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A DAY TO REMEMBER - Unaufhaltbar

2003 im beschaulichen und sonnigen Ocala, Florida gegründet, konnte niemand ahnen, welch eine Karriere A Day To Remember bevorstehen sollte. Denn 13 Jahre später und sechs Alben später ist die Band um Sänger Jeremy McKinnon eine der weltweit größten und erfolgreichsten Bands des Alternative-Genres. Zu diesem außergewöhnlichen Erfolg beigetragen hat sicher auch der ungewöhnliche und unnachahmliche Stil aus Pop-Punk sowie Metalcore-Elementen. Die neue LP ´Bad Vibrations´ erscheint in Eigenregie auf dem bandeigenen Label ADTR Records in Zusammenarbeit mit Epitaph. Für Musiker diese Größenordnung ebenfalls eine Seltenheit. Gitarrist Kevin Skaff verrät im Interview einige Erfolgsrezepte der Band.

Eigenständigkeit und Treue sind für A Day To Remember ein großes Thema. Daran lässt auch Skaff keine Zweifel: „Ich glaube es ist enorm wichtig, auch für größere Bands, sich selbst treu zu bleiben. Fans merken sehr schnell, ob etwas echt oder gefaked ist. Vermutlich sogar schneller, als uns Bands das lieb ist. A Day To Remember ist genauso unser Projekt, wie das unserer Fans. Sie sind ein fester Bestandteil, ohne sie wäre nichts möglich. Deshalb ist es ebenfalls wichtig, selbst den Überblick über die Karriere deiner Band zu behalten. Viele Musiker geben schnell die Kontrolle über verschiedenste Dinge ab. Aber die Fans merken eben auch, ob eine Band selbst etwas kommuniziert oder es sich dabei nur um vorgegeben Phrasen des Managements handelt.“

Den schier unfassbaren Erfolg kann sich der Gitarrist, der 2009 zur Band stieß, immer noch nicht erklären.

„Irgendwie hat sich das alles nach und nach so entwickelt. Klar, es war harte Arbeit. Du spielst ja nicht vor 100 Leuten und zack - spielst du plötzlich vor 50.000 Leuten, wie es teilweise bei den großen europäischen Festivals momentan der Fall ist. Es ist völlig verrückt. Auch im Nachhinein betrachtet fühlt es sich an wie ein Traum.“

Ein Traum der in Erfüllung gegangen ist. In den Vereinigten Staaten platzierte sich das Album ´What Seperates Me From You´ 2010 auf Platz 11 der Billboard-Charts und auch in Deutschland haben A Day To Remember eine riesige Anhängerschaft. Im Januar nächsten Jahres kehrt die Band nach Europa zurück und wird mit Leichtigkeit Venues mit beträchtlichen Kapazitäten füllen. Dabei ist das Publikum bunt gemischt. Sowohl Metal-Fans, als auch Pop-Punk-Anhänger feiern die Rockgruppe.

Die Tour wird ganz im Zeichen des neuen Albums ´Bad Vibrations´ stehen. Die LP wirkt wieder deutlich härter, als das Vorgängeralbum ´Common Courtesy´ und erinnert vielmehr an die beiden Frühwerke ´And Their Name Was Treason´ sowie ´For Those Who Have Heart´ aus den Jahren 2005 und 2007. Kevin Skaff erklärt die möglichen Parallelen folgendermaßen:

„Der Aufnahmeprozess für ´Bad Vibrations´ war sehr ähnlich, wie bei diesen Alben. Wir haben alle zusammen in einem Raum gesessen und Songs geschrieben. Tagelang. Von morgens bis abends. Songs aufgenommen und wieder verworfen. Vielleicht hat sich das auch unterschwellig auf den Sound des Albums ausgewirkt. Davor hat jeder nur an seinen Parts gearbeitet und es gab die Möglichkeit sich zurückzuziehen, wenn jemand anders grade aufgenommen hat. Diesmal war das anders. Wir sind morgens aufgestanden und haben 10 Stunden am Stück an den neuen Songs gearbeitet. Unser Produzent saß im Nebenraum und hat alles mitgeschnitten, sodass wir uns alles immer direkt im Anschluss anhören konnten. Danach wurde dann entschieden, was wir behalten und was nicht. Es ist durch diese gemeinsame Arbeitsweise ein wirkliches Band-Album geworden.“

Der Titel des Albums ´Bad Vibrations´kommt da nicht von ungefähr.

„Wir haben 30 Tage auf sehr engem Raum verbracht. Songwriting kann anstrengend und emotional sein, jeder kommt an die eigenen Grenzen. Und an einem Punkt sagte Jeremy so etwas wie ´I can literally feel the bad vibrations in here´ und wir alle wussten: Das wäre ein super Albumtitel! Ob und warum das Album jetzt härter wirkt, kann ich nicht wirklich beurteilen. Zumindest war es nicht beabsichtigt, sondern hat sich natürlich so entwickelt. Wir hatten nicht die Intention besonders viele harte Parts auf die Platte zu packen.“

Während Sänger Jeremy McKinnon bei einigen Alben der Band in Sachen Produktion zuvor selbst Hand anlegte, verzichtete er jetzt auf diese Rolle. Stattdessen konzentrierte er sich vollständig auf das Songwriting und die eigenen Gesangsparts. Unter anderem arbeitete McKinnon als Produzent schon mit The Ghost Inside, The Devil Wears Prada, Neck Deep und Wage War. Das Resultat ist ein starkes Album, das A Day To Remember in all ihren Facetten repräsentiert. Brutale Breakdowns und Riffs (´Exposed´, ´Reassemble´), eingängige Refrains (´Naivety´, ´Bullfight´) oder sommerlicher Pop-Punk (´We Got This´) - auf ´Bad Vibrations´ sind alle Qualitätsmerkmale der Band aus Florida vorhanden.

´Bad Vibrations´ erscheint auf ADTR Records, dem eigenen Label der Band. Nach rechtlichen Streitigkeiten mit dem früheren Label Victory Records hatte man schon das Vorgängeralbum ´Common Courtesy´ quasi in Eigenregie veröffentlicht. Jetzt holten die Amerikaner zusätzliche Verstärkung in Form von Epitaph Records ins Boot. Deren Roster beinhaltet derzeit eh alles, was Rang und Namen in der alternativen Musikszene hat. So ist das kalifornische Independent-Label inzwischen Heimat für Bands wie Architects, Every Time I Die, Touche Amore, Parkway Drive oder Letlive. geworden. War dieser Schritt also nur logische Konsequenz?

„Wir wollten von Anfang an mit ihnen zusammenarbeiten! Brett ist ein super Typ und: Er spielt bei Bad Religion! Wir schick ten ihm das Album und er sagte sofort: Ich will euch bei dem Release unterstützen! Es gab sicher noch andere Interessenten, aber die wollten dann Sachen machen, die wir nicht wollten oder umgekehrt. Er hat uns alle Freiheiten gelassen und wir sind sehr glücklich über die Zusammenarbeit. Beim Release von ´Common Courtesy´ haben wir einen guten Job gemacht und ich bin immer noch sehr stolz auf unsere Leistung. Da alles so gut geklappt hat, wollten wir auch jetzt dieser Linie treu bleiben.“

Im neuen Video zum Titelsong fahren A Day To Remember eine Menge an teurem Gitarrenequipment auf. Dies lässt die Vermutung zu, dass Kevin Skaff und sein Kollege Neil Westfall echte Gitarrennerds sind. Skaff klärt auf: „Wir beide kaufen sehr viel Kram und probieren eine Menge aus. Als Gitarrist bist du ständig auf der Suche nach dem perfekten Ton! Da gibt es aber ein Problem: DEN perfekten Ton gibt es eben nicht. Also sucht man weiter, kauft und verkauft Equipment. Ich habe ca. 20 verschiedene Gitarrenverstärker zu Hause, dass ist schon fast nicht mehr gesund, haha! Am Ende kehre ich trotzdem meistens zu meiner verlässlichen Standard-Austattung zurück, denn: Da weiß man, was man hat!“

Der Aufstieg von A Day To Remember war sicher nicht einfach. Eine Menge Hindernisse hat die Band während ihrer Karriere erfolgreich aus dem Weg geräumt. Show um Show wurde gespielt - gegen alle Widerstände. Standen die Musiker 2007 noch auf der kleinen Zeltbühne bei Rock Am Ring, so wuchs ihr Publikum dort Jahr für Jahr stetig an. Heute spielen sie begehrte Slots vor unzähligen Zuschauern. Und diese Entwicklung war nicht nur bei Rock Am Ring zu beobachten sondern weltweit. ´Bad Vibrations´ wird mit Sicherheit den Triumphzug der Amerikaner fortsetzen. Limits und Beschränkungen sind etwas für andere Bands - nicht aber für A Day To Remember. Mit jedem neuen Album erschließen Jeremy McKinnon & Co neue Hörer und machen sich mehr Fans. ´Bad Vibrations´ wird hier keine Ausnahme darstellen.

Aktuelles Album: Bad Vibrations (ADTR Records / Epitaph) Vö: 09.09.
© 03. August 2016  WESTZEIT ||| Text: Jannik Holdt ||| Foto: James Hartley
August 2016

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