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SNAPCASE - Im Hardcoremuseum

Seit über 10 Jahren räumen Snapcase den Hardcore-Zirkus nun schon auf und vielleicht wissen sie heute mehr denn je, das maximale aus ihren Fähigkeiten rauszuholen. Mit ihrem Geniestreich "End Transmission" ist ihnen wahrlich ein Album gelungen, das die Grenzen ihres Genres neu absteckt. Frontmann Daryl Taberski stand fröhlich Rede und Antwort.
"Dieses Album ist so gut geworden, es macht mir überhaupt nichts aus, den ganzen Tag darüber zu sprechen.", eröffnet ein hörbar gutgelaunter Taberski das Gespräch. "Wir haben am Anfang niemals daran gedacht, jemals so weit zu kommen und solche Möglichkeiten ausschöpfen zu können. Das ist schon großartig." Und obwohl man Snapcase grob dem Hard- und Postcore zuordnet, wirkt alles nun so unglaublich anmutend ehrlich. Da darf man den Begriff Emo wieder einmal in Frage stellen. "Man nennt das wohl Emo, weil es mehr die traurige Seite behandelt, was andere Styles nicht tun. Wir decken sehr viele Gefühle ab." Und das auf nahezu magische Weise. "Die Art, wie dieses Album enstanden ist, ist irgendwie "rückwärts". Wir sind fünf völlig unterschiedliche Typen mit fast völlig unterschiedlichen Ideen für diese Platte und haben alles zusammengetragen. Dann haben wir immer wieder zurückgespult und immer wieder etwas verändert. Wir wollten mehr mit Tempo und offenen Sounds experimentieren." Die Kunst, Härte nicht nur brutal darzustellen, ist auf jeden Fall gelungen. "Wir sind zwar nicht so metallisch wie viele Metalbands und nicht so noisy wie viele Noise-Acts, aber dennoch besitzen wir eine Menge Kraft." Die sie auszudrücken vermögen. Ganz im Sinne des Albumtitels? "Es geht um das Beenden der Kommunikation und damit auch nicht stehenzubleiben, sondern weiterzugehen, um hoffentlich etwas Neues zu entdecken." Auch das Artwork von "End Transmission" erschwert eine Kategorisierung. "Es gefällt uns, dass es nicht wirklich typisch aussieht. Die Leute dürfen raten, was sich dahinter verbirgt. Man soll uns nicht direkt einordnen, bevor man sich selbst ein Bild gemacht hat." Somit setzt sich auch das Publikum aus vielen verschiedenen Charakteren zusammen. "Wir haben mit so vielen unterschiedlichen Bands getourt, beispielsweise NOFX, Papa Roach, Deftones, Anti-Flag, ... und überall erhielten wir Zuspruch. Wir sind einfach mehr als eine aggressive Band. Viele Leute verstehen das. Eigentlich ist es egal, vor wem wir spielen. Da sind auf der einen Seite solche HipKids, die genauso aussehen, wie sie aussehen müssen, aber auch einfach Teenager, die Spaß haben wollen. Und das mit uns." Auch textlich ist das vorliegende Material nicht uninteressant. "Es geht um Veränderungen, Flucht, einfach mal auszubrechen. Das kann man natürlich auf verschiedenste Weisen deuten. Auf der einen Seite selbstmörderisch, auf der anderen Seite mehr persönlich, sich in jemanden zu verwandeln, der man schon immer sein wollte, aber endlich einmal den Mut aufzubringen, das auch durchzuziehen. Positiv halt." Und dieser Vibe ist durchgehend auszumachen. Das Album ist durchaus anspruchsvoll ausgefallen, aber jeder muss selbst entscheiden, wohin er diese Scheibe einordnet. Von der fesselnden Wirkung kann man sich aber ganz sicher schwer lösen.

Aktuelles Album: End Transmission (Victory/Connected)
© 01. Oktober 2002  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Oktober 2002

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