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THE (INTERNATIONAL) NOISE CONSPIRACY - Revolutionäre Liebeslieder

Glaubwürdigkeit ist eine heikle Angelegenheit, vor allem bei Bands mit einem Punk-/Hardcorebackground. Wenn eine solche Band, wie eben die Noise Conspiracy, mit einem Starproduzenten zusammenarbeitet, werden schnell Sell-Out Vorwürfe laut. Dass bei dieser Kooperation die beste Scheibe der Schweden seit "Survival Sickness" herausgekommen ist und T(I)NC keine Chance auslassen, den Mainstream mit ihren Einstellungen zu infiltrieren, sollte alle Szeneheinis verstummen lassen.

Rick Rubin ist der renommierte Mann hinter den Reglern, mit dem die Noise Conspiracy "Armed Love" aufgenommen haben. Die Geschichte der Kontaktaufnahme, die Sänger Dennis Lyxzén erzählt, klingt nach einem schlechten Promomärchen: "Rick hat mir eine Mail geschrieben und von einem unserer Konzerte geschwärmt und angeboten, unsere nächstes Album zu produzieren." Ironischerweise wollten die Schweden sowieso bei der nächsten Platte mit einem bekannteren Produzenten arbeiten, dass es aber am Ende jemand wie Rick Rubin sein könnte, der bisher u.a. Slayer, die Beastie Boys und Johnny Cash zu deren Sound verhalf, hätten sie nicht erwartet. Schon der Opener "A Small Demand" macht deutlich, wohin der US-Produzent die Schweden gebracht hat: groovende Strophe die sich in einem Hammerrefrain öffnet. Die Songs wirken härter, haben aber gleichzeitig eine poppige Seite. Bass und Orgel harmonieren besser, obwohl unterschiedliche Personen die Tasten bedienten, da die Noise Conspiracy seit dem Ausstieg Sara nur noch zur viert sind: "Rick wollte uns helfen, die Energie unserer Konzerte auf Platte zu bringen. Bisher haben wir immer nur versucht, in der begrenzten Studiozeit das Bestmögliche herauszuholen. Diesmal konnten wir viel mehr auszuprobieren, um diese Live-Energie auch auf Band zu bekommen", so Dennis. Dass Christina Aguilera für die Background Vocals angeheuert werden sollte, wirkt noch viel absurder als die Zusammenarbeit mit Rubin: "Wenn man schon die Möglichkeit hat, in L.A. mit Rick Rubin aufzunehmen, warum sollte man es dann nicht komplett durchziehen und auch noch Christina Aguilera mit auf die Platte nehmen. Sie repräsentiert so ziemlich alles, wofür wir nicht stehen, weshalb es spannend gewesen wäre, mit ihr zu arbeiten."
Die Texte handeln teilweise von Liebe, womit die Band Neuland betreten hat: "Das gute an Stücken wie "Let's Make History" ist, dass man sie als Liebeslieder aber auch als Songs über die Revolution verstehen kann. Es sind persönliche Erfahrungen über Beziehungen in einer kapitalistischen Gesellschaft. Es geht aber auch um die Machtstrukturen des Kapitalismus, die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Strukturen, die unser Leben bestimmen." In "The way I feel about you" heißt es "Let us get corrupted by sin and the passionate new sound, the sound of young lovers revolutionary babies on my mind". Diese nicht ganz kitschfreien Zeilen zeigen, wie die Schweden die herbeigesehnte Revolution möglichst sexy darstellen wollen. "Let's all share our dreams under a communist moon" aus "Communist Moon" ist ein weiteres Beispiel dafür. In "Black Mask" gehen sie sogar so weit, dass es sich toll anfühle, eine schwarze Maske überzustülpen und sich somit eine neue Identität zu geben. Diese Verklärung von Revolution geht einher mit der vermeintlich zentralen Message von "Armed Love", Leute dazu zu bringen, sich zusammenzuschließen und zu engagieren: "Wir sind von anderen Bands geprägt worden, über Politik zu singen. Wir möchten auch andere Leute inspirieren, Politik zu thematisieren und zu machen. Ich finde es prima, wenn sich Leute in der Linken bzw revolutionären Linken engagieren. Darum haben wir mit Rick Rubin aufgenommen. Wenn uns irgendwelche Typen in Hochglanzblätter bringen oder auf Mtv spielen, dann werden wir das machen und den Leuten erzählen, was uns politisch wichtig ist." Völlig unabhängig davon, wie man zu den politischen Einstellungen der Schweden steht, haben sie mit Rubins Hilfe ein großartiges Album vorgelegt, womit ihnen die Rockwelt vielleicht bald ähnlich zu Füßen liegt wie den Hives vor zwei Jahren.
Weitere Infos: www.internationalnoise.com
© 01. August 2004  WESTZEIT ||| Text: Lars Weber
August 2004

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