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SWISS & DIE ANDERN - Ramponiert in den Untergang

In der Schule ist er immer etwas abschätzig, der Schweizer. Der Sohn eines schweizerischen Schauspielers und einer deutschen Regisseurin nimmts als Ehrerbietung und nennt sich später als Musiker schlicht SWISS.

Rap hat mich limitiert

Erst wird er vom Rap gefressen und weil er so lautstark auf die Kacke haut, wird er auch schon mal als der Bushido von Hamburg apostrophiert. Da bringt ihm viel Aufmerksamkeit, aber auch die Falsche.

„Ich will nicht protestieren um des Protestes Willen, ich will etwas wirksam sagen“, darauf wiest SWISS mit Nachdruck hin, „auch geht mir da immer mehr die notwendige Haltung verloren und es wird nur noch über Geld geredet. Rap hat mich auf Dauer auch kreativ limitiert.“

SWISS macht sich auf der Suche nach musikalischen Mittätern und hebt nach langwieriger Suche mit Die Andern seine Band aus der Taufe.

„Ich arbeitete eine zeitlang mit einem Live-Schlagzeuger, der hat dann irgendwann ein paar musikalische Freunde - einen Gitarristen und Basser- mitgebracht und das wars dann - die Band stand“, lässt SWISS verlauten. Mit neuer Formation geht es für SWISS ab ins punkige Fahrwasser, ohne seine Rap-Herkunft völlig zu verleugnen.

„Durch die Veränderung meiner musikalischen Ausrichtung kommen auch die Klangwurzeln meiner Kindheit wieder mehr zum Tragen“, erzählt SWISS, „ich will da nur ‚Wenn die Nacht am tiefsten ist’ von Ton Steine Scherben oder Bertolt Brecht und Kurt Weills ‚Die Dreigroschenoper’ nennen.“

Auch musikalisch gewandelt bleibt er gewohnt lautstark.



Kein gewollter Muckerkram

Und wie kommt einer, wie SWISS zu seinen Liedern?

„Ich kann mich nicht hinsetzen und einfach so ein Lied schrieben, so auf die disziplinierte, preußische Art“, erklärt SWISS, „die besten Stücke schreibe ich, wenn es mir schlecht und dreckig geht. Dann aber, wenn sich der Widerhaken, an dem ich mich dann abarbeite in meinem Hirn festgesetzt hat, dann geht alles verdammt schnell.“

Heraus kommen gut erzählte Geschichten, die den Hörer auf eine Reise mitnehmen. Die Band Die Andern sind im Verbund mit SWISS hörbar kein Egotrip-Verein. Auch wollen sie keinen gewollten Muckerkram unter die Leute bringen. In seinen angesprochenen Geschichten erzählt SWISS von den Ramponierten dieser kommerziellen Wahnwelt, die seiner Meinung nach langfristig eh dem Untergang geweiht ist.

„Diese drohende Apokalypse ist das Resultat von Kapitalismus, Ungleichheit, Krieg und Umweltverschmutzung“, bekräftigt der Hamburger Musiker und sucht das Heil in Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit, „das wird den Untergang nicht wirklich verhindern, aber in der Begleitung von harten Gitarrenriffs, markanten Schlagzeug-Rhythmen, bauchmassierendem Bassgegrolle und geilen Texten geht es sich leichter ihm entgegen. Ich will eine Gegenkultur schaffen. Ich damit etwas machen, was bleibt, so lange es Menschen gibt.“

Die nun vorliegende EP „Schwarz Rot Braun“ gibt mit fünf Titel darüber Auskunft, wie das im Frühjahr kommende Album wohl ausfallen könnte. Bevor es Anfang des Jahres auf die „Grosse Freiheit“-Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz geht, kann der geneigte Fan SWISS+Die Andern im Vorprogramm der wunderbaren J.B.O. bewundern.

Aktuelles Album: Schwarz Rot Braun (EP) (Missglückte Welt / Soulfood)
© 01. Oktober 2014  WESTZEIT
Oktober 2014

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