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THE TRACEELORDS - Vollgas ohne Bremse

Wer sich gänzlich selbstbewusst als "die heisseste Rock‘n‘Roll-Band Deutschlands" bezeichnet, sollte tunlichst diesem selbst auferlegten Standard Recht tragen. Andy, Haan, Slick und Mirko tun dies bereits seit einigen Jahren unaufhörlich und begehren nun mit neuem Album im Gepäck und neuen Vertriebswegen noch mehr Gehör. Die Wege sind steinig, die Gitarren schön sleazy, die Einstellung unverblümt da. Und ja, um auf den Albumtitel "Refuse To Kiss Ass" anzusprechen - die Zeit des Schleimens ist wohl ein für alle Mal vorbei.

"Die gab es noch nie!", erklärt Bandleader Andy Brings. "Das ist eine Grundhaltung, die wir nicht verlassen. Es gibt und gab immer Möglichkeiten, aber die haben wir immer weiträumig umschifft, weil das einen nicht wirklich weiterbringt. Den Arsch, den wir küssen würden, gibt es noch nicht."

Die wohl einzig richtige Einstellung in diesem harten Business, aber zum Überleben vielleicht etwas zu wenig, wenn man die Geschäfte genau kennt.

"Wir sind jetzt alle Mitte 20 und das Leben hat uns gelehrt, dass es einfach nichts bringt. Wir lassen uns nicht verbiegen und setzen auf Loyalität, Freundschaft und stehen zu den Dingen, die wir sagen."

Klingt fast schon so, als würde trotz allem Mut die schlechte Erfahrung stets mit im Boot gewesen zu sein.

"Wir hatten schon öfter die Option aufzugeben, sei es, weil ein Bandmitglied ausscheidet oder ein Teil der Crew, mit der wir sehr eng zusammen arbeiten, sich als Zeitdiebe erwiesen haben. Das frustriert immer eine Zeit lang, aber eben nicht lange genug, um die ganze Sache an den Nagel zu hängen."

Statt nöliger Durchhalteparolen wurde lieber an Konstanz gearbeitet und eigentlich kommt es ja eh immer so, wie es eben kommt.

"Das Business ist immer so krank wie die Leute, die sich darin bewegen. Der Trick ist dabei eigentlich, sich zurück zu halten, bis man an die guten Leute gerät. Es gibt eine ganze Menge guter Leute und eine ganze Menge guter Musik, die es halt zu entdecken gilt. Wenn man sich nicht den Hut mit dem Hammer aufsetzt und die Hose mit der Kneifzange zumacht, findet man diese auch. Auch auf der anderen Seite des Schreibtischs gibt es Menschen, die halbwegs ehrlich durchs Leben gehen und Ehrlichkeit zahlt sich unterm Strich aus. Sicher wollen alle Geld verdienen, aber die Dinge, die im Aufbau länger brauchen, sind meistens die, die sich im Endeffekt länger halten, und der jetzige Stand meiner Band gibt mir dahingehend Recht."
Ein weiteres Geheimnis: Andy und Haan betreiben seit Jahren eine eigene Produktionsfirma und haben das neue Album in Eigenregie im heimischen Studio produziert. Geht es dabei eher darum, den Überblick zu halten oder nichts dem Zufall zu überlassen?
"Es ist eine Mischung aus allem, wir haben natürlich auch schon über die Jahre unsere Erfahrungen gemacht. Wir wissen schon, was wir wollen und machen einfach Musik, wobei wir sicher auch steuern, wohin es geht. Natürlich ist es auch falsch, mit Scheuklappen durch die eigene Musik zu gehen, es ist nichts fataler als zu denken, man hätte den Stein der Weisen schon gefunden, wenn man ins Studio geht. Man verliert eben schnell den Überblick und verfährt sich leicht, bis man den Kern eines Songs nicht mehr erkennt. Deswegen haben wir dann für den Endmix den legendären Eroc dazugeholt, weil wir die Platte schon 6 mal gemischt haben, was auch immer besser wurde, aber nach knapp eineinhalb Jahren Produktionszeit gemerkt haben, dass wir uns vielleicht doch verfahren und eine dritte, unabhängige Meinung haben wollten."
Zum Abschluss noch das Stichwort Stilvielfalt. Hätte das Album eine andere Songreihenfolge, würde es mitunter ganz anders wirken und vielleicht in eine andere Richtung lenken. Gibt es dahingehend absolut keine Limits?
"Ich weiss nicht, welcher Song die Band in Gänze widerspiegelt, aber Nummern wie "Get Out Alive" oder "I Do" sind schon repräsentativ. Mit einem Lied wie "Urinelove" das Album zu eröffnen, würde allerdings auch auf gewisse Weise verpflichten, sich den Rest des Albums zu geben. Die Dramaturgie ist natürlich so, dass man direkt zu Anfang zeigt, was die Band ausmacht, und dann die Leute mit auf eine Reise durch die Vielfalt zu nehmen. Dabei ist wichtig, nicht schon nach 3 Songs alles gesagt zu haben und sich zu wiederholebn und zu langweilen. Die Bremse haben wir schon vor Jahren ausgeschaltet. Man hat uns auch oft bein Gesprächen mit Plattenfirmen angelastet, dass wir kaum einen roten Faden ziehen oder in keine Schublade passen würden, aber wir haben das eigentlich immer eher als Vorteil gesehen. Wäre das ein Nachteil, hätten beispielsweise Die Ärzte heute kein Publikum mehr, oder?"
Aktuelles Album: Refuse To Kiss Ass (Roadrunner/Universal)
Weitere Infos: www.traceelords.de
© 02. Juli 2004  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Juli 2004

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