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THE DUKE SPIRIT - Runter von der Achterbahn

Im ersten Moment klingt ´Bruiser´, das just erschienene dritte Album von The Duke Spirit, hörbar anders. Schlanker kommt es daher, aber auch dreckiger, doch in der Essenz, im Kern, der sich nach mehrmaligem Hören herausschält, hat es trotzdem alles, was das grandiose Vorgängerwerk ´Neptune´ vor drei Jahren mit seinen von Garagen-Rock über melodiösen Retro-Pop und kosmischen Blues bis hin zu samtweichem Soul reichenden Einflüssen zu einem unvermuteten Favoriten von Presse und Publikum gleichermaßen hatte werden lassen.

Nachdem Gitarrist Dan Higgins das britische Quintett, dem auch ein Ruf als phänomenale Live-Band vorauseilt, Ende 2008 verlassen hatte, weil er sich lieber um seine Familie kümmern wollte, anstatt am anderen Ende der Welt in Tourbussen und Backstageräumen zu sitzen, nahmen die restlichen Musiker die neue Platte zu viert in Angriff – und sahen sich plötzlich mit ungeahnten Möglichkeiten und einer ganz anderen Dynamik konfrontiert.

“Wir waren uns alle einig, die ganze Sache etwas anders anzugehen”, erinnert sich Sängerin Liela Moss im Westzeit-Interview. “Wir wollten alles minimaler halten und nicht unbedingt zwei Gitarren bei jedem einzelnen Song einsetzen. Wir wollten außerdem den wahren Kern des Songwritings weiter erforschen, nach echten Melodien suchen. Die Hooks waren der Fokus.”

So entdeckt man auf ´Bruiser´ viele Ideen, die auf ´Neptune´ bereits angedacht waren, sich aber erst jetzt den Weg an die Oberfläche bahnen konnten. Die klangliche Reduktion führte letztlich dazu, dass das Ergebnis dieses Mal mehr Kanten, aber auch (noch) mehr Wucht hat. Gleichzeitig, da ist sich Liela sicher, hat die Platte aber auch Momente der Eleganz und Sinnlichkeit:

“Natürlich hatten unsere vorherigen Platten auch schon Momente, auf die diese Beschreibungen zutreffen, aber nun gibt es auf der Platte genug Freiräume, damit diese Eigenschaften deutlicher zutage treten können. Es gibt dieses Mal viele Stimmungsschwankungen. Es gibt Erhebendes und Niederschmetterndes. Wir sind einfach mit mehr Bedacht zu Werke gegangen. Wir hatten zwar immer schon eine Vorliebe für einen fiesen Sound, aber jetzt haben wir besonders darauf geachtet, dass man alles bewusster wahrnehmen und intensiver spüren kann. Unser Sound ist nun viel stärker definiert, wir haben die Energie gesteigert und die Botschaft ist klarer.”

Letzteres lässt sich nicht zuletzt an Lielas neuem Selbstverständnis als Texterin festmachen.

“Bei den ersten beiden Platten habe ich mein Herz auf der Zunge getragen – ohne viel Zeit dafür aufzuwenden, ohne Korrekturen. Es war eher ein ´Oh, cool, das funktioniert, und wahr ist es auch noch! Na, bitte!´. Dieses Mal habe ich mir mehr Zeit gelassen, die Texte zu gestalten. Ich habe mich wie ein Bildhauer gefühlt, ich habe die Texte stärker modelliert. Die Quellen waren letztlich die gleichen wie zuvor, aber dieses Mal war ich sorgfältiger bei der Auswahl der Worte und wie ich sie benutze. Ich wollte ein Stück weit den kindlichen Leichtsinn hinter mir lassen und überlegter zu Werke gehen.”

Der Grund für die neue Herangehensweise liegt auf der Hand: Inzwischen betrachten Liela und die Ihren die Musik weniger denn je als reinen Zeitvertreib auf dem Weg ins ´normale´ Berufsleben, sondern als ihre wahre Berufung, weshalb bei The Duke Spirit anders als bei vielen ähnlich inspirierten Bands kein Platz ist für alberne Posen und Oberflächlichkeit, sondern echte Emotionen im Vordergrund stehen und Langlebigkeit das Ziel ist.

“Ja, ich habe das Gefühl, dass wir die Achterbahngefühle – ´Hach, ist das aufregend, wie lange kommen wir damit wohl durch? Woohoo´, ´Oh, nein, ist jetzt alles aus? Nee, es geht doch weiter!´ – etwas hinter uns gelassen haben”, bestätigt die Frontfrau und macht vor allem die ausgiebigen Tourneen in allen Teilen der Welt für diese Entwicklung und die veränderte Einstellung zum Musikerdasein verantwortlich.

“Jetzt ist mir klar, dass die Band mein fortdauerndes künstlerisches Betätigungsfeld ist. Ich hinterfrage jetzt nicht mehr unseren Platz in der Welt als Rockband, nun ist mir nur noch wichtig, dass unsere Musik für mich selbst Bedeutung hat und dass ich sie über Kopfhörer anhören kann, ohne dass es mir peinlich ist!”

Aktuelles Album: Bruiser (Fiction/Coop Music/Universal)
Weitere Infos: www.thedukespirit.com
© 01. Oktober 2011  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: www.thedukespirit.com
Oktober 2011

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