interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
CRIPPLED BLACK PHOENIX - Der Krieg, der nicht dazu gehört

Wenn eine Band mit der Veröffentlichung ihres Debuts schon bei einem Label Wenn bei Crippled Black Phoenix eine Idee erst einmal zündet, hält sie keiner mehr auf. Im Interview zur neuen Platte „I, Vigilante“ geht es um das richtige Leben im Falschen, Subversion, Krieg und nur ganz am Rande um verkopftes Muckertum. Frontmann Justin Greaves betont vielmehr, wie leicht es sei, bleischwere Songs aufzunehmen und dass knapp 20 ehemalige Mitglieder nichts über die Beschaffenheit einer Band aussagen.

Das Phänomen ist schwer zu fassen. Justin Greaves weiß auf Anhieb selber nicht, woher die Einflüsse für seine Musik mit Crippled Black Phoenix kommen und weswegen wie durch Geisterhand stets Konzeptalben das Schaffen seiner Band prägen. Zuletzt begeisterte seine Artrock-Combo 2009 Kritiker wie Fans mit dem wuchtigen und verschachtelten „200 Tons Of Bad Luck“.

„Die Euphorie für die Platte hat mich selbst überrascht“, stapelt Greaves erstaunlich tief und trotzdem spürt man, wie stolz er auf die Reaktionen ist, „schon öfter kamen Leute zu mir, die meinten, dass sie eigentlich gar keine harten Gitarren mögen, die Musik von Crippled Black Phoenix hingegen sehr.“

Freut sich ein Musiker, der nach dem jüngsten Erfolg seine Füße nicht stillhalten kann:

„Meine Motivation ist aktuell unheimlich hoch und ich konnte nicht zwei weitere Jahre warten, bis das nächste Album kommt, sondern musste sofort ins Studio.“ Womit beantwortet sein dürfte, weswegen er das aktuelle Werk „I, Vigilante“ so schnell nachschiebt.

Ähnlich wie vor einem Jahr, sind es auch auf dem neuen Longplayer die schleppenden Riffs, das dazu diametral flinke Schlagzeug und die düsteren Themen, die nach dem Hören der Songs hängen bleiben. Zusammengenommen eine Art Soundtrack für einen Film, der noch gedreht werden muss – gibt es da Pläne?

„Nicht wirklich“, meint Greaves und fügt hinzu, dass im Fall der Fälle Clint Eastwood seine erste Wahl als Regisseur wäre, denn „all seine letzten Filme haben mich sehr beeinflusst, weil sie ziemlich großartig sind“. Auf die Frage, ob erneut der amerikanische Motorrad-Stuntman Evel Knievel für die gesprochenen Vocal-Parts zuständig sei, folgt indes ein klares „nein, ganz und gar nicht“.

Diesmal habe man Tonaufnahmen von ehemaligen US-Soldaten im 2. Weltkrieg ausgegraben und wenn einer von ihnen im Song „Bastogne Blues“ plötzlich die Geschichte erzählt, wie er ein Kind erschießen muss, weil es eine Waffe auf ihn richtet, wird einem als Hörer der Platte die Schwärze dieses Meisterwerks vollends bewusst.

„Ich habe lange überlegt, ob das Tondokument verwendbar ist“, erzählt Greaves, „es ist schon irre, wie sehr die Generation vor mir etwas wie den Krieg als ganz normalen Abschnitt im Leben eines Menschen angesehen hat – so, als wenn es dazu gehöre mit Mitte Zwanzig durch den Wald zu marschieren und Leute zu erschießen. Komplett surreal, wie ich finde.“

Mehr könne und wolle er dazu nicht sagen, bittet der Crippled Black Phoenix-Chef um Verständnis und gerne kommt man diesem Wunsch nach. Weil abseits solch düsterer Geschichten „I, Vigilante“ auf einer ganz anderen Ebene fasziniert: Die Geschlossenheit der Platte sticht trotz erneuter Mitgliederwechsel deutlich hervor.

„Ich arbeite mit unterschiedlichen Leuten zusammen und meist trennen sich die Wege nach ein, zwei Alben – wobei es bei Crippled Black Phoenix inzwischen eine Art Stammelf gibt“, meint der gebürtige Brite und freut sich.

Wer von ihnen kam schlussendlich auf die Idee am Ende des großartigen „I, Vigilante“ ein fast schon an die Sechziger Jahre erinnerndes Folk-Stück zu verstecken?

„Das ist eine Coverversion und ich habe sie letztes Jahr in einem Kriegsfilm gesehen, als Aufnahmen eines Schlachtfeldes gezeigt wurden.“

Ok, es scheint dann doch die Filmkunst zu sein, die Crippled Black Phoenix auf verrückte Ideen bringt und vielleicht hätten wir ohne diesen Einfluss nicht solch schauerlich schönen Spaß an dieser intelligenten aber nie abgehobenen Band aus dem Herzen Englands.

Aktuelles Album: I, Vigilante (Invada / Cargo)
© 01. Oktober 2010  WESTZEIT ||| Text: Marcus Willfroth
Oktober 2010

Links

suche