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BOB MOULD - Einer gegen Alle

Über seinen Status als Legende eines ganzen Genres braucht sich Bob Mould keine Gedanken mehr machen. Mit seinen Bands Hüsker Dü und Sugar bestimmte vor drei Dekaden quasi im Alleingang was als Alternative bezeichnet werden darf und was nicht. Dem eigenen Anspruch gerecht zu werden, will er indes weiterhin und veröffentlicht mit ´Beauty & Ruin´ ein Album, auf dem Mould nicht nur zeigt, wo er herkommt, sondern auch in welche Richtung er will: „Ich habe mir im letzten Jahrzehnt allerhand Experimente erlaubt und fand das vollkommen okay. Bei den neuen Songs entstand allerdings gleich zu Beginn das Gefühl, es in gewisser Weise klassisch angehen zu wollen“, erklärt er und betont, dass die große Gefahr der Wiederholung und des Diensts nach Vorschrift ihm durchaus bewusst war.

Es hätte so schön gepasst: Pixies kehren zurück, The Afghan Whigs vertragen sich und Hüsker Dü lassen die gemeinsame Vergangenheit als frisch gefundene Gegenwart aufleben. Alle Alternative-Institutionen der späten Achtziger Jahre hätten sich damit wieder zusammengefunden und doch klingt diese Vorstellung für Bob Mould romantischer als sie ist:

„Du kannst nicht einfach eine Reunion ohne klaren Plan starten und was ich damals gesagt habe, hat weiterhin Bedeutung: Entweder richtig oder gar nicht. Vollkommen ausschließen möchte ich es nicht mehr, aber sich dem Namen Hüsker Dü bedienen und ohne die alten Kollegen zurückzukehren, ergibt keinen Sinn.“

Wie solche Comebacks mit nur dem ehemaligen Frontmann einer Band aussehen können, haben zuletzt u.a. The Smashing Pumpkins gezeigt und sind nicht wirklich auf offene Ohren gestoßen. Bob Mould weiß um die Tatsache der Originalität und setzt lieber seine Solokarriere fort, anstatt sich in irgendwelchen Halbwahrheiten zu verlieren.

´Beauty & Ruin´ heißt das neue Album und klingt kraftvoller als vieles, was wir vom ihm in den vergangenen Jahren vernehmen konnten:

„Die letzten Platten hatten immer gewisse Verschnaufpausen um Luft zu holen – dieses Mal sollte jeder Song für sich stehen und keiner dabei sein, der es nicht alleine schafft.“

Erklärt ein gut aufgelegter Bob Mould, dem die angebliche Unfreundlichkeit Journalisten gegenüber zu keinem Moment anzumerken ist – „dieser Eindruck stammt noch aus den Achtziger Jahren. Du darfst die politische Landschaft nicht vergessen: Ich war ein schwuler Frontmann, der sich mit seiner Band gegen das Establishment auflehnte.“

„Mit Ronald Reagan gab es einen Republikaner als Präsidenten und da wirkst du wie ein Querulant, wenn gleich eines deiner ersten Releases Soldatengräber abbildet.“

Ob er das Gefühl habe, dass der Underground damals stark von der konservativen Politkultur profitiert habe, fragt man Mould zögerlich: „Möchte ich nicht unterschreiben, aber viele der heute als ‚wichtige Vertreter des Rock‘ bezeichneten Bands kamen ans Tageslicht, als Republikaner Präsidenten waren – wir unter Reagan, Nirvana unter Bush Senior.“

Und was beeinflusst und interessiert den Songwriter Bob Mould abseits der Politik? „Ich war immer ein Außenseiter, nicht nur wegen meiner sexuellen Ausrichtung. Inzwischen sind die Lebensjahre hinzugekommen und je älter man wird, desto mehr verlagern sich die Dinge ins Private.“

´Beauty & Ruin´ deswegen als Tagebucheintrag zu bezeichnen, liege ihm aber fern, wie er hinzufügt. Vielmehr zeigen die Songs, dass es Mould nicht mehr um das große Ganze geht, sondern er bewusst die Perspektive des Einzelnen einnimmt – der natürlich genau so die Chance hat alles zu verändern, aber eben auch scheitern kann.

„Ich will mich nicht beschweren, die Experimente, die ich mir musikalisch geleistet habe, waren für viele schwere Kost – wenn ein Gitarrentyp plötzlich Elektro macht. All das lässt ‚Beauty & Ruin‘ ein stückweit hinter sich und daher freuen mich die ersten Reaktionen, die es von der Qualität her zu schätzen wissen.“

Deswegen wohl auch gerne die Reunion seiner ehemaligen Band sehen würden, gerade weil es so gut ins Comeback-Jahr 2014 passt. Ein anderes Mal vielleicht, lacht Bob Mould zur Verabschiedung und braucht sich keine Sorgen machen: In seinem Alter noch solch jugendlichen Elan zu besitzen, dass soll ihm erst einmal jemand nach machen.

„Beauty & Ruin´ hält sich in keinen Belangen zurück, es unterstreicht den Status des ehemaligen Vorstehers einer der wichtigsten Gitarrenbands der letzten dreißig Jahre doppelt, ja fast dreifach gut.

Aktuelles Album: Beauty & Ruin (Merge / Cargo)
© 01. Juni 2014  WESTZEIT ||| Text: Marcus Willfroth
Juni 2014

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