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COWBOYS ON DOPE - Saloonfähiges in der Stammkneipe

Am Anfang waren die weißen Cowboyhüte. Diese wurden 1996 aus purer Begeisterung für die in tiefen Zügen aufgesogene Atmosphäre in Austin/Texas während einer Tour zum bislang letzten Rausch-Album „On“ gekauft.

Dann begannen die beiden Ur-Rauscher Peter Sarach und Wolly Düse in Hotelzimmern die Lust am gemeinsamen akustischen Klampfen zu entdecken. Gepaart mit dem aufgestauten Frust aus den vergangenen Jahren, in denen beispielsweise 1994 ein scheinbar sicherer Big Deal mit der Phonogramm am Größenwahn des damaligen Band-Managers jäh scheiterte (er verzockte sich schlicht) und sie praktisch auf der Straße standen, entschieden sich die Beiden, fortan zu Zweit durch die Kneipen zu tingeln. Außerdem fanden sie, dass den Rausch-Stücken diese Interpretationsweise hervorragend zu Gesicht stand.

In den Kneipen gibt es keine Barrieren, man guckt den Leuten direkt ins Gesicht und liest die Reaktionen. Es geht wesentlich lockerer zu als auf Rock-Gigs. Du brauchst dieses ganze technische Equipment nicht, trinkst Dir vorher gemütlich ein paar Bier und freust Dich auf den Auftritt. Außerdem ist der Raum für Improvisationen viel größer. Peter gibt schon mal den Francois Villon oder wir spielen ungeprobte Stücke. Wenn uns Fehler unterlaufen, finden das die Leute eher toll. Alles ist sehr spontan und direkt.

Seit anderthalb Jahren ist auch Rausch-Gitarrist Thorsten Dohle mit von der Partie, so dass nun aus drei Whiskey-gestählten, verrauchten Kehlen gesungen werden kann und Düse sich zunehmend auf seine Clappings auf dem Gitarrenkoffer konzentrieren kann. Die Liste der potenziellen Songs zwischen Liebe, Rausch und Wahnsinn ist auf Grund der Tatsachen, dass a) fast ausschließlich gecovert wird und b) Peter Sprach laut Düse einige hundert Songs textlich gespeichert hat, riesig.

Neulich, nach einem Geburtstags-Gig auf einem Schloss, sind Peter und Thorsten völlig abgegangen. Sie haben dann angefangen das komplette „White Album“ zu spielen. Hinterher haben sie sich dann noch an „Sgt. Pepper...“ heran gemacht. Das haben die sehr gut hin gekriegt! Ich selbst komme höchstens mit Stücken von Udo Lindenberg gut durch.

Bemerkenswert ist noch, dass sie weder bei der Promotion noch beim Booking Hilfe von außen benötigen. Die vor kurzem im Band eigenen „Rauschraum“ eingespielte und produzierte CD wird über elf ausgesuchte Kölner Kneipen, die mit je 200 € in Vorleistung getreten sind, dafür aber 25 Stück (à 10 €) in die eigene Tasche verkaufen können, sowie eingefleischte Plattendealer vertrieben. Interessenten von außerhalb sind eingeladen, sich via Internet zu melden und können sich auf handverpackte Sendungen freuen. Übrigens ist auch die Ära „Rausch“ nicht am Ende. Das frisch eingespielte Live-Album wartet lediglich auf ein Label, um abgemischt und vertrieben zu werden. Je nach Geschmack und Anlass können beide Bands für Geburtstage, Hochzeiten und Todesfälle gebucht werden.



Aktuelles Album: „High Noon“
Weitere Infos: www.cowboysondope.de
© 01. August 2003  WESTZEIT ||| Text: Marco Pawert
August 2003

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