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MISSES NEXT MATCH - Nix Fußball, alles auf Musik

Was unterscheidet einen Bass, der wie eine gut gespielte Gitarre klingen soll, von einer Gitarre, die wie ein schlecht gespielter Bass klingt? Im Ergebnis vielleicht nur die Tonlage, exzessiv tief angeordnet oder luftig in großer Höhe. Michael Spormann vom Trio ´Misses Next Match´ und dort zuständiger Texter, Gesangskünstler und Gitarrenarbeiter, weiß, was einen guten Song, der möglichst lange nachwirkt, ausmacht. Die Band nennt sich zwar nach einem Begriff von der Fußballweltmeisterschaft 2006, mit dem die FIFA signalisierte, dass vom Platz gestellte Spieler für das nächste Match gesperrt sind, hat aber mit „Gegen-den-Ball-Tretern“ nichts zu tun. Anstelle des Kickens pflegen Michael Spormann, Manuel Schwiers und Dennis Schnellting die feine Kunst der Tonsetzerei – eigenwillig, witzig, nachdenklich.

Vom Alleingang zur Gruppenarbeit

Fünf Jahre nach dem Debütalbum ´Ob Festzelt oder Großraumdisco´ legt die Hamburger Combo nun ihre zweite Platte vor. Warum ist der zeitliche Abstand zwischen den Produktionen so groß?

„Wir haben zwei Jahre nach dem ersten Album noch viel gespielt und dann drei Jahre damit verbracht, die neue Platte aufzunehmen,“ sagt Michael Spormann. „Dabei haben wir uns keinen Stress gemacht, es passierte einfach so. Der Zeitraum war nicht beabsichtigt.“

Da der Bandname mit Fußball nichts zu tun hat, ist auch der Hamburger SV kein Thema?

„Überhaupt nicht. Und der FC St. Pauli auch nicht.“

Dafür steht die sogenannte Hamburger Schule offensiv im Fokus der Band. „Auf jeden Fall ist sie stilprägend. Beim Frühwerk von Tocotronic war ich derbster Fan, auch Die Sterne interessierten mich sehr. Diese Art zu texten hat mich geprägt.“



Wer noch einen großen Schritt hinter diese Schule zurücktritt, landet bei der ´Neue Deutsche Welle´, wo dem Mainstream abholde Bands wie DAF oder Trio oder Fehlfarben neutönende, spektakuläre Sounds kreierten.

„Wir haben nicht angestrengt danach gesucht, um in dieser Richtung etwas zu machen. Trotzdem war diese Musik ein Thema, dem wir zugehört haben. Aber sie ist uns eigentlich mehr zugefallen, als dass wir absichtlich danach gestrebt hätten.“

Damals, in den achtziger Jahren, machte sich bei einigen Bands anschwellender Minimalismus breit, der auch für ´Misses Next Match´ nicht von der Hand zu weisen ist.

„Ich sage das so: Der Bass fühlt sich an wie eine schlecht gespielte Gitarre, die Gitarre wie ein schlecht gespielter Bass. Die Gitarre begleitet mehr und hackt die Töne ab. Für uns ist das auch ein Stil, der sich einfach so gebildet hat.“

Ein Stück heißt ´Die Ewigkeit ist viel zu lang´. Hat der etwas mit Resignation zu tun?

„Eigentlich gar nicht. Da war es mir wichtig, da ein Paradoxon zu beschreiben, denn im Text heißt es ´Die Ewigkeit ist viel zu lang besonders gegen Ende hin´. So ist das gesamte Lied eigentlich in Paradoxen geschrieben: Je mehr sich etwas verändert, je mehr bleibt es das Gleiche. Resignation würde ich nicht sagen sondern es hatte ehr sportliche Ambitionen, diesen Text zu schreiben.“

Die Texte, die Michael Spormann für die Band schreibt, bestehen aus Beobachtungen und Alltagsreflexionen.

„Vielleicht sechzig Prozent Kneipe,“ benennt er die Inspirationsquelle, „der Rest sind eben diese Alltagsgeschichten, die auffallen. Es ist aber selten, dass ich die Texte von oben nach unter herunter schreibe. Es kann gut schon einmal einen Monat dauern, bis ich Textzeilen zusammen gesetzt habe.“

Dass ein Musiker heutiger Generation gerne Gedichte auswendig lernt, darf man als Novum bezeichnet werden.

„Das ist von je her schon so. Wir wollten eigentlich eine komplette Platte mit Gedichten machen, mit Wilhelm Busch und Heinz Erhardt. Die Musik hat mit dem Gedicht so gut gepasst, dass wir dieses sehr schöne Gedicht 'Kleines Solo' mit auf die Platte genommen haben.“

Musik bringt jedes Triomitglied mit, die Songs werden daraus nach und nach zusammen gebaut. Und wenn die Seele Wandertag hat, wie ein weiterer Song heißt, wandert sie aus der Kneipe, wo die Quelle der Erfahrungen und Beobachtungen liegt, einfach nach Hause...

Aktuelles Album: Für Leute Die Schon Alles Haben (Broken Silence Records)
© 01. Juni 2014  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Juni 2014

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