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P:LOT - Überzeugungstäter

P:lot existieren seit 1997, jedoch eher als Studioprojekt von Alexander Freund (voc/g/synth) und Andreas Kaufmann (bs/voc/synth). Als Ende 2002 Ben Argandona als fester Schlagzeuger dazukommt, entwickelt sich P:lot zur echten Band. Die drei Kölner sind musikalische Überzeugungstäter und Gesamtkunstwerker. Differenzierter Rock und deutsche Texte werden angeboten. Dazu macht Alexander Freund im Westzeit-Gespräch ein paar klare, konzeptionelle Ansagen.

Da mit „Mein Name ist“ bereits das zweite Album vorliegt, muss sich dahinter bereits Bandgeschichte verstecken?

„Die erste Platte haben wir 2004 auf dem Label des Toten-Hosen-Schlagzeugers Wölli veröffentlicht. Produziert hat Uwe Sabirowsky, der früher die ganzen Beatsteaks-Platten machte. Wir sind wild getourt und haben auch die eine oder andere Scheibe verkauft.“

... dann aber musste eine zweite Platte her?

„Nach dieser relativ aufregenden Zeit haben wir die neue Produktion „Mein Name ist“ völlig losgelöst von den Strukturen der ersten CD gemacht. Nicht weil wir zerstritten waren. Wir wollten uns künstlerisch klarer positionieren.“

Ein Anliegen der neuen Platte ist, ich zitiere mal genüsslich, „subversive Bewusstseinserweitung.“

„(lacht sich halb tot) ... man macht einerseits Musik, um sich selber zu verwirklichen, aber wir machen es auch, um andere Leute zu erreichen. Was beim ersten Album noch zu kurz kam, war das Persönliche, die ganz authentische Note, die nur über eine gewisse Kompromisslosigkeit erreicht werden kann. Subversiv ist, dass wir definitiv machen, was uns gerade in den Sinn kommt. Das folgt keinerlei Marktgesetzten und niemand hat uns gesagt, das der Text mehr in diese oder mehr in jene Richtung zu gehen habe ...“

... subversiv hat auch etwas Hintergründiges. Was bedeutet das in eurem Fall?

„Es ist wichtig, bei dem was wir machen, ein zweites Ohr reinzuwerfen. Manche Türen unseres Schaffens öffnen sich nicht beim ersten Hören. Subversives wirkt langsam, aber unaufhörlich.“

Ihr habt auch ordentlich Seelenstriptease betrieben?

„(zögert) ... ähja, alles andere macht für mich als Musiker auch keinen Sinn. Ich will keine Musik mehr hören, die schon im Ansatz unpersönlich ist, geschweige denn selber welche machen. Es gibt doch schon genug aufgesetzte, affektierte Platten. Oft wollen die Künstler bloß nicht in Gefahr kommt, das jemand sagen kann, „Mensch, so bist Du?“ Ich will mich weder hinter einer Melodie, einem Text, einem Image oder sonst was verstecken.

Um das alles tun zu können, habt ihr Autos verkauft, Kredite aufgenommen und preiswertere Wohnungen bezogen. Ist das Wahrheit oder eine schöne Legende?

„Definitiv, das war so.“

Du hast deutliche Ansprüche an euer Werk formuliert? Ist bei eurer Arbeit das herausgekommen, was ihr machen wolltet?

„Ja, jede Spur, die auf dem Album ist, haben wir in unserem Kellerstudio genauso gemacht, wie sie zu hören ist. Ich kann eindeutig sagen, dass was ich da höre, gefällt mir.“

Bei der Kompromisslosigkeit, mit der ihr zu Werke geht, sind die deutschen Texte letztendlich auch konsequent, ...

„Deutsch ist nun mal unsere Sprache. Es ging bei der Platte darum, festzustellen, was und wer man wirklich ist und da kann Sprache nicht außen vor bleiben. Also haben wir etwas gemacht, was nur aus unserem deutschen Sprachgeist heraus auch denkbar ist.“

Wie vollzieht sich die Arbeit an euren Stücken?

„Dadurch, das wir unmittelbar beim Proben aufnehmen, entstehen die Ideen immer in direktem Zusammenhang mit den Aufnahmen. Nicht immer wird daraus gleich ein Stück, vieles wandert in ein akustisches Skizzenbuch und wird später mit anderen Schnipseln zu einem Song. Wobei das Stückwerk immer musikalischer Natur ist. Der Text kommt erst, wenn es die klangliche Basis bereits gibt.“

Nach allem, was du gesagt hast, kann das vorliegende Album nur eine Momentaufnahme der jeweiligen Befindlichkeit darstellen?

„Dieses Album dokumentiert lediglich einen Schritt. Aber genau in diesem Schritt liegen die Authenzität und die von mir eingeforderte Ehrlichkeit.“

Im Bandnamen habt ihr das „i“ von Pilot durch einen Doppelpunkt ersetzt. Eine Spielerei oder was steckt dahinter?

„Es geht darum, sich wegzubewegen von dem tatsächlichen Wortsinn von Pilot. Wenn man die Bedeutung nimmt, dass ein Pilot durchs Leben steuert, dann ist ein Bezug zu dem, was wir tun durchaus gegeben.“

Schnell gelesen kann aus dem P:lot auch Plot werden ...

„...das hatten wir nicht im Kopf, aber der Wortsinn der Ideenskizze, der Übersicht gefällt mir gut.“

Danke für dieses aufschlussreiche Gespräch.

Aktuelles Album: Mein Name ist (P:LOT / Soulfood)
© 01. August 2008  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
August 2008

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