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THE VANDALS - Sofabeschmutzer

Eine der ungewöhnlichsten und gleichzeitig konstantesten Punkbands dieses Planeten sind unbestritten The Vandals. Denn auch, wenn es für die Herren Escalante, Fitzgerald, Quackenbush und Freese eigentlich nur ein Hobby ist - wenn sie dabei sind, dann mit mindestens 110% Einsatz. Ihr täglich Brot verdienen die Herren anderweitig: Joe E. als Labelboss von Kung Fu, Warren F. als Produzent, Dave Q. besitzt eine Brauerei und Josh F. ist Schlagzeuger - für fast alles und jeden. Aber halt auch für The Vandals, denn gegessen wird ja bekanntlich zu Hause.

Allzu einfach war es allerdings nicht, den Trupp wieder zusammenzubringen, wie Bassist Joe berichtet.

„Unsere Terminkalender werden halt auch mit der Zeit nicht unbedingt leerer. Warren hat nun schon für die letzten paar Alben die meiste Arbeit übernommen und sich bei uns gemeldet, als er genug gesammelt hatte oder in einem kreativen Engpass festsaß. Aber das System funktioniert und unser Management hält uns gut bei der Stange.“

Nun also „Hollywood Potato Chip“, wo der Spaß wieder einmal im Detail sitzt und sich selbst die Band ein groß angelegtes Grinsen nicht verkneifen kann. Denn hier geht es nicht um einen frittierten Kartoffelsnack aus der Glamourmetropole, sondern um weitaus profanere Sachen.

„Das ist ein alter, nicht gerade schöner Porno-Ausdruck aus den 70ern, der beschreibt, was auf der Besetzungs-Couch übrig bleibt, nachdem sie benutzt wurde - eingetrocknetes Sperma.“

Da sind sie also wieder, die guten alten Insider-Jokes, die ausser den Vandals wohl niemand so richtig versteht. Wie ergeht es denn da dem Publikum, vor allem, wenn es nicht gerade Englisch zur Muttersprache hat?

„Es sieht fast so aus, als würden unsere Fans uns verstehen, egal ob in Japan oder Europa, ein wirkliches Problem stellt das nicht dar. Wir sind im Vergleich zu anderen Punkbands schon etwas komplizierter, aber die Leute scheinen sich damit auch etwas intensiver auseinander zu setzen.“

Der einzige, der sich wohl ständig beschwert, ist Sänger Dave, der die immensen Textmengen auch tunlichst alle im Kopf haben sollte.

„Ja, das stimmt, zumal die Texte, die wir schreiben, im Anfangsstadium meist noch viel länger sind. Da wir aber für unsere Live-Sets aus etwa 100 Songs von 8 Alben wählen, muss er nie so viele neue auswendig lernen. Im neuen Set werden 4 neue Songs auftauchen.“

Darunter auch das Queen-Cover „Don‘t Stop Me Now“, das am Albumanfang doch etwas heraussticht.

„Eigentlich war die Nummer nur für unser Live-Set als Abschluss gedacht, weil wir sonst immer jede Show mit „I Have A Date“ (was übrigens auch ein Cover ist - von The Simpletones) beendet haben und Warren sich schon oft genug dabei zum Affen gemacht hat. Und nach Jahren des Suchens haben wir diesen Song gefunden und sind uns sehr sicher, dass er der richtige ist. Das Publikum wird entscheiden, jetzt haben wir zumindest zwei zur Auswahl.“

Momentan bekommt der Song übrigens in den USA eine Menge Airplay, was für die Vandals in 20 Jahren eigentlich noch nie vorgekommen ist. Geht das denn mit der Bandphilosophie konform?

„Es ist Sommer, der Song macht Spaß, und die Sender reissen sich um so etwas... Normalerweise, wenn du als junge, aufstrebende Band mit einem Coversong im Radio beginnst, ist deine Karriere schon im Arsch. Unserer Karriere geht das am Arsch vorbei. Also können wir uns das auch erlauben.“

Stand es eigentlich jemals zur Debatte, das Tempo zumindest bei einigen Songs ein wenig zu drosseln?

„Nein, das könnte man sonst sehr schnell dahingehend auslegen, als würden wir noch mehr Leute erreichen wollen! Wir wollen eigentlich nur Songs für die Leute schreiben, die bereits Fans sind. Das macht viel mehr Spaß und ist wesentlich sicherer, zumindest in unserem Alter.“

Aktuelles Album: Hollywood Potato Chip (Kung Fu)
Weitere Infos: www.vandals.com
© 01. Juli 2004  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Juli 2004

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