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ONE FINE DAY - und die Bandmaschine von Pink Floyd

„My Heart Is on Fire“, so der Titel des zweiten Stücks auf der aktuellen CD von One Fine Day. Doch das ist untertrieben. Da brennt nicht nur ein Herz lichterloh, da steht eine ganze Band in Flammen. Diese musikalische Hitze ist geradezu physisch spürbar. Diese Lust an der Zündelei kennen Sänger Marten Pulmer und Gitarrist Hendrik Burkhard bereist aus gemeinsamen Kindergartenzeiten. „Auch mit einem Glockenspiel können Kleinkinder ordentlich Punkmusik machen“, lacht sich Marten Pulmer halb tot, „später haben wir beide dann einer Schülerband Feuer unterm Arsch gemacht.“

Jugendlicher Leichtsinn

Die Musik lässt den Nordlichtern, die den Kinder- und Jugendschuhen inzwischen entwachsen sind, immer noch keine Ruhe.

„Wir haben Bad Religion gehört und dieses schnelle kalifornische Punkzeugs“, erinnert sich Marten Pulmer, „und als Band wollten wir nur eins, auf Parties spielen und den Mädels gefallen. Schon damals hießen wir bereits One Fine Day. Damals war 1997.“

Doch man wird ja älter. Marco Köhrsen am Bass und Erik-Mac Essig am Schlagzeug komplettieren inzwischen die Band. Neben den Spaßfaktor tritt auch der Zeitfaktor und wird immer wichtiger. Denn Zeit braucht eine Band, um sich zu entwickeln. Um cooler zu werden. Um Erfolge einheimsen zu können. Einer davon führt One Fine Day 2001 in die Endrunde des John Lennon Talent Award. Das dabei erfolgte Coaching bringt die Truppe auf ein völlig anderes Level. Auch ihr Album "Faster Than The World" entsteht in diesen Zusammenhängen. Die vielleicht letzte Tat des jugendlichen Leichtsinns ist ein Fernseh-Auftritt in „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten.“

„Im Nachhinein weiß ich, das brauche ich kein zweites Mal“, bedauert dies Marten Pulmer, „der Auftritt war weder wichtig, noch produktiv. Da hatten wir uns mehr erhofft.“

Erfüllt haben sich die Hoffnungen von One Fine Day an der Plattenfirmenfront. „Seit wir seit 2004 bei Ferryhouse sind, wissen wir, dass Leidenschaft für Musik auch einen Labelchef auszeichnen kann. Heute wahrlich nicht die Regel“, stellt Marten Pulmer fest. Der Angesprochene ist keine Geringerer als der umtriebige Versandhauserbe Frank Otto



Das rebellische Element

Eine solche Einschätzung zeigt einen gereiften Charakter. Der beweist sich auch in dem Statement:

„Die nächste Platte ist immer das größte Ziel. Aber wir haben inzwischen unsere Erfahrungen gemacht. Doch das heißt noch lange nicht, dass wir unser rebellisches Element verloren haben.“

Die Parole, die für das neue Album ausgegeben wird, heißt: vieles anders und alles richtig machen. Ein hehres Ziel. Mit neuem Gefühl, neuen Liedern und erweitertem musikalischen Horizonten suchT die Band nach einem Produzenten. Dann begegnen sie Pelle Gunnerfeldt. Auf seiner Referenzliste stehen unter anderem The Hives, Disco Ensemble, Refused oder The (International) Noise Conspiracy. Und er war die treibende Kraft bei den genialen Fireside.

„Das ist unser Mann, das war sofort klar“, ereifert sich Marten Pulmer, „schließlich liest sich seine Arbeits-Discografie wie das Who is Who der bandeigenen Plattensammlung.“

Pelle Gunnerfeldt lädt zu Aufnahmen nach Stockholm.

„Von da an bewegt sich vieles in eine für uns ungewohnte Richtung“, erzählt Marten Pulmer weiter, „erst überraschte Pelle Gunnerfeldt uns mit der alten Studer-Bandmaschine, auf der einst Pink Floyd aufgenommen haben. Es kamen Mikrofone, Instrumente und Verstärker zum Einsatz, denen man die Jahre im positivsten Sinne anhört. Und dann, ganz alte Schule, es wurde nicht nur live eingespielt, sondern konsequenterweise auch gleich analog. Dabei ist Herzblut pur geflossen und selbstverständlich wurde im Rahmen einer solchen Möglichkeit auch die Liebe zum kleinsten Detail kultiviert. Die ganze Atmosphäre des Studios, war wie geschaffen für uns. Es war weder klinisch steril noch hippiemäßig gemütlich. Das Ambiente hat neben dem Liveeinspielen dazu beigetragen, dass wir uns voll auf unsere Gefühle und Emotionen konzentrieren und diese so in den Kompositionen zur Entfaltung kommen lassen konnten.“



Jedes Stück eine Macht

Wie war gleich noch mal die Parole? Richtig: vieles anders und alles richtig machen. Dieser unbändige Drang nach vorn durchweht jedes Stück von One Fine Day. Befreiend, mächtig und frisch klingt das, was einem da aus den Boxen so wunderbar, doch ohne Kompromisse, die Ohren beschallt.

„Da unsere Stücke auch aufgrund der gewachsenen Erfahrung nicht nur musikalisch ihrer Essenz nachspüren, sondern auch textlich fertiger und präziser geworden sind, klingen sie so geradeaus wie nie zuvor. Unsere aktuellen Texte werden wie Flaggen eines Bekenntnisses gehisst. Ich rede hier nicht von politischen Schlagwörtern, nein es geht auch dabei um Liebe und Angst. Um Gewinnen und Verlieren.“

Das, was jetzt doch ein wenig schwer rüberkommt, wird von One Fine Day mit einer bravourösen Leichtigkeit erledigt. Sogar dann, wenn es um so harte Brocken, wie Ablehnung, Ignoranz oder gesellschaftliche Kälte geht. Ein lebendig, luftiger Atem durchweht jedes Stück. Und doch ist jedes Lied eine Macht. Eine Streitmacht. Gekämpft wird für die Rebellion, aber eine, die den Spaß am Rebellieren sofort zurückbringt. Für die Widerstandsaktion gegen eine bestehende Macht. Eine Macht, die jeder für sich anders definiert, deren gemeinsames Grundelement aber Stillstand ist. Das schrieb schon Max Frisch in seinem Spätwerk, dass absoluter Stillstand, in dem keine Veränderung, keine Entwicklung mehr möglich ist, der Tod ist. One Fine Day hingegen reden dem unbezähmbare Drang nach Veränderung das Wort. Ein Hunger, der nie zu stillen ist. Den Soundtrack zu diesem persönlichen Jakobsweg, den haben Onefineday mit „The Element Rebellion“ formuliert. Und es ist einer für die Ewigkeit.

Aktuelles Album: The Element Rebellion (Ferryhouse Productions / Warner)
© 02. Oktober 2010  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Oktober 2010

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