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KLEINSTADTHELDEN - Lärmorgien & Pop-Musik

Sarkasmus? Oder einfach eine Geschichte, die das Leben schrieb? Sicher jedoch der Beginn einer Karriere als „Kleinstadtheld“ (KSH): Simon Lam verbrachte seine Jugend im provinziellen Flair von Osterholz-Scharmbeck. Dort gründete er eine Band, die nun am 01.10. in der Hauptstadt versucht, den „Bundesvision Song Contest“ zu gewinnen....

Die ersten Lebensjahre verbrachte der Sänger / Gitarrist in Bremervörde, bevor die Eltern mit ihm in die Kleinstadt zogen, die dem zweiten Album der KSH den Namen gab. Dort, in Osterholz-Scharmbeck, formte Lam ab 2004 zusammen mit Felix Weidenhöfer (Git. / Piano / Voc.) aus einer Schülerband einen Pop-Act, der mit „Resignation und Aufstehen“ 2008 im Langspielformat debutierte. Nach einigen Wechseln innerhalb der Gruppe übernahm Produzent Uli Wortmann schließlich fest den Platz am Schlagzeug; Aurich-Import Nils Freesemann (Bass) vervollständigte das Quartett letztendlich in seiner jetzigen Form. Der Lebensmittelpunkt der „Indie Boys“ war unterdessen nach Bremen gewechselt. Mit dem Ergebnis, dass die KSH nun das kleine Bundesland beim o.g. „BuViSoCo“ vertreten. Dort können sich die Neu-Hanseaten dann im musikalischen Wettkampf mit ihren Helden von Selig messen. Natürlich wollen die Ex-Osterholzer den Contest gewinnen, wenngleich sie die Favoritenbürde anderen Musikern zugestehen, mit einem aber Lächeln umgehend darum bitten, den gerade geäußerten Tipp nicht zu kommunizieren... Ehrensache - wir wollen ja nicht als unheilig gelten. Offen sprechen Lam & Freesemann jedoch über ihre Bühnenpräsenz. Vor den Konzerten gibt es höchstens mal zwei Bier.

„Schließlich fahren manche Leute über 100 km, um uns zu sehen. Da wäre es Betrug, würden wir betrunken auf die Bühne gehen.“

In Geschäftsfragen haben die KSH ebenfalls sehr schnell gelernt, ihre Interessen nüchtern zu vertreten. Trotz einiger Unterhaltungen mit den A&R´s von großen Plattenfirmen entschieden sie sich dafür, mit der Unterstützung eines guten Indie-Vertriebes ein eigenes Label zu betreiben. So können nur sie selbst sich unter Druck setzen – wie mit der rechtzeitigen Veröffentlichung von „Osterholz-Scharmbeck“ vor der Austragung des fünften „BuViSoCo“ in der Berliner Max-Schmeling-Halle.

Weil die KSH nun zusätzlich Geschäftspartner sind, möchten die Mitglieder nicht auch noch zusammen wohnen – obwohl dies bei Gruppen oft der Fall war:

„Letztendlich bin ich in den letzten Jahren mehr im Tourbus gefahren, als in jedem anderen Auto zusammen. Außerdem haben wir in den letzten Monaten mehr im Studio gewohnt, als Zuhause“, sagt Freesemann, bevor Lam hinzufügt: „Wir haben das große Glück, gemeinsam viel Zeit im Studio oder auf Bühnen verbringen zu dürfen. Da ist man froh, wenn man nach Hause fährt, und die Jungs mal nicht sieht...“

Musikalisch beeinflussen sich die KSH untereinander. Der Track ´Vögel´ z.B. ist eine harte Rocknummer, während andere Songs scheinbar eher in Richtung Popmusik gehen.

Lam: „Auf ´Vögel´ ist nach dem zweiten Refrain fast eine Minute Gitarrenlärm zu hören! Der Refrain ist halb geschrien, die Strophe auch. Auf Schnörkel wird verzichtet. Das Album beginnt kräftig mit ´Rennen´. Es folgen ´Tick Tack´& ´Indie Boys´ - Schmissige, tanzbare Nummern, bevor es ruhiger, nachdenklicher wird...um das Album in der Mitte mit ´Vögel´ noch mal richtig anzustoßen ...“

Freesemann: „Wir verstecken uns nicht vor dem Ausdruck ´poppig´. Als wir uns einmal selbst kategorisieren sollten, haben wir unsere eigene Schublade aufgemacht – Trash Pop for Truckers in Love! Daran sieht man, dass wir nicht davor zurückschrecken, unsere eigene Musik selbst als Popmusik zu bezeichnen!“

Aktuelles Album: Osterholz-Scharmbeck (Kleinstadtplatten / Rough Trade)
Weitere Infos: www.myspace.com/kleinstadthelden
© 01. Oktober 2010  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
Oktober 2010

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