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ALEX MAX - Noch mal von vorn

Er hat was vorzuweisen, der Mann. Unbedingt. Für sein Lied „Wherever You Will Go“, das er mit seiner ursprünglichen Band The Calling aufnahm, wurde Alex Max vom amerikanischen Billboard-Magazin zur Nummer Eins der 40 erfolgreichsten Popstücke des Jahrzehnts der Nuller-Jahre gewählt. Jede Menge Platin wurde ihm auch um die Ohren gehauen. Dann waren The Calling Geschichte. Ganz plötzlich.
Achterbahnfahrt

Was nützt die durchdringenste Stimme, die sogar jegliches Nackenhaar dazu zwingt, sich aufzustellen, wenn ein Wechsel in der Führungsetage der Plattenfirma den Millionenverkäufer auf’s Abstellgleis schiebt. Was tun? Sich auf das besinnen, was man am besten kann, grandiose Schmachtfetzen schreiben, an denen selbst hart gesottene Rocker nicht vorbeihören können. Das tut Alex Max voller Selbstbewusstsein:

„Es feuert natürlich beim Arbeiten, wenn diese auf dem Hintergrund des Wissens tun kann, dass man den Hit geschrieben hat, der ein ganzes Jahrzehnt geprägt hat.“

Der Rest ist erstmal Warten. Beispielsweise auf einen Anruf von Carlos Santana, de dann auch noch kommt. Gemeinsam zimmern sie das Stück „Why Don’t You &I“ für Carlos Santanas Erfolgsalbum „Shaman.“ Die Erfolgsrakete startet wieder. Ja und nein.

Alex Max Frau, die Schauspielerin Jennifer Sky, erkrankt schwer und er stoppt die Rakete abrupt. Hinzu kommt nahezu zeitgleich, dass seine Plattenfirma ihn nicht freigeben will und jedwede Veröffentlichung total blockiert.

„Wir haben zu dieser Zeit mehr Geld für Ärzte und Anwälte ausgegeben, als dies andere Menschen in zwei Leben tun würden“, blickt Alex Max zurück. Seine Ehe zerbricht letztendlich auch noch.



Neustart

Grund genug, die totale Lebensfinsternis heraufziehen zu lassen. Doch was macht Alex Max? Erneut macht er das, was er am besten kann. Er komponiert.

„Ich habe meine Schmerzen, die Trauer, die Sehnsucht und die Wut, zum Schreiben von Songs genutzt.“

Er gründet sein eigenes kleines Plattenlabel, nachdem er seine Lieder aus den Klauen der Plattenfirma befreit hat und versammelt diese und neuere Stücke auf dem Album „We’ve All Been There.“ Die Stücke belegen vor allem eins: Musik hat eine unbändige Kraft. Wenn man sie erkennt und großartig in Lieder packen kann. Seine Kompositionen belegen darüber hinaus, dass Musik eine universelle Sprache ist. Eine, die im entlegensten Winkel dieser Welt genau so verstanden wird, wie im Zentrum der größten Metropole. Ihre Kraft beziehen die Lieder von Alex Max schlichtweg aus der Tatsache, dass zwar die größtmöglichen Gefühle transportiert werden, aber die Schmalzgrenze nicht mal touchiert wird. Alex Max ist inzwischen geerdeter, reflektierter, doch nicht geändert hat sich sein verwegener Blick.

Manchmal sind Yellow-Press verdächtige Geschichten ganz reale Geschichten. Bei Alex Max ist es so. Und wer nach all dem immer noch in der Lage ist, wirklich große Lieder zu schreiben, der wird vielleicht nicht unsterblich. Unwiderstehlich aber bleiben die Alex Max-Stücke auf Jahre hinaus. Allein die darin enthaltene pure Lebenslust hält so lange vor.

Aktuelles Album: We’ve All Been There (Capitol / EMI)
© 01. Oktober 2010  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Oktober 2010

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