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DER JUNGE MIT DER GITARRE - Nein-Sager

Unter einem Namen, der eindeutiger nicht sein könnte, zieht der Junge mit der Gitarre alias Tobias schon seit einigen Jahren durch die Gegend, um seine Lieder, die zweideutiger nicht sein könnten, unters Volk zu bringen und wurde quasi zum Maskottchen des P&S-Festival-Caravans. Missionarsarbeit im anderen Sinne, denn sein Debütalbum "Dagegen" soll in erster Linie Diskussionsstoff sein.

Ende letzten Jahres verlagerte Tobias seinen Wohnort nach Hamburg, wo das Octopussy Label ORDN ihn vertrauensvoll in seinen Kreis aufnahm und ihn sozusagen in Eigenregie sein Album zusammenschustern ließ. Über eine Namensänderung wurde dabei nie nachgedacht, im Gegenteil: "Der Name war ja auch ein Grund, die Platte überhaupt zu machen, weil er ja auch eine Menge Selbstvertrauen ausdrückt. Den findet vielleicht nicht jeder gut, bleibt aber trotzdem im Kopf." "Toleranz auf allen Ebenen" ist das Resultat, was sich Tobias von "Dagegen" erhofft, das aber weniger auf direkt politischer als vielmehr auf der künstlerischen Ebene. "Während die Poltik darauf bedacht ist, Fragen zu beantworten ist die Kunst darauf aus, Fragen zu stellen. Und da ich ein sehr kultureller Mensch bin, steh ich der Politik sehr kritisch gegenüber. Ich bin nicht meinungslos was Politik angeht." Teil des Gesamtkonzepts des Jungen mit der Gitarre ist unüberhörbar eine fast durchweg ironische Ausdrucksweise. "Ironie bedeutet für mich, alles zu wissen, was man nicht weiß. Zum Beispiel in dem Song "Hallo, worum geht’s, ich bin dagegen", das sind schon alles Dinge gegen die ich bin, trotzdem ist es mir wichtig zu sagen, wenn ich dann wirklich absolut "dagegen" wäre, dann wäre ich auch gegen dieses Lied. Wenn man es auf die Spitze treibt widerspricht man sich im Endeffekt auch selbst und das ist für mich Ironie. Nur der Song "Ein paar Tage im Winter" ist nicht ironisch gemeint. Ironische Menschen sind Menschen, die über sich selber lachen können, damit ist Ironie das beste Mittel, um nicht zu verbittern." Und gerade deshalb ist Tobias nicht zimperlich, was den Umgang mit Tabu-Themen und rüden Ausdrücken angeht, gute Beispiele dafür sind die Songs "Ficken fürs Volk" und "Nur die Liebe zählt". "Diese Stücke sind ziemlich kontrovers, aber ich stehe dahinter. Die einzelnen Textzeilen hängen eng miteinander zusammen, würde man sie in separate Zitate auseinanderpflücken, würden die Lieder ihre ernste Botschaft verlieren. Außerdem muß ich sagen, dass ich meine Musik für erwachsene Menschen mache. Ich denke, diesem Publikum kann man das zutrauen." Die Gefahr, mißverstanden zu werden kalkuliert er mit ein. "Ich bin Künstler und kein Kommerzler, wenn ich eine Boygroup konstruieren würde, würde ich das natürlich nicht ironisch gestalten, sondern so tun, als wär das alles total echt. Der Unterschied zwischen Kunst und Kommerz liegt immer darin: die Kunst macht das, was ihr gefällt und der Kommerz macht das, was gefällt und ich mache das, was mir gefällt. Es besteht natürlich immer die Gefahr, dass die Leute das nicht verstehen, aber ich finde das den besseren Weg, als etwas zu machen, was bloß keinem weh tut. Kontrovers zu sein ist sicherlich gefährlich, aber daraus ja auch etwas wachsen. Ich finde, wir leben in einer ziemlichen Ja-Sager-Gesellschaft. Leute, die zu allem ja sagen, finde ich viel gefährlicher. Erst das Kontroverse erzeugt die Toleranz und nicht das Gleichgeschaltete."

Aktuelles Album: Dagegen (O.R.D.N./Edel) - VÖ: 4.11.
© 01. November 2002  WESTZEIT ||| Text: Brigitte Ruban
November 2002

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