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BEATSTEAKS - Neuer kreativer Aufbruch

Stippvisiten im Westen gab es ja schon, im Kölner Gloria und im Dortmunder FZW. Aber sie kommen wieder - die Beatsteaks. Die Beatsteaks touren wieder, haben auch eine neue Platte am Start. Also haben sie wieder was zu sagen? Und es hat wild gebrodelt in ihren Hirnen?!

Fresse halten oder ordentlich

was sagen

„Wenn nichts brodelt hast du keine Ideen und wenn du keine Ideen hast, solltest du tunlichst keine Platte machen“, stellt Lead-Gitarrist Bernd Kurtzke unmissverständlich klar. „Im Klartext heißt das, Fresse halten oder ordentlich was zu sagen haben“, fügt Arnim Teutoburg-Weiß an. Und dann war da ja noch der Unfall von Schlagzeuger Thomas Götz. Nachdem er zurück und genesen ist, redet er ja auch darüber. „Ich bin ganz unspektakulär eine Wendeltreppe runtergefallen und habe mich dabei ganz böse auf´s Maul gelegt. So dass der Schädel und alle Knochen auf der rechten Seite brachen.“

Das hätte üble Verzögerung bedeuten können. Aber auch er war wieder frisch, fromm, fröhlich und frei mit an Bord. Und trommelte. Das ist dann im Vorfeld der Moment, ab dem nicht mehr geredet wird, sondern einzelne Bandmitglieder mit ersten Demos aus dem Quark kommen. Und auch mal mit fertigen Stücken. Die Beatsteaks sind eine Band, die höchst kritikfähig ist und die das Wort beratungsresistent schlichtweg nicht kennt.

„Wir fragen uns und andere aus dem Umfeld, wie etwa unseren Produzenten Moses Schneider, immer wieder, ob wir alles richtig machen“, sagt Bernd Kurtzke, „schließlich hat gesunder Zweifel in der Kunst noch niemandem geschadet.“

Deshalb bleibt bei den Beatsteaks selten etwas, wie es war.

„Selbst wenn wir solch ein fertig mitgebrachtes Lied spielen, spielen wir es natürlich nicht so“, lässt Thomas Götz verlauten, „ich trommle nicht so, wie auf dem Demo und Arnim singt nicht so, wie die Fake-Stimme auf dem Demo. Und auch die anderen liefern im Spiel ihre ureigene Interpretation des Demos. So jagt ein überraschender Moment den nächsten. Es wird so lange interpretiert, bis alle glücklich grinsen und die Emotionen in die gleiche Richtung gehen.“

‚Pass The Message’ ist beispielsweise ein Stück, das diesen Entwicklungsweg hinter sich hat. Wenn es schließlich gelingt, diesen magischen Moment genau so auf Platte zu bannen, dann ist es das Werk von Moses Schneider, weil er nicht einzeln, sondern im Zusammenspiel und quasi live aufnimmt. Im Zusammenhang mit der Platte, die schlicht den Titel ´Beatsteaks´ trägt, gibt es die Grinsebackensituation insgesamt 44 Mal: elf mal, als die Stücke aufgenommen werden, elf Mal, als der Gesang steht, dann noch elf Mal nach dem Mixen und last not least wieder elf Mal nach dem Mastern.

„Hinzu kam, dass wir diesmal richtig gut drauf waren beim Arbeiten“, fährt der Schlagzeuger fort, „für Sachen, für die wir sonst locker ein Jahr brauchen, für ‚Boombox’ etwa, die haben wir diesmal in sechs Monaten erledigt. Vielleicht war die Muse diesmal wirklich mit den Fleißigen, wie es Armins Vater immer zu sagen pflegte.“

Doch live geht es, trotz aller auf die Platte gebannte Energie, noch ganz anders ab.

„Es will doch niemand, dass eine Band live dem Publikum in allen Einzelheiten ihre neue Platte vorspielt“, bekennt sich Thomas Götz zu den Liveveränderungen, „aber dennoch geht es bei uns ja nicht so zu, wie bei Bob Dylan, wo im Publikum ein lustiges Stückeraten losgeht.”

Im Grunde sind ja alle Stücke von den fünf Beatsteaks-Musikern eingespielt worden, es gibt kaum Overdubs. Dennoch, eine Platte ist ja nicht mehr als eine Momentaufnahme. Und mit dem Abschluss der Studioarbeit hört die Entwicklung eines Stückes ja nicht auf. Es lebt live anders weiter.

„Was für eine gute Liveshow aber auch wichtig ist, ist die Tatsache, dass sich die Kommunikationsebenen, die zweifelsohne zwischen den Musikern funktionieren müssen, in eine weitere Dimension und zwar in Richtung des Publikums öffnen müssen“, sagt Torsten Scholz, „und dabei ein solches Geben und Nehmen stattfindet, dass jedes Konzert zu einem Unikat wird.“

Aktuelles Album: Beatsteaks (Warner Music)
© 01. November 2014  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
November 2014

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