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The Waterboys - In The Air Tonight

Mit seinem neuen Album, Universal Hall, hat sich der alte Wasserjunge Mike Scott scheinbar völlig von allen irdischen Belangen losgelöst und strebt höheren, spirituellen Werten zu. Was nicht unbedingt bedeutet, daß sich der Mann von seinen immer noch erdverbundenen gälischen Wurzeln getrennt hat (zumindest nicht musikalisch), sondern lediglich, daß das Esoterische bei dieser neuen Scheibe im Vordergrund steht.

Alle Songs drehen sich irgendwie um kosmische Energien, die Kraft der Liebe, das kollektive Empfinden oder ähnliche wenig greifbare Wesens- und Sein-Zustände. "Das Spirituelle war auf ´Rock In A Weary Land´ auch stets präsent", schränkt der Meister ein, "auf dieser Scheibe ist es aber wesentlich offensichtlicher." Woher kommt denn diese Entwicklung? Nun, Scott lebt seit einigen Jahren in der schottischen Hippie-Kommune Findhorn, deren zentraler Fokus die besungene Universal Hall ist, ein Gebäude, in dem Scott auch Konzerte gab und in dessen Keller er die neue CDs aufnahm. Seit wann macht man denn Scheiben über eine Veranstaltungshalle? "Universal Hall ist mehr als eine Veranstaltungshalle", schmunzelt Scott, "es ist so zu verstehen, wie ´Abbey Road´. Für die Beatles war das auch mehr als einfach ein Studio." Nun ja, und auch die Beatles suchten ja ihr Heil in überirdischen Gefilden – die sie indes dann auch wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholten. Den hat Scott übrigens nie verlassen, weswegen er jetzt auch sein eigenes Label, Puck, betreibt. "Meine letzte Plattenfirma wollte die Option nicht verlängern", erzählt er eher unwillig, "ich war aber nicht traurig sondern dachte mir, daß ich eigentlich auch gleich meine eigene Firma gründen könnte, anstatt mich mit den unabhängigen Landesvertretungen einer weiteren Major-Company herumstreiten zu müssen." Was kein Problem für Scott sein dürfte, der stets auch die Nähe seiner Fans sucht und seine Karriere weniger auf Plattenverkäufen, denn auf dieser Beziehung aufbaut. Wie kam es denn eigentlich zu dieser eigenartigen Sammlung metaphysischer Balladen, deren Texte zum Teil einfach aus einem immer wieder wiederholten Mantra bestehen? "Ich setze mich ja nie hin und plane diesen oder jenen Song zu schreiben", erklärt Mike, "ich lasse mich eher von der Musik leiten und schaue dann, welche Stücke nachher etwas gemeinsam haben. Und ich gebe mir selbst die Erlaubnis die Regeln brechen zu dürfen." Und wie entstand der optimistische, lichterfüllte inhaltliche Rahmen? "Es ist nicht so sehr das tägliche Leben in Findhorn, sondern die innere Energie, die mich beeinflußte", erzählt Mike, "Findhorn ist eine Art Kommune in der Leute leben, die in irgend einer Form spirituelle Verantwortung übernehmen. Das ergibt eine Art kongruenter Kollektiv-Energie, von der man zehren kann. Das kann man auch steuern. Jeder in Findhorn wird wissen, daß man Licht durch Meditation versenden kann. Ich denke, daß während der Irak Krise eine Menge Licht von Plätzen wie Findhorn zu den Krisenzentren gesendet wurde." Das sagt er mit einer dergestalten Bestimmtheit, daß man gar nicht auf den Gedanken kommt, es in Frage zu stellen. Vielleicht liegt es ja auch daran, daß Mike den "liebenden Blick" praktiziert, den er nicht nur in dem Track "Eternal Being Of Love" besingt? "Es ist eine sehr befreiende Sache, daß man feststellen kann, seine Wahrnehmung durch die Art, in der man etwas betrachtet, zu ändern. Viele Leute wählen ja nicht diesen Weg. Ich denke aber, daß man dies versuchen sollte – und was wäre dann wohl passender, als alles mit dem liebenden Blick zu betrachten?"
© 01. August 2003  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
August 2003

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