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SUPERPUNK - Mit der Bismarck auf Motownkurs

Bläsersätze, Chorgesang und Streicher tönen aus den Boxen. Das sollen Superpunk sein, die bisher wegen sympathischer Schrammelmusik gemocht wurden? Neben verändertem Sound fallen auch die persönlicheren Texte auf. Aber keine Sorge, ?Einmal Superpunk Bitte!? ist kein Etikettenschwindel

„Ich weigere mich, aufzugeben“ ist der besagte breit produzierte Song, den man durchaus als Soul verbuchen kann: „Wir haben 170 Konzerte seit der letzten Platten gespielt. Ab einem gewissen Punkt auf der „Wasser Marsch“-Tour haben die Leute angefangen zu tanzen. Ich glaube, dass wir mittlerweile deutlich mehr swingen als auf unseren ersten zwei Alben. Wir sind so gut eingespielt, dass wir im Studio mehr experimentieren konnten. Soul ist ein Riesenkompliment für uns und nicht etwas, was wir geplant hatten?“, erklärt Bassist Tim Jürgens. Beim Immergut 2003 konnte man miterleben, wie die Leute bei Superpunk durchdrehen: die Holzdielen des Zelts bogen sich bedenklich und die Bühne wackelte, weil alle hüpften. Tanzen heißt es mehr denn je auf ?“Einmal Superpunk Bitte!“: „Tu einfach dein Bestes und mach dir keine Sorgen“ ist eine weitere beschwingte Northern Soul Nummer. Das Instrumentalstück „Return of Top Old Boys“ erinnert an Titelmelodien von 80er Jahre Serien: „Ich habe mir einen Louis De Funes Film beim Schreiben vorgestellt, mag aber auch die Musik von 80er Serien wie etwa Magnum gern“, so Sänger und Gitarrist Karsten Friedrichs. Rauere Garagennummern, die früher den Superpunksound ausgemacht haben, finden sich ebenfalls auf der neuen Platte, wie etwa „Ich mag den Mann nicht, den ich bin“ und „Zeit der eisernen Hand“. Wegen ihrer Texte werden Superpunk gerne in die Schublade ´politische Band´ gesteckt. Auf „Wasser Marsch“ wurde auf den Fabrikanten geschimpft und über einen Typen gesungen, der einen Reichen entführt, um seinem Bruder neue Zähne zu finanzieren. Mit Klassenkampf, Arbeitermythos haben die Hamburger aber nichts am Hut, wie Karsten erklärt: „In unseren Songs geht es um das Individuum gegen die Umstände, kein „Wir gegen Sie“, das wäre zu plump. Wer sollte wir sein? Die Tendenz von „Einmal Superpunk Bitte!“ ist nicht aufgeben wollen.? Mutmacherstücke gibt es in der Tat einige. Bestes Beispiel „Die Bismarck“: das Lied handelt davon, dass das unsinkbare Schiff Bismarck versenkt wird, was man gut dahingehend interpretieren kann, dass es sich lohnt für gewisse Ziele zu kämpfen. Oder vielleicht ist es doch der feuchte Traum eines britischen Marinesoldaten, ein deutsches Schlachtschiff zu versenken: „Es gibt im Augenblick Grund pessimistisch zu sein. Unsere Grundeinstellung ist aber, dass man Umstände überwinden kann und dass es kein vorbestimmtes Schicksal gibt“, berichtet Karsten. „Auch als Musiker muss man sich durchbeißen. Wir mussten haufenweise Konzerte spielen bis endlich mehr als 20 Leute kamen“, ergänzt Tim. Ohne explizit politisch zu sein, spielen Superpunk dennoch gelegentlich auf Demos: „Wir haben letztes Jahr auf einer Demo gegen Antisemitismus in Berlin gespielt. Es hat in Strömen gegossen und trotzdem sind Leute gekommen, um uns zuzuhören. Wenn wir als Band dazu beitragen, dass die Leute wieder auf die Straße gehen umso besser?“, so Tim. „Raus aus dieser Stadt“ klingt wie ein Nachruf auf die Schill-Ära in Hamburg, die Zeit des Innere Sicherheit-Wahns mit Brechmitteln für Dealer etc.: „Schon unter der SPD-Regierung war es schlimm genug mit der Ausgrenzung. Schill hat sich dazu noch lächerlich gemacht und durch seine Menschenverachtung Protest provoziert. Das Stück handelt aber von der Enge, Provinzalität und Langweile in Hamburg, die mich nerven“, berichtet Karsten. Von diesen negativen Eigenschaften ist „Einmal Superpunk Bitte!“ weit entfernt und der „Return of Top Old Boys“ geglückt. Ein passendes Resümee der Platte stammt von Rocko Schamoni: „Auf ´Einmal Superpunk, bitte!´ begegnen uns hochgeliftete Soulpower-Feelings mit unprätentiöser Modpunkgeste, keine Angeberei und trotzdem ein Leben in Jeans, in Polohemden, für Seelenmusik und ohne Anbiederung an neuen rockigen Lifestyle mit Trucker Schirmmützen und DJ Beeps & Clonx To Go.“

Aktuelles Album: Einmal Superpunk Bitte (L´Age D´Or/Rough Trade)
Weitere Infos: www.lado.de
© 01. Juli 2004  WESTZEIT ||| Text: Lars Weber
Juli 2004

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