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EUGENE KELLY - Der unbekannte Star

Eigentlich gehört Eugene Kelly zu den ganz Großen. Sein einziges Problem: Kaum jemand kennt ihn. Der Grund dafür ist simpel. Millionenfach verkauft haben sich lediglich die Coverversionen seiner Songs: Nirvana spielten gleich drei Stücke von Eugenes legendärer erster Band, The Vaselines - „Son Of A Gun“, „Molly’s Lips“ und „Jesus Wants Me For A Sunbeam“ -, und unlängst nahmen die in England schwer angesagten My Vitriol das fabelhafte „Breakfast“ des Nachfolge-Projekts Eugenius auf.
Eugene selbst hat sich lange Jahre veröffentlichungstechnisch rar gemacht. Das letzte Eugenius-Album kam bereits 1994 auf den Markt, Eugenes Debüt als Solist, die wunderschön entspannte „Older Faster“-EP, erscheint allerdings erst jetzt. Da muss sich der sympathische Schotte mit der samtenen Stimme schon mal fragen lassen: Wo zur Hölle hast du gesteckt? Eugene lacht und klärt uns auf: „Ich bin in Glasgow gewesen und habe viele Shows gespielt, mit Evan Dando in Irland, mit Belle & Sebastian in Skandinavien, mit Jon Auer in Spanien und vor allem sehr, sehr viele hier in Schottland. Es stimmt, seit meiner letzten Platte sind acht Jahre vergangen, und es ist schön, endlich mal wieder etwas zu veröffentlichen. Aber so wichtig ist mir das nicht. Egal wie und wo, solange ich Musik machen kann, bin ich schon glücklich. Ich muss keine Platten herausbringen, um zufrieden zu sein.“
Solo geht Eugene nun musikalisch neue Wege. Während er seine Konzerte häufig als Ein-Mann-Show mit Akustikgitarre und Mundharmonika bestreitet, lud er für die Aufnahmen einen Bassisten, einen Schlagzeuger und einen Pianisten ein, die die Songs von „Older Faster“ mit viel willkommenem Understatement soundtechnisch in die Nähe von großartigen Bands wie Mojave 3 oder Altmeistern wie Crosby, Stills, Nash & Young rücken. Ganz zu schweigen davon, dass Eugenes Songwriting - das mit Abstand schönste Stück, „Blessed And Misplaced“, ist unverständlicherweise ganz hinten auf der EP versteckt - auch im neuen Jahrtausend weiterhin über jeden Zweifel erhaben ist. Für sein erstes Solo-Album, „Man Alive“, hat sich unglaublicherweise dennoch bisher kein passendes Label finden können. Dabei wird es auf der LP auch einige der rockigeren Sachen aus seinem derzeitigen Liveset zu hören geben, die Eugene als „zweieinhalb Minuten lange Popsongs, mit einem ähnlichen Garagenfeeling wie die Vaselines“ beschreibt.
Frohe Kunde für viele Fans also, die sich auch heute noch an der Vergangenheit festklammern – was kein großes Problem für Eugene ist, wie er uns abschließend wissen lässt: „Ich war gerne in diesen Bands. Ich mochte die Musik, und ich mochte die Leute, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Das Solo-Ding ist für mich eine Chance, etwas davon loszukommen und zu beweisen, dass ich auch andere Songs schreiben kann. Und wer unbedingt an den alten Zeiten festhalten will: Ich spiele bei meinen Konzerten auch heute noch einige Vaselines- und Eugenius-Stücke!“
Weitere Infos: www.geocities.com/velvetbean
© 01. August 2003  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: Domino / Zomba
August 2003

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