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KNOCK-OUT RECORDS - von datensicherung und kleinlastwagenfahrern

Dirk "Mosh" Hamann ist Fan. Durch und durch. Und sein aus der Liebe zum Punkrock entstandenes Label Knock-Out Records hat seinen festen Platz am Markt. Neben einem gut sortierten Mailorderangebot besticht das Labelprogramm vor allem durch regelmäßige Vinylauflagen. Nicht ohne Grund...

Angefangen hat alles 1982. Mosh, 68er Baujahr, zog es regelmäßig aus seinem Heimatkaff Kaarst via Bus und Bahn in die Stadt – Düsseldorf lag nahe und versorgte mit genügend Szene und Live-Musik. "Ich bin immer zum Hofgarten, irgendwo dahinter lag das "Pure Freude", wo ich meine ersten Punk-Scheiben gekauft habe: Pagans, Channel 3,... Mein erstes Konzert war im gleichen Jahr, Die Toten Hosen im OkieDokie, Vorband Jim Knopf und die wilde 13. Da standen noch zwei hübsche Mädels vor der Tür und hatten Tabletts mit eisgekühlten Bommerlunder-Pinnekes angeboten. Das war auch das erste und einzige Konzert, wo ich von meinen Eltern abgeholt worden bin." Als neben Düsseldorf sich noch Duisburg als Treffpunkt einstellte, wurde Punk langsam aber sicher zum Mittelpunkt. "Die NDW hat mich überhaupt nicht berührt. Ideal fand ich immer gut. Und Fehlfarben und Family*5. Ansonsten habe ich mich für deutsche Musik nicht wirklich interessiert. Auch im Bereich Punk nicht, außer Slime. Zu der Zeit wurde der Punk hier auch verwässert. Ich habe mich immer nach Amiland orientiert. England stand immer an zweiter Stelle." Im April 1989 wurde dann sein Label geboren. „Ich habe mir gedacht, nicht immer nur zu konsumieren, sondern auch mal was zu machen. So wie z.B. unsere zweite Veröffentlichung, die Brillo‘s Only Ones live in der Tannenhöhe (Krefeld). Diese vier Coversongs habe ich knallvoll mit nem Aiwa-Walkman einfach im Raum aufgenommen.“ Old School halt. Womit wir nahtlos zum Steckenpferd Vinyl kommen. "Vinyl ist in der Szene recht gerne gesehen, ist halt der Klassiker. Es gibt eine Menge Leute, die auf Vinyl warten, wenn sie wissen, dass eine Scheibe auf CD und Vinyl erscheint. Ich mach sehr gerne Vinyl, weil: es ist ja eine Schallplattenfirma!“
Zum leidigen Thema CD-Brennerei: Ist das in der Punk-Szene auch gebräuchlich? „Das merke ich vor allem auf Parties. Da heißt das aber nicht „eine gebrannte CD“, sondern „Datensicherung“! Einerseits kann ich das den Leuten nicht verdenken, wenn sie keine Sammler sind und sie die Originale nicht interessieren und statt dessen einmal ihr Auto volltanken, was dem Neuwert von 3 CD‘s entspricht. Leider verstehen viele Leute nicht, dass sie damit den Labels und Bands die Existenz abgraben. Schon klar, dass Bands, die dann vor 200-400 Leuten spielen, sich fragen, warum sie so viele Platten verkaufen, wie sie nun mal verkaufen. Darum legen wir bei unseren Produkten Wert auf eine hochwertige Verpackung. Digipak etwa, 4-farbiges Booklet oder bei Vinyl noch Poster oder Textheft dabei. Wenn Du einmal ein paar Jahre lange etwas qualitativ Hochwertiges gemacht hast, gehst Du nicht wieder einen Schritt zurück.“
Die letzte Urlaubsreise führte Mosh nach Australien, wo er mit der Hardcore-Kapelle Toe To Toe im Tourbus der dortigen Warped-Tour (mit u.a. Mighty Mighty Bosstones, Pennywise, All, Guttermouth) beiwohnte. „Auf so einer Tour ticken die Uhren anders. 11h morgens ging es los, abends um halb 9 ist alles vorbei. Kein Alkohol, wenn Du darauf bestehst, kommst in so einen 15 x 15m Hühnerkäfig, wo Du dein Bier trinken kannst. Naja, die Show dauerte 10 Stunden, es gab eine Bühne, 20 Bands und jede Combo hatte 30 Minuten Spielzeit. Die Bühne war halbiert, während eine Band spielte machte die andere Soundcheck. In dem Moment, wo der Schlagzeuger von Band A seinen letzten Schlag machte, gab Band B schon Gas. Die Gitarren waren noch nicht ausgestöpselt, da ging es auf der anderen Seite schon zur Sache. Keine Ruhepause. Und als dann die Skater und Crossfahrer auf den Rampen fuhren und über dem Publikum rumsprangen, hab ich gerafft, das Vans ‘ne Schuhfirma und kein Verbund von Kleinlastwagenfahrern ist.“ Man lernt nie aus. Noch mehr Weiterbildung gibt es unter www.knock-out.de
Weitere Infos: www.knock-out.de
© 01. Oktober 2002  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Oktober 2002

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