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THE DUKE SPIRIT

Neue Farben

THE DUKE SPIRIT

Dream-Pop in Lederjacken – so wurde an anderer Stelle der aktuelle Sound von The Duke Spirit bereits sehr treffend beschrieben. Denn auch wenn beim neuen Album Simon Raymonde von The Cocteau Twins als Produzent am Mischpult saß, ist natürlich immer noch der Einfluss von PJ Harvey, Patti Smith, The Breeders, Spiritualized oder The Jesus And Mary Chain unüberhörbar. Trotzdem fällt ´KIN´ hörbar anders aus.

Mit dem Vorgängeralbum ´Bruiser´ hatten die Briten vor fünf Jahren einen unbändige Rock´n´Roll-Rundumschlag abgeliefert, mit der aktuellen LP ´KIN´ dagegen verfolgen Frontfrau Liela Moss und die Ihren andere Ziele.

„Ich bin wirklich froh, dass wir mit der neuen Platte die Harmonie und Schönheit in unserer Musik zeigen können“, sagt die Sängerin im Gespräch mit Westzeit über das neue Album. Im Klartext heißt das: Inzwischen setzt das Quartett immer seltener auf Lautstärke und Geschwindigkeit, sondern findet gerade bei den langsameren, reduzierten Nummern mit einem gewissen Dream-Pop-Flair neue emotionale Stärke.

„Bisweilen herrscht die Annahme vor, dass wir nur eine billige Rock-Band sind“, sagt Liela lachend. „Das war allerdings nie unser Ziel. Wir haben vermutlich manchmal diesen Aspekt unseres Tuns etwas zu sehr betont, und deshalb glauben viele Menschen jetzt, dass wir nur zweidimensional sind. Die neue Platte dagegen zeigt hoffentlich, dass wir durchaus in der Lage sind, eine dritte und vierte Dimension zu eröffnen.“

Die lange Pause, die The Duke Spirit vor der Veröffentlichung ihres inzwischen vierten Albums eingelegt haben, war nicht geplant. Der Band kam, wie es so schön heißt, einfach das Leben dazwischen. Als die Band Anfang 2013 ihre Zukunft planen wollte, ereigneten sich einschneidende Dinge im Leben der Musiker.

„Meine Stiefmutter wurde sehr krank und verstarb einige Zeit später, gleichzeitig erwartete unser Gitarrist Luke Ford die Geburt seiner ersten Tochter“, erinnert sich Liela. „Du kannst dir sicher vorstellen, dass, wenn du eh müde vom Unterwegssein bist, unter solchen Umständen irgendetwas zurückstehen muss.“

Die nächsten 18 Monate waren die vier dann alle sehr auf ihr Privatleben fokussiert, bis sie vor rund anderthalb Jahren wieder neue Lust auf die alte Band bekamen.

„Das war ein wenig so, als wenn du die Bücher ganz oben im Regal abstaubst und denkst: ´Oh, was ist das denn, das hatte ich ja ganz vergessen!´“, sagt Liela. „Plötzlich verspürst du eine ganz neue Begeisterung!“

Ganz hatten sich die vier auch in der Zwischenzeit nicht von der Musik abgewandt. Wann immer es ihre privaten Verpflichtungen zuließen, beschäftigten sie sich mit kleinen Nebenprojekten, von denen Tobys und Lielas Electronica-Duo Roman Remains das meiste Aufsehen erregte. Diese Aktivitäten waren kaum mehr als ambitionierte Hobbys, aber die Erfahrungen schlugen sich nun auch auf die Arbeitsweise und den Sound von The Duke Spirit nieder, denn für ´KIN´ ging die Band ohne Scheu vor Experimenten neue Wege und trennte sich von zuvor ein wenig festgefahrenen Sichtweisen. Das gilt auch für Lielas Texte, die nun näher an ihrem eigenen Leben orientiert sind als je zuvor. Musikalisch dagegen schalten die Briten derweil immer öfter einen Gang zurück und begeistern mehr mit düster knisternder atmosphärischer Dichte denn mit urgewaltigen Gitarren.

„Wir wollten eine Platte machen, die anders klingt“, erklärt Liela.

„Roman Remains haben uns gezeigt, wie toll synthetische Klänge und Programmings sein können. Früher hatte ich immer gedacht, diese Sounds seien bei The Duke Spirit fehl am Platze, aber ich habe gemerkt, dass dem nicht so ist. Schließlich haben wir Künstler wie Roxy Music, Brian Eno, Kraftwerk oder Suicide ja schon immer gemocht. Wir haben unserer musikalischen Palette einfach ein paar Farben hinzugefügt.“

Ein neuer Anstrich, der The Duke Spirit hervorragend zu Gesicht steht.

Aktuelles Album: KIN (Ex Voto Records / Alive)


Weitere Infos: thedukespirit.com

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