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Levellers - Entertainment statt Politik

"Wir sehen uns selbst als Entertainer. Wir sind keine Politiker. Wenn die Leute nur zu unseren Shows kommen, um zu tanzen, ist das für uns völlig in Ordnung. Wir haben trotzdem nie unsere Gewichtung verändert, auch wenn wir irgendwann aufgehört haben, die offensichtlich politisch motivierten Songs zu spielen", erklärt Bassist Jeremy Cunnigham im Interview mit der Westzeit das Verhältnis von Politik und Musik bei den Levellers. Seit fast 15 Jahren gibt es die Folk-Punks - die gerade ihr neues Album "Green Blade Rising" veröffentlichen - jetzt, aber vor Problemen sind sie deshalb dennoch nicht sicher. Diese Erfahrung machten sie unlängst wieder zu Hause in Großbritannien.

Dort wollte die Band Ende August nämlich ein großes Festival unter dem Titel "Green Blade Fayre" veranstalten, das als Gegenpol zu den kommerzialisierten Großfestivals auf der Insel dienen sollte. Doch obwohl bereits ein Gelände im Grünen gefunden und das Line-Up zusammengestellt war, musste das Unternehmen kurzfristig abgesagt werden, weil Polizei und die Bewohner der angrenzenden Kleinstadt die Levellers-Fans nicht in ihrem Ort haben wollten. "Wir werden eben immer noch mit bestimmten Leuten in Verbindung gebracht, die die Offiziellen nicht sehr mögen. Wir haben nun einmal klare politische Überzeugungen und stehen deshalb auch mit politisch denkenden Menschen in Verbindung. Allerdings müssen wir auch ganz klar sagen, dass es ein Musik-Festival werden sollte, keine politische Kundgebung! Den Polit-Aspekt haben sich die Offiziellen nur deshalb herausgepickt, weil sie das an uns am meisten erschreckt."

Erschreckt hatte die Band auch viele alte Fans mit ihrem letzten Album "Hello Pig", das zwar äußerst modern, aber so gar nicht nach den Levellers klang. "Um ganz ehrlich zu sein - die meisten Fans haben die Platte regelrecht gehasst", gesteht uns Jeremy lachend. "Das war uns allerdings von Anfang an klar. Es war einfach etwas, das wir damals tun mussten. Wir wollten nicht einfach nur 'die nächste Levellers-Platte' produzieren, wir wollten etwas mit mehr künstlerischer Integrität machen. Deshalb musste 'Hello Pig' so klingen. Zu dem Zeitpunkt hatte Mark einfach beschlossen, keine Popsongs mehr zu schreiben. Dass die neue Platte nun wieder eher wie die älteren klingt, war nur möglich, weil wir die vorherige gemacht haben. Wir haben uns einfach zusammengesetzt und gesagt: 'Was wir am besten können, ist schnelle Folk-Rock-Musik live zu spielen, also lasst uns das tun!'" Zusammen mit Al Scott, dem Produzenten ihrer nicht nur kommerziell erfolgreichsten Alben Mitte der 90er Jahre, haben die Levellers textlich wie musikalisch den Weg zurück zu ihrem klassischen Sound gefunden, in dem mitunter die Geige wichtiger ist als ein tanzbodenkompatibler Beat. Und auch die Melodien sind endlich wieder angenehm poppig und ohrwurmig gehalten. Viel mehr als altbekannte Qualität liefern uns die Engländer, die im November auch wieder in Deutschland live zu sehen sein werden, auf "Green Blade Rising" zwar nicht, aber trotzdem ist bekanntlich nicht alles, was alt (-bewährt) ist, auch von gestern!

Aktuelles Album: "Green Blade Rising" (Eagle Records/Edel)
© 01. Oktober 2002  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld
Oktober 2002

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