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The Sleepy Jackson - Anziehpuppen-Songs

Gehen den Briten jetzt etwa die eigenen Hypes aus? Wie sonst wohl ist es zu erklären, daß The Sleepy Jackson – immerhin ein Act aus Australien – seit einigen Monaten als Next Big Thing durch die britischen Postillen kraucht? Nun, vielleicht liegt es daran, daß die Abgesandten aus der ehemaligen Kronkolonie etwas machen, was den Inselbewohnern ansonsten nicht so leicht von der Hand geht: Ganz unbedarft mit Genres und Stilen spielen.
The Sleepy Jackson das ist eigentlich und vor allem Frontmann und kreativer Motor Luke Steele. Die Band – wenn man sie denn als solche bezeichnen will – hat bereits vor der Veröffentlichung des Debütalbums "Lovers" – mehrere Inkarnationen durchlaufen. "Die Jungs, mit denen ich jetzt arbeite, sind Profis und können die Songs so spielen, wie ich sie auf Scheibe eingespielt habe, und nicht so, wie sie sie für richtig halten", erklärt Luke mit einem australischen Akzent, der diesen Namen wirklich noch verdient und deutet damit an, daß er die Scheibe alleine mit Studiomusikern einspielte und die letzte Version der Band eher aus guten Kumpels bestand, die aber eben keine Profis waren. Im Prinzip ist auch dieser unkonventionelle Ansatz Teil der Unberechenbarkeit, die von The Sleepy Jackson in jeder Phase ausgehen – und zum Beispiel dazu führen, daß die Presse die Band hilflos mit allem vergleicht, was mal eine Gitarre gehalten und einen Pop-Song geschrieben hat. Was Luke Steele gar nicht so recht verstehen mag. "Weißt Du, das wichtigste für mich beim Musizieren ist "open-mindedness" (ein Begriff, der nur schwer – am besten noch mit "vorurteilslos" zu übersetzen ist). Das ist es, was die Welt verändern wird und natürlich auch die Musik. Deswegen haben viele Leute auch so Probleme damit, die alles in eine bestimmte Schublade stecken möchten. Du mußt Sachen verarbeiten, die aus Deinem Herzen kommen, und wenn Du ehrlich bist, spricht das für sich selbst. Ansonsten gilt: Alles ist möglich. Auch der Zufall ist wichtig. Ich versuche jedenfalls, meine Optionen immer offen zu halten. Ich glaube auch, daß die Songs dann von selber kommen, wenn man so ist. Man muß nur darauf warten und braucht nicht danach zu suchen." Und das ist etwas, was man der Musik von The Sleepy Jackson auch anhört. Hier stehen Pop und Avant Garde, Country und Psychedelia, Rock und Kinderchöre irgendwie gleichberechtigt nebeneinander. Woran erkennt Luke denn, ob ein Song funktionieren könnte? "Das ist das Schwierige dabei", räumt er grinsend ein, "ich denke, die Melodie muß gut repräsentiert werden. Die Texte müssen die Melodie allerdings rechtfertigen und umgekehrt. Um das zu erkennen, mußt Du wissen, wie man produziert. Ich habe die Scheibe mit Johnathan Burnside gemacht und viel dabei gelernt. Und Du mußt Abwechslung in die Songs bringen. Das ist eine Sache, die ich von meinem Vater gelernt habe, der Blues-Musiker ist: Wenn Du die Aufmerksamkeit der Leute halten willst, mußt Du variieren. Ich sehe das immer so: Du hast drei Minuten, um mit deinem Song ein Wesen, eine Person zu erschaffen – darfst ihm dabei aber nicht zu viele Kleider anziehen, weil er sonst blöde aussieht. Die Kleidung muß zum Image passen." Okay – bleibt noch die Frage, wer "The Sleepy Jackson" ist? "Die Inspiration für den Namen kommt aus verschiedenen Quellen", grinst Luke, "und ich zögere immer, eine definitive Erklärung zu geben, weil ich mich da nicht entscheiden kann, aber Jackson ist jedenfalls ein Fahrer, den ich mal auf Tour kennenlernte und der immer müde war. Und ich meine, der Name klingt gut."
© 01. August 2003  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
August 2003

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