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JJ72 - Über den Wolken...

...ganz oben, wo die Geister toben...muß die Freiheit wohl grenzenlos sein. Oder das Ozonloch sorgt für eine gediegene Bräune. Diese Aussage hat keine politische Motivation. Die Musik des aufstrebenden irischen Trios ebenfalls nicht. Auf ihrem neuem Album "I To Sky" singen sie begeistert über Religion und dergleichen.

Womit sie wahrlich nicht die ersten Musiker wären, die damit kokettieren. "I Saw A Prayer" heißt ein Song. Weitere sind mit "Serpent Sky" und "Always And Forever" betitelt. Himmlisch auch das Antlitz von Bassistin Hilary Woods, etwas bewölkter die Erscheinung von Drummer Fergal Matthews. Sonnig das Gemüt von Mark Greaney, dem Gitarristen, Sänger, Songwriter und `Sprachrohr´ von JJ 72. "Viele Songs basieren auf religiösen Themen, was sehr wichtig für mich ist. Musik und Religion - beides steht mir nahe, beides hängt damit zusammen, woran du glaubst. Viele Leute hüten sich davor, darüber zu schreiben. Aber die Religion hat jeder Epoche ihren Stempel aufgedrückt. Meine Texte sind für jedermann, religiöser Einfluß steht nicht nur für Katholizismus." Weise Worte für einen Menschen, der, wie auch seine Rhythm-Sektion, den Beginn der 80er Jahre noch in den Windeln erlebte. "Das Klischee entspricht der Wahrheit. Musik hilft! Natürlich kann Rockmusik keine Probleme lösen, aber sie hilft bei der Konfrontation damit." In die luftigen Höhen der Charts werden JJ 72 mit ihrem Gitarren-Pop nicht so schnell aufsteigen. "Wir haben kein großes Interesse an Singles. Ich wollte immer große Alben veröffentlichen. Singles können kein Album repräsentieren, weil das übrige Songmaterial vielschichtiger ist. Ich höre keine Mix-Tapes. Ich mag Alben, sie sollten sein wie eine Oper. Hörbar von Anfang bis Ende. Nimm nur die brillianten Werke von Joy Division. Man kann einfach nichts hervorheben." Kurz zuvor hatte sich der junge Mann allerdings dazu bekannt, den Titel "Sinking" auf dem neuem, zweiten Longplayer der Band zu favorisieren. Egal, böse Menschen haben gar keine Lieder (alte, dem Volksmund entsprungene Weisheit). Und auf der Bühne sind JJ 72 wirklich grenzenlos begeisternd. Das bewiesen sie in Deutschland im letzten Jahr im kleinem Hamburger `Logo´ ebenso wie vor 5000 Menschen auf dem Haldern-Festival, vor 40000 Leuten in Scheeßel beim `Hurricane´. "Unser Konzert im Logo gefiel mir wirklich gut, obwohl es sehr heiß war dort. Den für mich besten Gig gaben wir jedoch in Dublin. Wir spielten dort vor Fans bei einem Wettbewerb. Gänsehaut..., ich weiß nicht, warum. Hier habe ich erstmals realisiert, das meine Worte, die ich singe, anderen Leuten helfen. Stark! Es war wirklich das erste Mal, daß ich 100%ig an das glaubte, was ich tue." Sollen sich keine bösen Wolken am Horizont erzeugen, muß der Mensch den eigenen natürlich stetig erweitern. "Ich hoffe, wir entwickeln uns in einem natürlichem Prozeß weiter. Sollte der Wunsch nach Veränderung zum Zwang werden, kann es den Tod einer Band bedeuten." Noch stagnieren die Ideen nicht. Im Gegensatz zum 2000er Debut-Album gibt es auf "I To Sky", im Intro von "City", sogar ein kurzes Techno-Intermezzo. "Ich liebe Drumcomputer. Warum, kann ich nicht sagen - aber sie sind in meinem Kopf!" Produziert wurde das neue Epos von Flood, der diese Tätigkeit bereits für Depeche Mode und U2 ausübte. "Wir leben in London in seiner Nachbarschaft, außerdem schätze ich seine Arbeiten mit den Smashing Pumpkins und den Nine Inch Nails sehr." Aber die, für Mark Greaney, bedeutendste aktuelle Formation ist Coldplay. "Die sind wirklich wichtig!" Fürwahr. Beten wir mit Asterix (frz. Comic-Held), daß ihnen nicht der Himmel auf den Kopf fällt!

Aktuelles Album: I To Sky (Lakota / Sony)
© 01. Oktober 2002  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
Oktober 2002

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