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KANTE - Krisenmanagement

Zugegeben, Email-Interviews fehlt zuweilen die Lebendigkeit, aber das trifft ja auf den „Zombi“ an sich (welch Zufall: der Titel des neuen Kante-Albums) auch zu. Nach dreijähriger Intensivarbeit tritt auf „Zombi“ neben verstärkten Free-Jazz-Einflüssen vor allen Dingen das Wort in den Vordergrund, was Wunder also, dass Sänger Peter Thiessen auch zu meinen Fragen die passenden, aber auch besonders viele Worte findet.

Wie würdest du den Begriff „Zombi“ mit einem Satz definieren?

„[…]Ein Zombi ist ja gleichzeitig tot und lebendig, er ist eine Figur, in der Tod und Leben, Da-Sein und Nicht-Da-Sein, also vielleicht auch Gegenwart und Zukunft, nicht unterschieden werden können. Er hat also ein echtes Problem, er ist sozusagen in der Krise. Eine Krise ist für ein Zustand, in dem das Kaputtgehen vom Neuentstehen nicht wirklich zu unterscheiden ist, in dem man noch gar nicht weiß, was die Zeichen, die einen umgeben und die Zukunft, die in jedem Moment auf einen einbricht, zu bedeuten haben. Von diesem Zustand handelt unsere Platte."

In welchen Punkten hat sich die Produktion von „Zombi“ von der der anderen beiden Alben unterschieden?

„[…] Diesmal wollten wir die Stücke mehr aus dem Zusammenspiel entwickeln, was uns teilweise auch gelungen ist, etwa die Hälfte der Stücke des Albums basieren auf live mit kompletter Band gespielten Aufnahmen. Anders als bei „Zweilicht“ war auch, dass Tobias Levin diesmal als Produzent sehr viel stärker in die Arrangements eingegriffen hat, was dem Ganzen sehr gut getan hat, wir hätten vieles ohne ihn gar nicht zustande gekriegt. […]Was auch anders war, dass es auf der Platte mehr Stücke gibt, die im Kern noch klarer Songs sind, auch wenn die Arrangements natürlich nicht so klassisch Singer/Songwriter-mäßig sind."

Inwieweit kommen die düsteren Stimmungen auf „Zombi“ aus dir selbst bzw. sind sie Resultat aus äußeren, die Welt und das herrschende System betreffenden, Umständen?

"Ich finde nicht, dass die Texte nur düster sind. Ich finde das bei manchen eher umgekehrt, dass sie also auf den ersten Blick düster wirken, auf den zweiten vielleicht aber dann gar nicht so sehr. […] Die Dinge, über die ich schreibe, sind natürlich zum großen Teil Dinge, die mir sehr nah sind. Aber ich glaube, dass das eigentlich allen so ähnlich geht, dass alle auch die „dunklen“ Gefühle kennen, die Situationen, in denen einem alles ausweglos vorkommt. Und dass das nicht nur aus einem selbst herauskommt, sondern vor allem Resultat der herrschenden Verhältnisse ist. Das in den privaten Bereich zu drängen, ständig zu sagen: damit musst du selber fertig werden, das kommt aus deiner Kindheit, du hast Komplexe, du brauchst ne Therapie, die dich mal wieder richtig fit für den Alltag macht, blablabla, dieses ganze Zeug ist für mich vor allem Strategie, Veränderungen und die Bildung von Öffentlichkeit zu verhindern. […] Ich glaube, wir erleben einen ziemlich epochalen Umbruch und ich glaube, diese Situation führt auf der einen Seite zu unerträglichen Zuständen –etwa dem von Flüchtlingen-, bietet auf der anderen Seite aber auch die große Chance emanzipatorischer Veränderung von anderer als staatlicher Seite. Ich bin insofern nicht nur pessimistisch und hoffe, dass das in den Texten der Platte hörbar ist, ich habe mich jedenfalls immer bemüht, die Dinge auf unterschiedlich lesbaren Arten darzustellen, und im Beschreiben der Krise auch das vorkommen zu lassen, was daran eine Chance ist.[…] Neben den „bitteren“ Texten gibt es ja auch einige Stücke, die man zumindest auch als Liebeslieder hören kann, „Schwaches Gift“ z.B. kann ja auch davon handeln, dass jemand verliebt ist und dadurch komplett aus dem Gleichgewicht kommt. Für mich gehört das zu Liebe dazu. […] Das sind zwar deswegen auch nicht Texte, die sagen, dass jetzt alles voll super ist, weil wir uns lieben, dass das private Glück ein Ausweg ist. Aber nichtsdestotrotz gibt es ja die Momente von Glück in der Liebe, jedenfalls soweit ich weiß. Und davon wird auf der Platte, neben dem ganzen Anderen, auch berichtet."
Weitere Infos: www.kante-musik.de
© 01. August 2004  WESTZEIT ||| Text: Brigitte Ruban
August 2004

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