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Norrin Radd - Gegensätze ziehen sich an

"Monsters & Angels" heißt das zweite Album Norrin Radds und wie auf dem Debüt "When She Danced" gibt es eine lebendige Sammlung von abwechslungsreich aufbereiteten Americana-Songs, die den internationalen Vergleich nun wahrlich nicht zu scheuen brauchen. Auch wenn Gandulf Hennig, der zunächst und vor allem Norrin Radd ist, in Berlin lebt. Liebe und Verlust ziehen sich thematisch wie ein roter Faden durch das Album.

"Ich werde oft gefragt, ob dies eine Konzept-Scheibe ist", erzählt Gandulf, "und ich kann diese Frage verstehen. Für mich ist es jedoch zunächst mal ein Album – in dem Sinne, daß es eine bestimmte Mischung von Songs enthält, und die einen Spannungsbogen aufweist. Denn das wird heutzutage kaum noch gemacht." Und was bedeutet der Titel? "Es geht um Gegensätze. Ich wollte aufzeigen, daß nichts so ist wie es scheint – besonders nicht in der Liebe. Denn Liebe und Verlust sind die verbindenden Themen auf diesem Album ´Monsters & Angels´ sind zunächst mal Gegensätze, die indes genauer betrachtet gar nicht so verschieden voneinander sind. Ich bekomme übrigens über meine Texte aus den USA ein vorwiegend positives Feedback, weil die dort sehr viel weniger Probleme mit meiner Bildsprache und meinen Metaphern haben, was hier oft kritisiert wird." Es ist aber auch leicht, Norrin Radd zu kritisieren, denn etwas Neues erfinden Gandulf und seine Musiker ja bewußt nicht. "Weißt Du, ich bin ja ganz bewußt ein Genre-Musiker", räumt Gandulf ein, "ich will ja auch gar nichts Neues erfinden – obwohl ich natürlich schon meine, mich weiterentwickelt zu haben. Es wäre ja auch vermessen, auf diesem Gebiet etwas Neues machen zu wollen. Das ist aber auch etwas typisch deutsches, daß man hier immer von einem erwartet, sich ständig neu erfinden zu müssen. Warum kann man denn nicht mal anerkennen, daß jemand seine Stimme gefunden hat und sich dort entwickelt?" Die Kollegen haben jedenfalls verstanden, worum es geht. Roger McGuinn, mit dem er – neben Tom Petty – häufig verglichen wurde, schickte ein Glückwunsch-Telegramm, Donovan schrieb gar ein Gedicht für ihn und die neue Scheibe entstand wieder unter tätiger Mithilfe der quirligen Honky-Tonk-Gitarristin und –Sängerin Rosie Flores, die vor Begeisterung sogar mit der Band auf Tour ging. Dieses Moment nutzt Gandulf auch für sein eigenes Label, Calico-Records. "Wir werden Rosie´s neues Album herausbringen und dann etwas mit Alex Hacke von den Neubauten aufnehmen, um mal zu sehen, was in dieser Richtung möglich ist. Und wie es mit Norrin Radd weitergeht, werden wir sehen. Ich werde mich sicher weiterentwickeln, aber Weltmusik-Einflüsse werde ich mir wohl verkneifen."
© 01. Dezember 2002  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Dezember 2002

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