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HUBERT VON GOISERN - Tiefenrausch

„Iwasig“ heißt das neue Album des Österreichers, mit dem er seine funkig-soulige Seite präsentiert, nachdem er sich in den vergangenen Jahre vor allem auf globale Weltmusik und viele unabsehbare Dinge konzentrierte. Beim Promotiontermin, der für ihn eher zu den notwendigen Schritten seines Berufes gehört, plauderte er eben so locker wie sein Outfit an diesem Tage ausfiel über seine neue CD und was Musik für ihrn wirklich bedeutet.

Begonnen hat seine Leidenschaft für die Musik recht früh: „Mit 12 hab ich angefangen Trompete zu spielen, mein erster Berufswunsch war Dirigent. Selbst wenn meine Eltern dies nicht unterstützt haben, hab ich mich selber durchgekämpft bis ins Blasmusikorchester.“ Die gleiche Entschlossenheit zeigt sich heute noch, wenn man sich beispielsweise die Ausspracheerklärung des Albumtitels (iwasig = drüber, oberhalb), unübersehbar vermerkt auf der CD, ansieht. „Ich habe den Anpruch, dass es richtig ausgesprochen wird. Und die Leute haben somit auch das Recht zu wissen, was sie richtig aussprechen sollen.“ Sowohl die ruhigen als auch die schnellen Stücke sind jeweils als ein Block auf dem Album zu finden. Hat das Album denn ein Grundthema? „Nein, der einzige rote Faden bin ich in all meiner Pluralität. In meinen Kompositionen beschreibe ich einen Zustand, eine Utopie oder eine reale Situation. Der Text kommt meistens am Ende, da ich ihn von der Musik quasi vorgeschrieben bekomme. Eine wirklich gute Komposition ist wie ein Haus, ein Gebäude in das man als Zuhörer reingehen kann. Im Gegensatz dazu ist eine schlechte Komposition lediglich ein Denkmal. Egal wie kunstvoll es von außen verziert ist, man bekommt nicht die Möglichkeit selbst hinein zu gelangen.“ Da sich der 50-Jährige in seinem bisherigen Leben bereits öfters ‚gehäutet‘ hat, ist ihm unklar, wie seine musikalische Zukunft aussieht. Doch seit je her gehören einige Dinge für ihn definitiv zu einem guten Konzert dazu: „Ich muss danach mit einem Weißbier und einem Joint in der Garderobe sitzen und einfach das Gefühl haben, dass ich wie bei einem Dialog alles gesagt, alles rausgespielt habe und nur noch wie ferngesteuert reagiere. Es darf nicht sein, dass etwas ungesagt bleibt. Denn Musizieren ist ein gesellschaftlicher Zustand, ein Rausch. Genau wie das Trinken oder Haschisch rauchen soll man es nicht alleine machen.“ Nur was genau bedeutet das Musizieren für Hubert von Goisern, der bei seiner ‚Arbeit‘ eher das Gefühl hat, permanent Freizeit zu haben? „Durch‘s Musizieren komme ich in eine Gefühlswelt, eine Gefühlstiefe, die mir sonst verschlossen bleibt und sogar noch intensiver ist als jene, die mich umgibt, wenn ich alleine in den Bergen bin. Ich mag diesen kollektiven Rauschzustand! Zwar mache ich die Musik für mich selbst, doch sie ist zugleich eine Sprache, die man entwickelt. Versteht sie keiner, wirst du zum Autisten.“ Probleme mit der Bezeichnung Künstler und der für ihn dahinterstehenden Erwartung, etwas Besonderes zu sein, hatte er lange, dennoch sieht der Österreicher sie als Passendste für sich, sogar noch vor dem Begriff Musiker. Hätte „Iwasig“ bereits vor 10 Jahren passieren können? „Nicht ganz, aber fast. Im Grunde arbeitet man eh längere Zeit am selben Stück. Da gibt es so einen Kern, der eine Kontinuität darstellt, mit der ich lebe seit ich auf dieser Welt bin.“ Kann er diese Kreativität denn auch selbst gut konsumieren? „Bis eine CD fertig ist habe ich jedes Stück ich weiß nicht wie oft gehört. Irgendwann schließe ich diesen Prozess ab, dann kann und will ich einfach nicht mehr hören, denn sonst läuft zwangsläufig auch der Prozess des Arrangierens weiter. Stattdessen mach ich mich dann lieber frei, sage mir „fertig ist fertig“ und bin froh, für etwas Neues Platz zu haben.“ Was das sein wird, ist zwar noch unklar, aber der Rausch wird bleiben. Garantiert.

Aktuelles Album: Iwasig (BlankoMusik/Lawine/Virgin)
© 01. November 2002  WESTZEIT ||| Text: Nora Gormanns
November 2002

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