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PHI - Rohe Kraft und tiefe Emotion

Phi ist nicht nur der 21. Buchstabe des griechischen Alphabets, sondern auch der Name einer österreichischen Progressive-Rock-Formation. Ein Trio, um genau zu sein. Doch an ein Trio will man bei diesem Klangreichtum nicht wirklich glauben.

Kleines Großkunstwerk

Und irgendwie gewinnt man beim Hören immer den Eindruck, in de Musik schwingt noch mehr mit als nur die puren Noten. „Das stimmt schon und hat einen recht einfachen Grund“, erklärt Sänger, Gitarrist und Samplekünstler Markus Bratusa, „wir sind eben nicht nur von Musikern beeinflusst, sondern auch von diversen anderen Künstlern. Ich selbst beziehe mich da vor allem auf Franz Kafka, wenn es um Literatur geht oder auf Lars von Trier, David Lynch oder Ingmar Bergmann, wenn es um Filmisches geht.“

Diese Einflüsse zusammengenommen könnte auch eine gute Erklärung dafür sein, dass im Klangkosmos von Phi rohe Kraft und tiefe Emotion so viel Raum erhält. Jedoch gibt es auch musikalisch Einflussgrößen, die Kraft und Emotion unterfüttern; denn auch Progressive-Rock ist nicht Progressive-Rock.

„Der erste musikalische Markstein wurde erstaunlicherweise in der Schule gesetzt“, fährt Markus Bratusa fort, „und zwar, als uns der Musikerlehrer das Live-Album ‚Pulse’ von Pink Floyd vorgespielt hat. Das war ein riesiges Aha-Erlebnis. Ich hab das erste Mal Musik physisch gespürt. So durch und durch. Dann habe ich mich in diese Art von Musik immer weiter reingefuchst und war bereits im Teenageralter ein Progressive-Rock-Nerd. Da konnten auch die 2006 gegründeten Phi eigentlich schon keinen anderen Weg mehr einschlagen.“

Zwei Alben plus eine EP stehen längst bei den Plattenhändlern im Regal, als Phi mit der Arbeit am aktuellen Album ´Now The Waves Of Sound Remain´ beginnen. Plötzlich stehen sie ohne Schlagzeuger da und müssen das Konzept ändern. Allerdings nur bedingt; denn ist es kein Geheimnis, dass die emotionale Vision und die Grundideen meist von Markus Bratusa stammen.

„Also haben wir als Duo statt im Proberaum die ersten Ideen zu Hause am Reißbrett, als am Rechner skizziert“, beschreibt der Gitarrist die veränderte Situation. Auch als der neue Schlagzeuger Gabe Cresnar mit von der Partie war, spielte der Proberaum nur noch eine untergeordnete Rolle. Zumindest für diese Platte.

„Wir waren einfach zu weit vorangeschritten mit dem Stückeschreiben“, sagt Markus Bratusa, „doch ganz ohne kreativen Input durch Gabe Cresnar blieb ‚Now The Waves Of Sound Remain’ dann doch nicht.“

Spannend ist jedoch, dass das Phi-Duo ein altes Wissen des Komponierens wiederentdeckt und für sich nutzbar gemacht hat.

„Eigentlich wussten wir es natürlich - zumindest im Unterbewusstsein. Aber diesmal wurde dieses Wissen aus dem Unterbewusstsein wieder ins Bewusstsein gespült. Und so kamen gute Nummern bei uns schneller zustande, wenn wir bei der Entstehung möglichst wenig nachdenken mussten“, resümiert Markus Bratusa.



Komplexe Harmonien

Es ist in Sachen Progressive Rock ja nicht so verwunderlich, dass die Stücke voll gepackt sind mit allem Möglichen und manchmal sind sie auch komplett überladen - nicht so bei Phi. Auch bei ihnen gibt es versteckte Klangmuster oder haushohe Klangschichten. Doch Phi folgen dabei einem besonderen Plan.

„Wir hatten für ´Now The Waves Of Sound Remain´ die Absicht, die Lieder so klingen zu lassen, dass sie beim ersten Hören eher simpel daherkommen, aber doch bereits so viel Widerhaken in den Gehörgängen ausfahren, dass Lust auf Wiederhören geweckt wird“, macht Markus Bratusa deutlich. Und das ist Phi geradezu vorbildlich gelungen. Harmonisch sind die Nummern auf dem Album ganz schön kompliziert, aber so gebündelt, dass die Komplexität nicht gleich verschreckt. Vielmehr reizt sie, sich den kleinen versteckten Türchen in den Stücken zu nähern, sie aufzustoßen und dahinter eine weitere überraschende tonale Welt zu entdecken. Und mindestens ein weiteres Türchen. Dieser Art von Verführung ist wohl auch Masteringkünstler Jon Astley erlegen. Er, der schon Led Zeppelin-, The Who- oder Anathema-Material masterte, hörte das per E-Mail versandte Rohmaterial durch und sagte spontan zu. Auch dieser Schliff ist unüberhörbar.

Aktuelles Album: Now The Waves Of Sound Remain (Gentle Art Of Music / Soulfood)
© 01. November 2014  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
November 2014

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