht viel darüber nach. Es gibt ja auch keinen Songwriter im traditionellen Sinne, weil die Stücke einfach aus unserem Zusammenspiel heraus entstehen." "Wir unterhalten uns auch nie über unsere Musik", ergänzt Orri, "deswegen können wir auch nie sagen, warum oder wie wir etwas machen." Nun gut, ein bißchen Mystik darf man gerade einer isländischen Band ja wohl zugestehen. Gegenüber der letzten CD, Ágaetis Byrjún ("Ein guter Anfang") gibt es musikalisch eine Weiterentwicklung. Die neuen Stücke scheinen noch ruhiger und auch simpler angelegt zu sein. "Das mag Dir so vorkommen, weil wir dieses Mal mehr mit der Dynamik gearbeitet haben", erklärt Kjarri, "Es gibt auch keine größeren Passagen, die wir mit Strings aufgefüllt haben, sondern diese sind mehr integriert. Sie sind weniger dominant, unaufdringlich. Alles ist verwoben – das mag simpler klingen." Für eine isländische Band haben Sigur Ros ein enormes Arbeitstempo entwickelt. Neben der aktuellen CD und den zugehörigen Touren gibt es Projekte mit Videos (die von den Freunden von Gus Gus realisiert werden), Beiträgen zu Soundtracks und Arbeiten mit der Theatergruppe Perlan, die aus Schauspielern mit dem Downes Syndrom besteht. Daneben fanden die Herren auch noch Zeit, eine thematisch aus der nordischen Sagenwelt entstammende Sinfonietta namens "Odin´s Magic Raven" zu komponieren in der neben einem Orchester auch ein Chor und selbst entwickelte Instrumente wie ein Stein-Xylophon zum Einsatz kamen. Mit allem, was sie tun – oder NICHT tun – machen Sigur Ros jedenfalls deutlich, daß die "Rose des Sieges" prächtig wächst und gedeiht.
© 01. November 2002  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
November 2002

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