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DIE HAPPY - Reizüberflutung

Im Zuge rückläufiger Verkaufszahlen und Raubkopien allerortens muss der Weg zum Kunden mitunter anders gesucht werden. Das Ulmer Quartett war schon immer seinem Gegenüber, dem Publikum nahe und erntete nicht zuletzt genau deshalb viel Lob. So hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Die Clubs, die sie bespielen, werden größer, ihre Fanbase auch. Die Happy haben sich lange genug abgerackert, um dahin zu kommen, wo sie nun stehen. Ist das Ziel erreicht? Bassist Ralph und Sängerin Marta plauderten aus dem Nähkästchen.

„Eigentlich kann man das erst immer am Ende eines solchen Jahres sagen, wenn die Platte veröffentlicht ist und die dazugehörige Tour gespielt ist. Aber wir sind alle guten Mutes, da wir denken, das beste Album unserer Laufbahn gemacht zu haben.“ Dafür braucht man Zeit und vor allem Unterstützung, die sich die Band hart erarbeitet hat. „Wir touren ja nun schon seit fast 10 Jahren und haben uns eine sehr treue Fangemeinde aufgebaut, die es wirklich zu schätzen weiss, dass wir eigentlich in jedem Kaff gespielt haben, dass wir immer noch genau so viel Spaß wie früher haben und sehen, dass wir uns niemals aufgeben. Viele Bands, die wir auch kennen gelernt haben, waren sich für so etwas zu fein. Wir dagegen sind überall hingefahren, um auch nur eine halbe Stunde zu spielen. Es reicht für eine deutsche Band nicht, nur mit einem Video präsent zu sein. Vielleicht lief es bei uns alles ein wenig langsamer, dafür aber sehr stabil. Du kannst Dich nicht auf die Arbeit der Plattenfirma allein verlassen, du kannst wesentlich mehr erreichen, wenn du persönlich an die Leute herangehst. Und das ist halt der Weg über Clubgigs, Festivals, usw.“ Und somit auch, wie es inzwischen ist, von den kleinen Hallen ab in die großen. Untergräbt das nicht die Philosophie der Anfangstage? „Überhaupt nicht. Das ist lediglich als Fortsetzung zu sehen. Wir wollen unseren Fortschritt natürlich auch gebührend präsentieren und den Leuten mehr bieten. Ob das nun nur mehr Licht ist oder sonstwas, unsere Fans erwarten so etwas auch mit der Zeit.“ Die Aufnahmen zum neuen Album wurden abermals mit Ralph Quick in Dänemark gemacht. Dort, wo auch der Grundstein für den erfolgreichen Vorgänger gelegt wurde. Dennoch wurde ein Teil der Songs mit einem neuen Produzententeam in Amerika aufgenommen, was als Risikofaktor sowie als Herausforderung anzusehen ist. „Man bekommt eine Menge neuer Impulse, wenn man mit anderen Leuten zusammen arbeitet, die man anders umsetzen kann. Das kann sich durchaus fortschrittlich auswirken.“
Kann auf der anderen Seite das Spektrum des Ideenreichtums nicht auch zu groß werden, als das es noch fassbar ist? „Eigentlich ist unser Ziel, dieses Spektrum so groß werden zu lassen, dass wir uns innerhalb der Band auch richtig austoben können. Wir versuchen, die Extreme zwischen den Elementen Pop und Rock richtig auszureizen, weil uns eben beides gefällt. Im Moment kann noch jeder seine Ideen einbringen und niemand von uns droht auszubrechen. Und ganz im Ernst: es ist schön, dass es so ist.“ Stichwort Abwechslung. Was auf dem Album der Fall ist, kann in gewissem Sinne nicht mehr auf den Alltag übertragen werden. Immer das gleiche Schema: Single, Video, Album, Tour. Kann diese Normalität nerven? „Es ist immer noch reizvoll. Natürlich sind das alles Wiederholungen, aber, weil sie halt nur alle eineinhalb Jahre stattfinden, kann man sich auch wieder darauf freuen.“ Na dann, bis demnächst.

Aktuelles Album: The Weight Of The Circumstances (BMG)
Weitere Infos: www.diehappy.de
© 01. August 2003  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen ||| Foto: Mathias Bothor
August 2003

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