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FEHLFARBEN - Zurück Zum Beton

Deutschland im Herbst 2002: Hysterie ist vielleicht zuviel gesagt. Aber die Tatsache, dass die Fehlfarben plötzlich wieder in aller Munde sind, sorgt für starke Gemütserregung in der deutschen Musiklandschaft. Peter Hein, Thomas Schwebel, Frank Fenstermacher und Kurt Dahlke gehören zu den Protagonisten in Jürgen Teipels erfolgreichem Doku-Roman „Verschwende Deine Jugend“, der die deutschen New Wave/Punk-Anfänge von 1976-82 nachzeichnet. Die Düsseldorfer Punk-Ausstellung zog tausende Besucher an und wartete mit unzähligen Filmen, Fotos und Texten über die Band auf, die uns vor 22 Jahren das bahnbrechende (und vor 2 Jahren schließlich vergoldete) Meisterwerk deutscher Popmusik „Monarchie & Alltag“ bescherte.

Zur Ausstellungseröffnung stand Sänger und Texter Peter Hein mit der eigens für den Abend zusammengetrommelten Band Zum Buch auf der Bühne und sang erstmals seit 1991 wieder die alten Hymnen „Grauschleier“ und „Zurück Zum Beton“ - das Stück, nach dem die Ausstellung benannt wurde. Dann die krönenden News: Im Herbst ein neues Fehlfarben-Album. Als Vorgeschmack erst ein ausverkauftes Popkomm-Konzert, dann läuft das Video zur Single im TV. In sämtlichen Medien ist in Zusammenhang mit dem Comeback überall von Erwartungsdruck die Rede. Eigentlich ein wenig absurd das Ganze, denn die Fehlfarben haben mit Erwartungen und Jugendkultur überhaupt nichts am Hut. Ein paar Wochen nach der Veröffentlichung zieht Sänger und Texter Peter Hein im Gespräch mit Westzeit ein erstes Resümé: "Manche Plattenfirmen, bei denen wir anklingelten, wiesen uns ab mit den Worten ‚Ihr seid Legende! Ihr dürft nie wieder veröffentlichen!’, aber darum geht es ja gar nicht. Wir hatten einfach Lust, eine neue Platte zu machen. Von diesem Comeback hab ich eigentlich gar nichts erwartet, und das wurde auch hundertpro erfüllt." Das scheint auf den ersten Blick bitter, ist aber typisch für Peter Hein, der sein Schaffen stets aus großer Distanz betrachtet hat. "Es gab viel Lob für die Platte, wahrscheinlich auch von vielen falschen Freunden. Aber meine Bezugspunkte sind sowieso andere. Mir ist es egal, was irgendwelche Leute denken, irgendwelche MTV-Gucker, mit denen ich nichts zu tun hab. Die mir persönlich Wichtigen finden die neue Platte gut, und darum geht es vornehmlich." Woher diese anachronistische Haltung? "Da fällt mir Jonathan Richmans Song „I’m In Love With The Modern World“ ein: Eigentlich mag ich die moderne Welt schon. So entstand ja auch „Zurück Zum Beton“. Das ging ja gegen die Landkommunen in den 70ern, die Brot backten, schlecht aussahen und Zurück Zur Natur propagierten. Ich hasse zwar die meisten Auswüchse der Jugendkultur und Musik der modernen Welt, aber als solche ist sie immer noch toll. Doch was die Jugend heute treibt, ist mir egal. Ich will nicht mehr jung sein und die Jugend ist nie mein Ansprechpartner gewesen; diese Funktion haben eher Leute, die ich kenne. Ich war schon immer kopfalt." Also hattet Ihr gar keine kommerziellen Erwartungen? "Naja, natürlich ist es schon blöd, wenn man in dem Scheißzirkus schon einmal drin ist, aber dann innerhalb von drei Wochen doch wieder nur von Westernhagen, Hosen und Nena zu hören und zu sehen." Dich als Hype-Gegner müssen doch die Promo-Aktionen ziemlich genervt haben. Oder hast selbst Du da Enthusiasmus entwickeln können? "Sowohl als auch. So als Einmann-Boygroup für Halbgelernte durchs Feuilleton zu toben, ist ja ganz nett, aber damit verkaufst du natürlich nichts. Und dann nippeln auch noch Unseld und Augstein zwei Wochen nach den Interviews ab und die ein oder andere Story vom Musikmännlein wird dann doch wieder gestrichen. Aber so hier und da mal rumfahren für Radio oder Interviews ist ganz nett. Und ne ganz passable Platte gemacht zu haben, ist immer super." Würdest Du’s noch mal machen? "Klar, ich mach gerne Platten und ich spiel auch gern." Eine ausgiebige Tour steht schon fest. Bis auf Uwe Bauer (ersetzt durch Saskia von Klitzing) werden die Fehlfarben im Februar in der Originalbesetzung Dahlke, Fenstermacher, Hein, Jahnke, Kemner und Schwebel nach elf Jahren erstmals wieder gemeinsam durch die Lande reisen. Nicht verpassen!

Aktuelles Album: Knietief Im Dispo (Wonder/!K7/Zomba)
© 01. Dezember 2002  WESTZEIT ||| Text: Kristina Koch
Dezember 2002

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