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STAGE BOTTLES - Zeit für eine neue Fahne

Gebt es ruhig zu: Auch ihr habt zu lange gefeiert, getrunken und bloß zugeschaut, wie Deutschland immer träger, dümmer und drittklassiger wird. Und wie ihr fragt sich jetzt eine ganze Generation: Was tun? Die Stage Bottles, die sich selbst als Flaschen auf der Bühne sehen, versuchen mit ihrem aktuellen Album „We Need A New Flag“ Antworten darauf finden.

Stellt euch vor, ihr würdet in einer WG leben. Nicht so sehr aus Einstellung, viel mehr aus wirtschaftlicher Dringlichkeit. Ihr habt mit euren Mitbewohnern getrennte Kassen und separate Kühlschrankfächer vereinbart. Einmal wöchentlich werden die Belange der WG besprochen, aber ihr haltet diese Treffen für Zeitverschwendung. Es klappt ja auch so. Gut, ab und zu wird nicht geputzt, manchmal fehlt euer Brotbelag im Kühlschrank, hin und wieder stapeln sich die Müllbeutel, und manchmal wird tagelang nicht gespült, aber wenn man nicht so genau hinsieht, geht das schon. Hofft ihr. Aber irgendwann steht ihr in der Küche und könnt die Wahrheit nicht mehr ignorieren: Der Kühlschrank leer, die Ausdünstung unangenehm, auf den Tellern entwickeln sich Kulturen. Das ist der Moment, an dem ihr denkt: Verdammt, es stinkt. In meiner Küche! Was läuft hier schief?! Willkommen in der WG namens Deutschland. Auch wir haben jahrelang in dieser Republik gelebt, als wären wir bloß für unser eigenes Zimmer und nicht für den Rest der Wohnung verantwortlich. Zeit für ein Album wie „We Need A New Flag“, welches genau diese Ignoranz erkennt und für einen neuen Bürgersinn plädiert.

Wie sieht eure oberste Priorität aus?

„Toleranz mit Ausgrenzung aller Arschlöcher.“

Was sind eure musikalischen Einflüsse?

„Wir haben uns am Anfang stark an alten englischen Oi! und Punk-Bands a la Stiff Little Fingers, Angelic Upstarts oder auch The Clash orientiert. Auch Einflüsse der Blaggers ITA, bei denen Olaf (unser Sänger) ein Jahr mitspielte, können wir nicht abstreiten. Dennoch versuchen wir immer unseren eigen Stil zu spielen.“

Wie hat die Trompete den Einzug in eure Musik gefunden?

„Trompete? Die spielt bei uns keiner! Vielmehr spielt Olaf ab und an Saxophon. Das hat er bei den Blaggers gespielt und somit lag es nahe es auch bei uns mit einzubinden.“

Was verbindet euch mit der Skinszene?

„Ursprünglich kamen alle Mitglieder unsere Band aus der SHARP-Skinhead Szene (Skinheads gegen rassistische Vorurteile). In Frankfurt und Berlin waren sie die ersten Leute, die sich für eine andere, nicht rechte Skinheadszene eingesetzt haben, Leute von uns oder aus unserem Umfeld. Auch heute sind zumindest die meisten von uns noch in der SHARP und Red-Skinhead Szene anzutreffen.“

Wie steht ihr zu dem ganzen Oi-Kram und den teilweisen gehaltlosen und faschistoiden Aussagen dieser Subkultur?

„Ist definitiv nicht unser Ding. Stumpfe Musik und gehaltlose oder gar faschistische Texte ist das krasse Gegenteil von Songs und Texten der Bands wie den Upstarts oder Sham 69. Darüber hinaus liegen die Wurzeln der Skinhead-Musik im Ska und Skinhead-Reggae. Leider erfordert die Entwicklung unserer Szene der letzte 35 Jahre gewisse politische Statements, die für die ersten Skinheads Ende der 60er noch kein Thema waren.“

Habt ihr eine unbeirrte Haltung?

„Ganz klar: Antirassismus!“

The Commitments sei die direkteste, die emotionalste Musik, die von der Straße und nicht von der Oberschicht käme, haben viele Stimmen argumentiert. Es fällt heute natürlich schwer, soulige Working-Class-Element in euren Songs herauszuhören, wenn aggressiver Street-Punk im Vordergrund steht. Könnt ihr euch vorstellen Otis Redding oder Marvin Gaye-Elemente in euren Songs einzubauen?

„Auf alle Fälle. Soul war und ist immer ein Stil, der einen in seinen Bann gezogen hat. Wir hatten vor der Aufnahmen unserer neuen CD die Idee auch einen Song der Redskins zu cover, die eine grandiose Mischung aus Soul und Street-Punk gespielt haben. Leider hat’s aus Zeitgründen nicht geklappt. Generell wären wir froh solche Songs jemals zu schreiben.“

Aktuelles Album: We Need A New Flag (Knock-Out/Cargo)
© 01. August 2004  WESTZEIT ||| Text: Georg Lommen
August 2004

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