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The Soft Boys - Comeback des Jahres

Sie sind wieder da: Robyn Hitchcock, Kimberley Rew, Matthew Seligman und Morris Windsor. Also genau die vier Herren, die vor 22 Jahren das legendäre Soft-Boys-Album "Underwater Moonlight" eingespielt haben, das damals niemand so recht hören wollte, das aber inzwischen ganze Heerscharen von Musikern - von R.E.M. bis zu Grant Lee Phillips - maßgeblich beeinflusst hat. Der Wiederveröffentlichung des Kultalbums letztes Jahr folgte die erste Soft-Boys-Tournee seit zwei Jahrzehnten, doch damit nicht genug. Dieser Tage kommt mit "Nextdoorland" das neue Album der vier Briten in die Läden, eine Platte, die alte musikalische Vorlieben mit gewachsenem musikalischem Können und einem veränderten Bewusstsein der Musiker in großartiger Weise verbindet.
"Es macht jetzt mehr Spaß, in den Soft Boys zu sein, als 1980!" bestätigt Robyn im Gespräch mit der WESTZEIT dann auch folgerichtig."Ich denke, die Dinge sind jetzt viel ausgeglichener. Vor allem Kim und ich bilden jetzt viel mehr ein Team. In den frühen Tagen standen wir an entgegengesetzten Enden und nur die Rhythmusgruppe hielt uns zusammen. Jetzt fühle ich mich Kimberly viel mehr verbunden, wir arbeiten jetzt viel besser zusammen und wir schätzen uns inzwischen auch gegenseitig als Gitarristen. Früher gab es da doch eine große Rivalität. Ich durfte alle Songs schreiben und ich denke, seine Frustration darüber kam in seinem Gitarrenspiel durch. Wir hatten regelrechte 'guitar battles', aber ich habe immer verloren! Er war immer viel lauter als ich! Er hat das einfach drauf. Selbst wenn er auf einem Tennisschläger spielen würde, wäre er noch lauter!" Was "Nextdoorland" - aufgenommen und gemischt in drei Wochen - auszeichnet, ist der frische Sound der Platte. Denn obwohl die Platte natürlich nicht mehr die Vierspur/Garagen-Qualität von "Underwater Moonlight" hat, haben sich die Soft Boys auch mehr als zwanzig Jahre später vor allem auf ihre Fähigkeiten als Live-Musiker verlassen und nicht wochenlang an Sounds und Arrangements gefeilt. "Das Schöne daran, eine echte Band wie die Soft Boys zu haben, ist, dass jeder ganz einfach sein Instrument spielt, und das war's! Du sitzt nicht endlos lange herum und denkst: 'Wirklich netter Song, ob wohl ein Keyboard passen würde, oder vielleicht Tablas oder ein Saxophon?' Manchmal hast du fast schon zu viele Freiheiten, wenn du alleine arbeitest. Dann ist nur das Budget die Grenze, bei den Soft Boys haben wir zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und drei Stimmen. Das ist ganz klar ein Nachfahre der Beatles-Musik. Wir achten zum Beispiel noch heute darauf, dass unsere Gitarren klar getrennt sind. Seit der ersten Soft-Boys-EP kann man mich im linken Lautsprecher hören und Kimberly im rechten, und die Overdubs, von denen es nicht viele gibt, sind in der Mitte." Illusionen über große Plattenverkäufe machen sich Robyn und Co. wie gesagt nicht. Sie wissen zu genau, dass ihr Publikum heute, wie Robyn scherzhaft meinte, "vor allem aus Musikern und Journalisten" besteht und der Charme der Soft Boys nicht zuletzt in der Langlebigkeit der Protagonisten liegt: "Die Leute mögen dich einfach mehr, wenn du schon ein paar Runden um den Block gedreht hast - es sei denn, du bist ein Massenmörder. Aber sogar Richard Nixon wurde letztendlich rehabilitiert!"

Aktuelles Album: "Nextdoorland" (Matador/Beggars Group/Connected)
© 01. Dezember 2002  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld
Dezember 2002

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