interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
JUPITER JONES - Der Plan ist aufgegangen

Wozu Gartenlaubenparty in der tiefsten beschaulichen Eifel manchmal gut sind. Eine aus dem Herbst 2002 war gut für einen Bandgründung. Dabei kam damals Jupiter Jones heraus, benannt nach dem jugendlichen Detektiv aus der englischsprachigen Originalversion der Buch- und Hörspielreihe ´Die drei ???.´ Aus Gründerzeiten sind immer noch Sänger und Gitarrist Nicholas Müller, Schlagzeuger Marco Hontheim und Gitarrist Sascha Eigner dabei. Der Neue ist Andreas Becker am Bass. Sechs Alben pflastern den Weg der Truppe. Das letzte trägt den schlichten Titel ´Jupiter Jones´ und ist im Februar erstmals bei einer großen Plattenfirma erschienen.

Seitdem ist viel passiert. „Obwohl die dazugehörige Single ´Still´ am Anfang kein Mensch im Radio spielen wollte, mauserte sie sich im April 2011 zum meistgespielten deutschsprachigen Lied im deutschen Radio und hält sich insgesamt 24 Wochen in den Airplay-Charts“, blickt Sascha Eigner zurück.

Das hat natürlich zur Folge, dass es um Jupiter Jones alles andere als still wird. Der ganze Trubel führt dazu, dass das Album vergoldet wird und die Single kurz vor Platin steht und die Frühjahrs-Tour - alle zwölf Daten - ausverkauft waren. In einigen Städten musste die Jupiter Jones-Show sogar in größere Hallen verlegt werden.



Acht Jahre Vorarbeit

„Was passiert ist, hat so wirklich niemand auf dem Schirm gehabt”, sagt Sascha Eigner, „es fühlt sich aber unglaublich gut an, dass sich alle Mühen und Risiken, die wir auf uns genommen haben jetzt in dieser Form belohnt werden. Andererseits ist dies ja nicht voraussetzungslos passiert. Da stecken achte harte Jahre Vorarbeit drin. Und das berühmte Quäntchen Glück war natürlich auch vonnöten. Wir haben einfach zur richtigen Zeit das richtige Team am Start gehabt. Eins, das an die Band geglaubt hat und verstanden hat, Jupiter Jones so zu positionieren, wie es sinnvoll ist. Und trotz des Wechsels zur großen Firma ist die Band weiterhin in nahezu alle Entscheidungen eingebunden.“

Nur auf diesem Hintergrund war eine große Plattenfirma für Jupiter Jones überhaupt erst interessant. Die Band weiß sehr wohl, dass heutzutage keine der Großen mehr eine Abteilung für den Aufbau und die Entwicklung von Künstler hat.

„Die Zeiten, in denen unbekannte Künstler, wie etwa der damals lediglich als Schauspieler bekannte Herbert Grönemeyer bei einer großen Firma vier Alben mehr oder weniger erfolgreich in den Sand setzen konnten, um dann dennoch durchzustarten, die sind ein für allemal vorbei“, weiß Sascha Eigner und bestätigt damit, wie viel Arbeit Rock’n’Roll macht, wenn alles, aber auch alles in den eigenen Händen liegt, „dieses gerüttelt Maß an Erfahrung hat auch erhebliche Vorteile; denn bei der derzeitigen Aufregung hilft es allen, dass Jupiter Jones keine wirkliche Newcomerformation ist, sondern eine gewachsene Gemeinschaft, die ganz gut mit den Ereignissen umgehen kann.“

Das nährt die Hoffnung, dass Jupiter Jones auch in Zukunft die entspannten Zeitgenossen und komplett bodenständigen Jungs bleiben werden. Was jedoch leidet ist das Privatleben, doch das wird gerne in Kauf genommen.

„Das Privatleben ist wirklich eher beschränkt“, macht sich Sascha Eigner keinerlei Illusionen, „das ist der Preis, den man bezahlen muss und den wir natürlich gerne zahlen. Es ist ja schließlich kein Job, den wir machen. Sondern eher ein Geschenk.



Reif und schlau

Doch was nützt alle Arbeit, wenn eine Band textlich und musikalisch nichts anzubieten hat. Auch hier macht Jupiter Jones den Unterschied. Denn die „außerhalb des Mainstream-Gedöns“, wie Sascha Eigner so schön sagt, aufgebaute beachtliche Fanbasis liebt den temporeichen deutschsprachigen Punk-Pop-Rock, der sich nicht in Schubladen pressen lässt. Eine Musik aber, die äußerst charmante Reife und Schläue ausstrahlt. Anspruchsvolle Texte, die an der Lebenswirklichkeit der Fans anknüpfen sind darüber hinaus ein weiteres Markenzeichen der Gruppe.

„Das hängt schlichtweg damit zusammen, dass wir eine stark biografische Band sind, die alles, was sie so erlebt, über ihre Texte verarbeitet“, lässt Sascha Eigner einen Blick in die Textwerkstatt zu, „dabei reflektieren wir das Biografische auch ganz bewusst in Deutsch; das ist zwar anspruchsvoller, aber auch interessanter, da ich mit der eigenen Sprache weitaus mehr spielen kann.“

Zudem wissen Jupiter Jones auch noch, gefühlvoll und mit Liebe zum Detail mit ihrem diesbezüglichen Können umzugehen ist.

„Wir machen einfach alles, was uns Spaß macht, egal wie es heißt: Punkrock, Pop, Singer-Songwriter und auf dem neuen Album Achtziger-Synthie-Sounds“, plaudert Sascha Eigner aus dem Nähkästchen, „und wir haben schon immer viel Wert darauf gelegt, dass unsere Texte Tiefgang und Sinn haben.“

Doch wie entstehen diese kleinen Wunderwerke, die zwar eindringlich sind, nie aber aufdringlich, die laut und rockig daher kommen, allerdings nur selten auf eine bedrohliche Art? Zumal durchaus bekannt ist, dass die Mitglieder von Jupiter Jones durch sehr unterschiedliche Musikgeschmäcker auszeichnen.

„Damit gehen wir mittlerweile sehr offen um“, sagt Sascha Eigner, „so gab es durchaus einige Diskussionen über die vielen Synthies in einigen Stücken. Doch aber genau diese kreativen Auseinandersetzungen sind in das Stückeschreiben eingeflossen und haben den Liedern sehr gut getan. Letztendlich ist es aber wie bei allem, was wir tun. Wenn nicht alle zu 100 Prozent dahinter stehen, wird es nicht gemacht. Das betrifft auch die Musik und die Texte.“

So sind sie entstanden, die Stücke, die vom ersten Takt an so richtig zupacken und dieses ganz seltsames Bauchgefühl verursachen.



Her mit dem Pott! - Der

Bundesvision Song Contest

Aktuell sind Jupiter Jones zur Leistungsschau der deutschen Musiklandschaft, zum siebten Bundesvision Song Contest aufgelaufen und haben Rheinland-Pfalz vertreten.

„Verrückt ist dies deshalb, weil wir diesbezüglich bereits vergebliche Anläufe auf eigene Faust hinter uns haben“, amüsiert sich Sascha Eigner, „wir sind jetzt überglücklich, wissen wir doch auch, dass sich die Plattenfirmen förmlich drum prügeln, dass ihre Bands teilnehmen können.“

Mit dem betont rockigen Song ´ImmerFürImmer´ wollen Jupiter Jones den vielen Balladen Paroli bieten. Das Stück steht auch bereits als zweite Single fertig zum Abheben auf der Startbahn. Rechnen sich Jupiter Jones denn da überhaupt Chancen auf den Sieger-Pott aus? Als Geheimtipp werden sie durchaus gehandelt. Nur so viel lässt sich Sascha Eigner dazu entlocken:

„Im Vergleich zu den vergangenen Jahren mit klaren Favoriten ist diesmal das Feld sehr ausgeglichen.“

Die regionale Zuordnung des Bundesvision Song Contest provoziert jedes jahr wieder aufs neue die Frage, wer denn da überhaupt noch in dem Bundesland wohnt, das vertreten wird?

„Unser Schlagzeuger Marco Hontheim ist so der verwurzelte Typ“, lacht Sascha Eigner, „er ist der einzige, der noch in der Eifel wohnt. Dort hat er sich ein Häuschen gekauft hat und liebevoll renoviert.“

Sie haben seit Erscheinen der CD „Jupiter Jones“ so viele Lorbeeren geerntet, dass damit nicht nur ein einzelnes Zimmer ausgekleidet werden könnte, sondern ein ganzes Hochhaus.

„Jupiter Jones werden sich jedoch nicht auf diesen Lorbeeren ausruhen“, da gibt es für Sacha Eigner gar keine Diskussion, „den Rest des Jahres werden wir im Rahmen unserer ´Konvoi-Tour´ auf den Bühnen Deutschlands verbringen. Dort wird der Erfolg mit denen gefeiert, die ihn überhaupt erst ermöglicht haben: unsere Fans in allen Teilen der Republik.“

Obwohl für die Herbst-Tour schon größere Hallen gebucht wurden, sind die ersten schon wieder ausverkauft.

Aktuelles Album: Jupiter Jones (Mathildas und Titus Tonträger / Columbia / Sony Music)
© 03. Oktober 2011  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer ||| Foto: Sven Sindt
Oktober 2011

Links

suche