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QUARKS - Elementarteilchen im Sonyversum

Seit der legendären Tapetensingle, Debut zugleich für die Quarks und das Label Monika, bin ich der nur vermeintlich niedlichen Klangwelt der Berliner verfallen. Als es nun hiess, ein neues Album sei beinahe fertig, wartete ich ungeduldig auf Monika-Post und bekam ein UPS-Paket von Home Rec. (Sony). Das war Überraschung Nr. 1, das Artwork der Promo-CD dann Nr.2 und das erste Durchhören machte die Verwirrung komplett. Also schnell einen Phonertermin mit Jovanka von Willsdorf absprechen und einige Vorurteile prüfen:
JvW ist eine wunderbare Interviewpartnerin, denn weil sie voller Leidenschaft und Begeisterung für ihr jeweiliges Hier und Jetzt ist, sind intensive Reaktionen programmiert. Gerade, wenn man sie mit den Business-Stereotypen konfrontiert. Die z.T. englischen Texte, die straightere, weniger verspielte Musik, das ostentative Hervorheben von Privatheiten im Presseinfo, das körperbetonte artwork - alles auf Druck des Majors?! Seelenverkauf - Kohle statt Wahrhaftigkeit?! Natürlich alles nicht war, ganz anders und überhaupt: "Es ist Quarks, weil wir es sind! Man muss nicht autobiografisch sprechen, um persönlich zu sprechen. Man muss nicht Allgemeinplätze belegen, um die Wahrheit zu sagen. Es gibt so viele Unterschiede. Es gibt einen Unterschied zwischen persönlich und privat. Es kann irgendwas autobiografisches mich triggern, es muss ja durch mich durch, damit es Quarks wird." Und: "Da bin ich sehr gespannt, was du dann zum richtigen Cover sagst; denn das ist nun so'n richtiges Angeberteil. Mit zwei dicken booklets, sieht auch noch viel hübscher aus." Allerdings.

Was sagt denn Monika dazu, dass ihr jetzt bei Orbit bzw. Home seid?

Die respektieren das in jedem Fall. Monika hat Quarks sehr geholfen mit der ersten Platte. Und ich glaub, wir haben auch einiges für das Label getan. Nur der Vertrag war ausgelaufen. Aber für Gudrun (Gut - Monika-Chefin.) und uns war klar, dass wir so nicht weiter arbeiten können. Wir waren füreinander nicht mehr fruchtbar an diesem Punkt. Wir haben das Glück, das wir von den Leuten, mit denen wir bei Home direkt arbeiten, verstanden werden. Es hat alles seine Vor- und Nachteile.

Man soll sich ja an Musik auch mal reiben können. Eine weitere Klickerklacker-Wohnzimmer-Platte wäre sicher nett, aber vielleicht auch langweilig geworden.

Es geht immer darum, sich weiter zu entwickeln, besser zu werden. Ich will die beste Jovanka werden. Bei "zu Hause" war die grösste Herausforderung für uns, alles, was wir gelernt haben, wegzuschmeissen und ganz dicht und klein zu sein. Bei "Königin" waren es viel mehr Töne, die du hörst. Und das war insofern ein Schritt nach vorne. Dieses Mal war der Ansatz, zu sagen: Die ganze Frage "Was ist Quarks" - weg! Weil es Quarks sein wird, weil wir es sind. Und jetzt war die Herausforderung, sich das wirklich zu trauen.

Hat sich die Quarksmusik auch durch neues equipment verändert?

Gut, wir haben mit Logic statt mit Atari Qbase gearbeitet. Das war der Unterschied. Ansonsten waren's die gleichen alten kaputten Keyboards. Zwei, drei mussten gehen und es sind neue gekommen, aber unsere "Charakterdarsteller" sind nach wie vor dabei. Aber eine Sache steht in jedem Fall auf der Liste für die nächste Platte: "Weniger Zeit am Rechner! Mehr Zeit am Instrument!" Denn das ist, was mich froh macht. Musizieren. Wenn wir anfangen, an einem Stück zu arbeiten, wirklich zusammen spielen, Singen, Musik machen. Und Sachen werden dadurch, dass wir sie jetzt spielen, auch wieder körperlich. Es geht auch live darum, die Wahrheit zu sagen! Die Töne treffen kann ich immer, aber der Moment, ob jemand die Tränen in die Augen kriegt bei "Herz bricht", oder nicht - ist der Unterschied, ob ich es wirklich mein'. Da muss man aber erst mal hin! Das ist gar nicht so leicht, denn es bedeutet auch, dass du auf der Bühne das Fenster wieder aufmachen musst dahin. Das ist schön, aber manchmal auch "au!".

Vieles mehr hat JvW mit Verve und auch mit Professionalität zu vermitteln versucht in diesem Telefonat. Aber noch besser gelingt es den Quarks-Songs, die Botschaft zu verbreiten. Also: Unbedingt live ansehen!
© 01. Oktober 2002  WESTZEIT ||| Text: Karsten Zimalla
Oktober 2002

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